Terror als Vorwand

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Terror als Vorwand


Authors: Avi Primor
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: 2004
Publisher: Droste
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Customer Review:
Gute Analyse - faire Behandlung beider Seiten
Darf man Israel kritisieren? Oder ist jede Kritik an Israel antisemitisch? Der allgemeine Sprachgebrauch ist der, dass man politisch korrekt sagt: NATÜRLICH DARF MAN ISRAEL KRITISIEREN - na wie schön! Aber wehe dem, der es dann wirklich macht.

Der für seinen Zynismus bekannte Henryk M. Broder nimmt in seinem Buch - Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror - jeden aufs Korn, der es wagt einen kritischen Satz über Israel zuäußern. Selbst sachliche Kritik, wie die von Günter Grass oder Eugen Drewermann, werden von Broder scharf angegriffen, beleidigt und verspottet.

Warum ist das so? Ist also doch jede Kritik an Israel gleichzusetzen mit dem Totschlagargument: das ist doch Antisemitismus?

Avi Primor ist ohne jeden Zweifel kein Antisemit. Er beleuchtet in seinem Buch die historischen Hintergründe von der Dreyfus - Affäre (1894) über die Staatsgründung Israels bis hin zur sogenannten Al-Aqsa-Intifada im Jahr 2000 und den fürchterlichen Terror Anschlängen am 11. September

Zum schwierigem Thema Kritik am Staate Israel schreibt er auf Seite 196: "Die Israelis wollten von den Europäern ohnehin nichts wissen . . . Seit dem europäischen Gipfeltreffen 1980 in Venedig, wo die Europäer in ihrer Schlusserklärung von einem unabhängigen Palästinenserstaat sprachen, gelten sie als pro palästinensisch, was für den durchschnittlichen Israeli gleichbedeutend ist mit israel - feindlich"

Seite 202: "Viele Juden . . . und viele Israelis . . . betrachten jegliche Kritik als feindselig"

Seite 203: "Die historische Empfindlichkeit der Juden führt aber dazu, dass sie sich schnell als Juden angegriffen fühlen und oft hinter jeder Kritik Antisemitismus wittern"

Avi Primor beschreibt in seinem Buch das oft harte vorgehen der Israelis und übt scharfe Kritik an der Behandlung der Palästinenser durch die israelische Armee. Dabei bleibt er angenehm sachlich und ist somit ein erfreulicher Gegensatz zu den zahlreichen polemischen Angriffen und einseitigen Darstellungen vieler anderer Autoren.

Ein wirklich tolles Buch!

Der kalte Ofen, der niemals auszugehen scheint (Fontane)
Avi Primor ist als Autor einigermaßen unverdächtig, wenn er die interkulturelle Gewalt im Nahen Osten durchleuchtet und die Rollen der Protagonisten aufzeigt, denn er ist Politikwissenschaftler, Politiker, Diplomat und vor allem Israeli.

Das Buch beginnt mit einer Demaskierung der amerikanischen "Befreiung" des Irak, denn Powell soll bereits Anfang 2001 dem britischen Außenminister mitgeteilt haben, dass sich die USA im Nahen Osten nicht mehr engagieren wollen, Bush habe andere Präferenzen. Nur Hussein wolle man entfernen. Das war immerhin acht Monate vor nine-eleven.

Das Phänomen al Qaida wird auch unter die Lupe genommen und es werden Wege aufgezeigt, wie gegen die den Islam pervertierenden Islamisten vorzugehen sei.

Doch dem Autor liegen Israel und Palästina am Herzen. So unternimmt er mit dem Leser einen Ausflug in die israelische Geschichte, die mit Theodor Herzl beginnt und mit Ariel Scharon endet. Den Weg haben sich die Palästinenser bereits 1947 selbst vernagelt, schreibt er, da sie von einem panarabischen Gedanken beseelt Israel für ein zeitlich begrenztes Problem hielten, das die arabischen Nachbarn schon lösen würden. Erst Anwar El Saddat gab wieder Anlass zur Hoffnung. Und als Anfang der 90er der Friede mit den Händen greifbar wurde, zerstörte Assad aus dynastischen Gründen in letzter Minute den Friedensprozess. Eine Karikatur in der Newsweek Anfang der 90er, an die ich mich noch erinnere:

Reporter: Mr. President, do you really want to make peace with Israel?
Assad: Yes, many pieces.

Dann kamen Barak, Nethanjahu und Scharon mit wechselnden Absichten, Talenten und Glück und immer wieder Arafat. So glaubt man sich umgeben von Hoffnungslosigkeit, doch da bringt der Autor die Menschen auf israelischer und palästinensischer Seite ins Spiel, die den Krieg und die Gewalt satt haben und den Frieden schon bewerkstelligen werden, trotz Politik.

Avi Primor in "bücher - bücher" des HR: "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Fundamentalisten unter den Palästinensern genau wie die Fundamentalisten unter uns, den Israelis, nicht zu überzeugen sind. Die wird man nicht überzeugen können. Weil sie gläubige Menschen sind, ideologisch ganz tiefgreifend motiviert. Aber: wenn die Mehrheit der Bevölkerung an einen Kompromiss glaubt, dann bleiben diese Leute isoliert."

Man wünscht dem Buch dennoch viele Leser, auch oder gerade im Nahen Osten.

Books:

  1. Der Anfang nach dem Ende
  2. Unsere Bundespräsidenten. Von Theodor Heuss bis Johannes Rau. Acht Porträts.
  3. Flucht vor dem Bombenkrieg
  4. Mut zur Wirklichkeit
  5. Wie viel Einigung braucht Europa?
  6. Das Europa der Zukunft. Ein Beitrag zur aktuellen Europa-Debatte
  7. Sozialstaat im Härtetest
  8. Gerhard Ritter. Geschichtswissenschaft und Politik im 20. Jahrhundert
  9. Aus dem Schatten der Katastrophe
  10. Gerhard Schröder 1910 - 1989. Politik zwischen Staat, Partei und Konfession

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