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Ein sehr gut lesbares Stück Zeitgeschichtsforschung
Gerade als ein Veranstaltungsteilnehmer weiß man: Wilhelm Bleek sieht sich als Mittler der Politikwissenschaften nach Innen sowohl als auch nach Außen; und dies sicher nicht erst seit der Veröffentlichung des Standardwerks "Geschichte der Politikwissenschaft".
Vergleicht man die "Grundzüge", die Bleek gemeinsam mit Kurt Sontheimer begonnen hat und nun alleine weiterführt mit anderen Werken, beispielsweise der Systemanalyse Rudzios', werden Stärken und Schwächen offenbar.
Besonders diejenigen, die sich für eine prägnante Vernetzung von historischen Fakten mit gesellschaftswissenschaftlicher Analyse begeistern können, sind bei den Grundzügen genau richtig: Süffisant präsentieren Sontheimer und Bleek die Geschichte der BRD und natürlich gerade deren politischen und gesellschaftlichen Implikationen zu Beginn der Schrift. Hier wird nicht, etwa wie bei Rudzio, nur an der "Oberfläche der Geschichte" gekratzt, sondern ganz im Gegenteil: Fundierte Zeitgeschichte ist angesagt. Ebenso stark entwickeln die Autoren eine Darstellung der 40-jährigen deutsch-deutschen Geschichte; Ost- und westdeutsche Perspektiven werden niemals aus den Augen verloren. Und so ganz nebenher erfährt man, trotz des anderslautenden Titels, auch jede Menge über Entwicklung, Strukturen und Defizite des zweiten, mittlerweile untergegangenen, politischen Systems auf deutschem Boden: der DDR. Freilich stärken ebenso andere Kapitel das Gesamtprofil der "Grundzüge": So etwa zur "politischen Kultur" oder zur Entwicklung des Rechtsstaates (respektive des Bundesverfassungsgerichts) bzw. des Parteiensystems, in denen ebenfalls fundierte geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse betont einbezogen und der Analyse vorangestellt werden.
Doch abgesehen von den stärkeren Abschnitten werden gleichsam Defizite offenbar: Etwa wenn es um eine stimmige Gesamtentwicklung einer Systematik der Bundesrepublik, also des politischen Systems selbst, geht, haben andere Werke die Nase vorn: Den "roten Faden" findet man hier nicht explizit; man muss ihn sich erlesen. Ebenso lassen einige etwas aus dem Werk herausgelöst erscheinende Kapitel zu wünschen übrig: Etwa diejenigen zum Wirtschaftssystem oder zu den Outputstrukturen des politischen Systems: Hier verharren die Autoren allenfalls an der Spitze des Eisbergs und scheuen die Untiefen der Komplexität. Ein weiterer Mangel, der bereits in anderen Rezensionen anklingt, wird zusätzlich offenbar: Auf Schaubilder, Grafiken oder Tabellen wurde fast gänzlich verzichtet; ebenso kann die angefügte Bibliographie nicht gerade als "üppig" klassifiziert werden.
Wie hat man es nun zu halten mit den Grundzügen? Ein schmaler Grad liegt oft zwischen Komplexität und Verständlichkeit: Oft kann man (oder muss man sogar) die Frage stellen, ob Sontheimer und Bleek den (fachlich interessierten) Leser nicht allzu wenig fordern. "Einstiegern", interessierte Laien und Studienanfängern wird dieses Werk allerdings eine willkommene Orientierung liefern; gewissermaßen als Kontrastprogramm zum sperrigen und manchmal zu detaillastigen Werk Rudzios zum "Politischen System der BRD". Wagt man darüber hinaus eine knappe Bilanz, so ist festzustellen, dass die Grundzüge ein ausgewiesen lesbares Stück Zeitgeschichte präsentieren - und dies so besehen aus "erster Hand". Trotzdem verlieren Sontheimer und Bleek ihr eigentliches Fach - die Politikwissenschaft - dabei nicht aus den Augen. Gerade in Bezug auf die politische Bildungsarbeit räumen die Grundzüge mit einigen "populären Irrtümern" über das Regierungssystem der BRD schonungslos auf.
