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Unstrukturiertes Chaos
Im Vorwort schreibt der Autor: "Dass ich mich ihm (dem Buch) dann doch wieder zuwandte, verdanke ich weniger dem eigenen Antrieb als vielmehr meinem Verlag, meinen Agenten und meinem Freund Luigi Barnabò. Sie setzten mir so lange zu, bis ich mich wieder an die Arbeit machte."
Genau diese Tatsache merkt man diesem Buch leider an. Die Absicht des Autors ist sicherlich lobenswert, die Umsetzung ein inakzeptables Chaos!
Das Buch ist in folgende Kapitel unterteilt:
1. Sklaven und Sklaverei
- Der Fortschrittsmythos
- Die Warenfiktion
- Der soziale Tod des Sklaven
- Randexistenz und Ehrverlust
2. Die zwiespältige Lösung der Übergangszeit
- Sklaverei und Fortschritt
- Das lästige Erbe
- Das Paradox
- Der Weg in die Schuldknechtschaft
- Eine zwiespältige Bewegung
- Die Zwangsarbeit in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts
3. Die sexuelle Versklavung
- Sexuelle Sklaverei
- Vom Mädchenhandel zum Sextourismus
- Die Charakteristika des globalen Marktes
- Die Netzwerke der organisierten Kriminalität
- Die europäischen Märkte und das Beispiel Italien
4. Die ökonomische Versklavung
- Traurige Bilder
- Noch einmal Schuldknechtschaft
- Kindersoldaten
- Die Verbindung zum globalen Markt
- Schlußfolgerung
- Anmerkungen
Zu meiner Bestürzung ist das Buch inhaltlich jedoch gar nicht in diese Kapitel unterteilt, sondern ein wirklich unglaubliches Chaos: Der Autor springt nicht nur ständig von einem Land ins nächste und zurück, von einem Kontinent zum nächsten und zurück, sondern auch quer durch alle geschichtlichen Epochen und Jahreszahlen und, als wäre dies nicht schon verwirrend genug, zwischen den verschiedenen Formen der Sklaverei hin und her.
Obwohl Pino Arlacchi gemäß Klappentext weltweit als Experte für Organisierte Kriminalität gilt, bleibt der Inhalt dieses Buches auf einem erstaunlich oberflächlichen Niveau stecken, und zwar sowohl was seine chaotische Analyse anbelangt wie auch seine Schlußfolgerung, welche nur seine eigene abgrundtiefe Hilflosigkeit diesem Thema gegenüber zum Ausdruck bringt. Die Schlußfolgerung dieses Buches ist geradezu eine Kapitulationserklärung ans Organisierte Verbrechen, dermaßen unausgegoren ist es.
Fazit: Wer bisher nicht die geringste Ahnung hatte, dass Sklaverei, Schuldknechtschaft und Leibeigenschaft auch im 21. Jahrhundert existieren, für den mag dieses Buch einen Einstieg ins Thema hergeben. Aufgrund der wirklich total chaotischen Struktur kann ich es jedoch nur sehr bedingt empfehlen.
Tatsachen, Fakten, Zahlen
Das Buch ist nicht so wie es im ersten Augenblick scheinen mag. Der Autor fängt mit der Geschichte der Sklaverei an und erzählt dann, wie sie nach der großen Anti-Sklaverei-Bewegung fortfährt. Das Treiben der Kolonialmächte und ihre jahrelangen Folgen, die Anfänge des Sextoursimus, Prostitution und Kinderarbeit, Schuldknechtschaft und einiges mehr werden hervorragend behandelt.
Die üblichen (und wichtigen) Schicksale einzelner Betroffener werden nicht zu groß genommen und stellen somit, alles zusammen genommen, ein informatives und unvergesslich abscheuliches Bild der neuen Sklaverei der Menschen dar.
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