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Augenzeugenbericht vom Leben
Der Name des Verfassers löst zwar nur bei relativ wenigen Lesern sofort ein "Aha" aus, aber das ändert nichts daran, dass seine Erinnerungen die Lektüre lohnen. Stéphane Hessel ist ein Sohn des Schriftstellers Franz Hessel und seiner Frau Helen Grund -- beide sind dem internationalen Kinopublikum bekannt als die Vorbilder für Jules und Cathérine in Henri-Pierre Rochés Roman "Jules und Jim"... (Na, klingelt's?)
Stéphane Hessels Leben ist nicht minder ereignisreich verlaufen als das seiner Eltern -- schon vor der endgültigen Emigration der Familie nach Frankreich wuchs er in Paris auf. Er fühlte sich als Franzose, war in der Résistance, wurde gegen Kriegsende von den Nazis verhaftet und nach Buchenwald verschleppt, und er überlebte nur, weil ihm Eugen Kogon eine neue Identität verschaffte (Die Schilderung, wovon Leben oder Tod abhängen, ist eine unglaublich beeindruckende Episode, eine der stärksten dieses Buches). Nach dem Krieg trat er ins diplomatische Corps Frankreichs ein, stand schließlich jahrzehntelang in Diensten der UN -- in New York und Genf ebenso wie in Vietnam oder Burkina Faso.
Stéphane Hessels Bericht liest sich flüssig und spannend, nur gelegentlich etwas weitschweifig -- er k a n n berichten, und er hat auch etwas zu berichten. Er ist ein guter, unvoreingenommener Beobachter, der seine Beobachtungen nicht einfach hinnimmt, sondern sie reflektiert. Und bei diesen Reflexionen wird überdeutlich, dass hier einer schreibt, der trotz allem unbeirrt an das Gute im Menschen glaubt.
Ein "Zeuge des Jahrhunderts" also, im wahrsten Sinn des Wortes.
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