In einem Satz: Studienanfänger und politisch Interessierte sollten unbedingt einen Blick "riskieren"; ebenso werden Geschichtsinteressierte zweifellos auf ihre Kosten kommen.
Lesbarste Einführung für Laien, allerdings ohne Tabellen
Das Verdienst Kurt Sontheimers und Wilhelm Bleeks, die ihre seit 1973 vorliegende Einführung nun in der 11. Auflage 2004 aktualisiert haben, liegt in seiner Lesbarkeit. Die Autoren führen pointiert und gut lesbar in die Grundzüge des politischen Systems ein, wobei Sontheimer und Bleek dieses Buch als Beitrag zur politischen Bildung verstehen. Gut ist, dass die geschichtlichen Grundlagen und auch die politische Kultur ausführlich dargestellt werden. Wilhelm Bleek begründet dies im Vorwort damit, dass sich Sontheimer in all seinen Werken als historisch orientierter Politikwissenschaftler versteht. "Dabei soll das Wesentliche des Gegenstandes so klar und verständlich wie nur möglich formuliert werden." Diesen Anspruch haben die beiden Autoren gut eingelöst. Ich finde auch gut, dass die Autoren ihren Wertstandpunkt, dass sie auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, eingehend verdeutlichen.
Für politische Interessierte und für Laien ist dies sicherlich die beste, da lesbarste Einführung in das Thema, welche alle Themenbereiche, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und auch die Außenpolitik des wiedervereinigten Deutschland kurz behandeln.
Allerdings gibt es Grenzen: für Politikwissenschaftler ist die - trockenere - Darstellung von Wolfgang Rudzio: Das politische System der Bundesrepublik sicherlich hilfreicher, da mehr Tabellen, Quellen und Sekundärliteratur dort aufgeführt sind, wenn auch auf die Außenpolitik des wiedervereinigten Deutschlands dort nicht eingegangen wird, da Rudzio lediglich die Einbindung Deutschlands in die EU behandelt.
Die weitere Einführung in das politische System der Bundesrepublik Deutschland, Klaus von Beymes in nunmehriger 10. Auflage vorliegendes Werk, hat seinen Schwerpunkt insbesondere in den Themen: Eliten und Interessengruppen, wenn auch hier die Politische Kulturforschung und Wirtschaftspolitik gut herausgearbeitet werden. Im Gegensatz zu dem vorliegenden Werk von Sontheimer/Bleek ist von Beyme jedoch äußerst schwer lesbar und daher für politisch Interessierte oder Personen, die sich lediglich kurz über das politische System Deutschlands informieren möchten, weniger geeignet. Wie Rudzio ist es mehr für Studenten der Politikwissenschaft und Politologen selber geeignet.
Wenn man diese Einschränkungen der Zielgruppe im Auge behält, ist das Werk von Sontheimer/Bleek sehr gut für die oben geschilderte Zielgruppe, politisch Interessierte, geeignet. Allerdings ist es für Politikstudenten und Politologen wegen fehlender Tabellen und Quellen nur zweite Wahl nach den Einführungen Rudzios und von Beymes. Daher vergebe ich auch lediglich 4 Punkte, wenn mir persönlich Schreibstil und Lesbarkeit dieser Einführung am meisten zusagen.
Einzigartig guter Überblick
Sontheimer schreibt strukturierend und fachlich ohne wertenden Beigeschmack. Wenn man ein Buch über das politische System der BRD benötigt, das die einzelnen Felder und Institutionen kristallklar darstellt, kommt man einfach nicht um dieses Werk herum. Egal ob man systematisch lernen, kurz das Wissen auffrischen oder nur mal schmökern will.
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