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Unilateralistische Staatliche Arroganz: USA!
Die vor Jahren noch europaweit geduldete, wenn nicht gar erwünschte Rolle der USA als Weltpolizist erfährt zunehmend schärfere Kritik. Selbst Verbündete im Irak-Krieg, wie derzeit das "neue" Spanien, kehren den Vereinigten Staaten den Rücken zu. Dem Feldherrn George W. Bush wird der Gehorsam verweigert. Noch geschieht dies eher außerhalb der USA, doch auch der inneramerikanische Druck auf die Führung wächst. Clyde Prestowitz, fundierter Kenner der innersten US-Führungskader, beschreibt eindringlich die Provokationen, mit denen die US-Politelite vor allem Europa traktiert. Es sind mehr als nur Dummheiten der Regierung die Prestowitz darstellt. Vom Unilateralismus bis hin zum weichen Imperialismus reichen die verhängnisvollen Fehleinschätzungen.
Die Amerikaner setzen Globalisierung mit Amerikanismus gleich, zwingen ihre Werte Freund und Feind rücksichtslos auf. Eine zunehmend zerstörte Umwelt und Ressourcenverschwendung werden dabei -vor dem Hintergrund abstruser Technikgläubigkeit- in Kauf genommen. Als dies zeigt der Autor mit großem Engagement, aber doch immer sachlich bleibend und wissenschaftlich präzise auf. Er beschreibt die Gefahr einer dauerhaften Isolierung, welcher sich die USA aufgrund einer Haltung aussetzen, die die wahren Größenverhältnisse der Nation und ihrer ökonomischen Potenz völlig überschätzt.
Ein zentrales Kapitel widmet der Autor der verfehlten Energiepolitik, Kyoto-Ignoranz und Verschwendungssucht im Stile des ewigen Kolonialisten und Eroberers unterm Sternenbanner. Die daraus resultierende, ansteigende Abhängigkeit von Energieimporten verschärft eine aggressive Haltung in der Außenpolitik, welche dann keine Kompromisse mehr zu kennen scheint. Ein Teufelskreis! Auch bei den Themen Atomwaffentests und Handelsfreiheit sieht man eigenes Handeln von internationalem Recht unberührt, reagiert aber äußerst empfindlich auf selbstbewusstes Vorgehen in Schwellenländern und speziell Europa. Wertvorstellungen anderer Kulturnationen und jahrhunderte alte Traditionen werden negiert, Dialogbereitschaft wird nicht mehr signalisiert, es gilt schlicht das Recht des scheinbar Stärkeren, ohne Rücksicht auf (auch eigene) Verluste.
Natürlich hat es in letzter Zeit viele Publikationen zur neu erwachsenen amerikanischen Großmannssucht gegeben. Selten findet der Leser jedoch eine so fundierte, glasklare Bestandsaufnahme, die schonungslos die wahren Beweggründe des politischen Handelns offen legt. Die Lektüre muss ernüchtern, da die Einstellung der US-Führung neben einer ökonomisch-militärischen Überlegenheit in besonderem Maße eine moralische Vormachtstellung für sich reklamiert, die allzu schnell -religiös unterfüttert- jegliche verantwortungsvolle Kooperationsstrategie mit dem Westen unmöglich machen könnte. Das demokratische Amerika, dem Deutschland die Chance zum Neubeginn verdankt, ist degeneriert zu einem erniedrigten Krieger, der eingemauert in einer Wagenburg die letzten Getreuen um sich scharrt. Eine erschreckende Erkenntnis und leider mehr als nur eine Vision!
Trifft den Nagel auf den Kopf
Als ehemaliger konservativer Berater der US-Administration, der in vielen verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet hat, beschreibt Clyde Prestowitz, sehr fachkundig und durch zahlreiche Literaturstellen belegt, die zwiespältige Rolle ( UNO, Internationaler Gerichtshof, internationale Handelsabkommen, Palästina etc.), welche die USA in der heutigen Welt spielen und wie dieses Verhalten von den Nicht-Amerikanern wahrgenommen wird.
Auf der einen Seite verlangen die USA die uneingeschränkte Anerkennung amerikanischer Ideale sowie der Überlegenheit des amerikanischen Systems. Diese begründen das Recht der USA notfalls mit Gewalt diesen "richtigen Weg" durchzusetzen. Auf der anderen Seite billigen sie keinem anderen Land nur annähernd die gleiche Souveränität zu. Häufig stehen sie nicht zu Vereinbarungen, die sie in der Vergangenheit mit anderen Ländern geschlossen haben. Dieser Unilateralismus führt, wie Prestowitz durch Gespräche mit zahlreichen hochrangigen Gesprächspartner in vielen Ländern feststellen konnte, zu zunehmender Isolation der Amerikaner. Insbesondere droht mittelfristig ein Zerwürfnis mit der EU. Prestowitz stellt heraus, dass diese Politik grundlegend amerikanischen Interessen zuwider läuft.
Insgesamt spricht dieses Buch den meisten Nicht-Amerikanern, die sich auf Grund des Herrschaftsanspruchs der USA als Menschen zweiter Klasse fühlen müssen, aus dem Herzen.
Der provokative Titel "Schurkenstaat" scheint mir überzogen zu sein und könnte deshalb dem seriösen Werk abträglich sein. Leider sind in der deutschen Übersetzung zahlreiche Flüchtigkeitsfehler enthalten, die das flüssige Lesen behindern.
Trotzdem betrachte ich dieses Buch als außerordentlich lesenswert.
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