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Archäologie: Sehr gut - Religion: Mangelhaft
Vorneweg bemerkt: archäologisch sind die Autoren sicher ausgezeichnet, vom Inhalt des Buches, dem sie mit Ausgrabungen beikommen wollen, haben sie aber wenig verstanden. Es geht um die Geschichte von Menschen, die in ihrem Leben eine Beziehung zu Gott entwickelt haben, der für sie so bedeutsam war, dass sie ihr Leben danach ausgerichtet haben. Geschichte mit Gott ist immer persönliche Beziehung (zumindest, wenn sie gelebt wird). Da hilft es garnichts, wenn ich weiß, dass archäologische Indizien dafür sprechen, dass der Pentateuch nicht um 800-900 v.Chr. sondern erst 200 Jahre später entstanden ist. Um es an einem plakativen Beispiel zu erläutern: wenn ich in die Wohnung eines mir unbekannten Ehepaares komme und die Schränke durchwühle, kann ich allenfalls heraus finden, was die beiden besitzen, vielleicht auch noch, wann sie in diese Wohnung eingezogen sind und ob sie ordentlich oder schlampig sind. Aber, ob sich die beiden wirklich lieben, erfahre ich durch die ganze Sucherei nicht. Da muss ich schon mit ihnen ins Gespräch kommen. Dann werden sie mir vielleicht sagen, wie es um ihre Liebe steht.
Genau so ist das mit der Bibel: es ist ein Buch, das von der Liebe besonderer und einzigartiger Menschen zu Gott erzählt. Wenn ich es Ernst nehme und es als Zeugnis dieser Liebe verstehe, dann kann ich damit etwas anfangen. Wenn ich nur zwischen Tonscherben und zerfallenen Mauern suche, werde ich nichts finden.
Deshalb: Archäologie sehr gut - Religion: Mangelhaft. Totzdem ist das Buch durchaus lesenswert, gibt es doch einen guten Überblick über die Archäologie der Bibel. Mehr aber auch nicht.
Biblische Offenbarung
Es bleibt nicht aus, dass ein Buch, welches die Erzväter, die Josephslegende, die Vertreibung aus Ägypten, die Landnahme und auch die Vereinigung von Juda und Israel durch glanzvoll herrschende Könige wie David und Salomon als archäologisch widerlegt darstellt, heftig angegriffen wird. Hier werden religiöse Überzeugungen berührt. Und Fans des Klassikers "Und die Bibel hat doch Recht" müssen umdenken. Das Buch ist auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand und liest sich spannend wie eine Detektiv-Story.
Das Alte Testament hat allerdings doch Recht behalten. Das geniale Werk aus dem 7. Jahrhundert, welches jüdische Identität gestiftet hat, wo vorher kaum eine war, wirkt bis in die heutige Zeit machtvoll nach und bleibt die literarische Gipfelleistung der Menschheit, noch vor Homers Ilias.
Archäologische Wahrheit ...
Im Untertitel für sich die archäologische Wahrheit in Anspruch zu nehmen, halte ich für dieses Buch übertrieben, wie denn auch wenn schon die Übersetzungen der Bibel untereinander oft sehr gravierende Unterschiede vorweisen. Gute Bibelkenntnisse sind beim Lesen dieses Werkes von Vorteil,(ich habe die Elberfelder Bibel als online Version nebenbei immer parat gehabt) kein Buch für zwischendurch, denn durch die vielen Querverweise ist es zwar interessant, aber auch zeitweise sehr mühsam zu lesen. Würde mich freuen, wenn neben der Bibel Geschichtsbücher auch so akribisch nach archäologischen Fehlern durchsucht werden, da findet sich sicher so einiges in vielen Ländern, nur verkauft sich diese Arbeit dann nicht so gut.
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