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Ein neuartiges Wörterbuch
Wer in traditionellen Wörterbüchern des Deutschen mit ihrem umfangreichen Wortschatz nach Angaben zur Verwendungsweise brisanter und kontroverser Ausdrücke des gesellschaftlich-politischen Sprachgebrauchs sucht, der wird nicht selten enttäuscht. Der kommunikationsgeschichtlich interessierte Leser wird, wo er Aufklärung über die Kontextabhängigkeit bzw. die Intertextualität von Schlüsselwörtern erwartet, mit relativ kurzen Angaben zur Bedeutung von einzelnen Stichwörtern zurückgelassen, die im Lichte seiner Fragestellung nur unzureichende Informationen liefern.
Dass dies nicht so sein muss, dafür bietet der Düsseldorfer Ansatz zur Sprachgeschichtsschreibung hinlängliche Beispiele. Dabei sind Thematisierungen von Sprache zentraler Ansatzpunkt der Analysen. Vor allem das explizite Problematisieren sprachlicher Zeichen und die damit vermittelte Interpretation von Sachverhalten durch die Srachgemeinschaft selber nehmen in exemplarischen Analysen einen hohen Stellenwert ein, weil durch öffentliche Sprachthematisierungen, ausgetragen in semantischen Kämpfen der verschiedenen Interessengruppen, Realität gleichsam durch sprachliche Zeichen erst konstituiert wird.
Hier ist ein weiteres Projekt, das aus Seminaren an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf entstanden ist. Herausgekommen ist dabei ein "Spezialwörterbuch", verfasst von Studierenden in einem erfrischenden und variierenden Stil, das sich als (notwendige) Ergänzung zu großen Wörterbüchern verstehen lässt, das jedoch kein Wörterbuch für Spezialisten ist. In ihm wird die Veränderung des Weltbildes anhand des Sprachwandels dokumentiert. Verändern sich die Wortbedeutungen, so ist damit meistens ein Wertewandel der öffentlichen Meinung verbunden, denn Sprecher verwenden ihre Worte, um andere zu beeinflussen. Ein Wörterbuch, das sich wie ein Geschichtbuch liest. Wer dieses Buch liest, lernt viel über Wörter und die Geschichte dieses Landes, und dass Realität von uns mit Worten konstituiert wird und nicht einfach vorgefunden wird.
Neben optisch prägnanter Gestaltung der einzelnen Artikel, werden inhaltlich "Fallgeschichten" und "Wortkarrieren" in bestimmten gesellschaftlichen Problemfeldern dargestellt. Die Länge der einzelnen Artikel beschränkt sich von einigen Ausnahmen abgesehen auf vier bis sechs Druckseiten, die ein besonders umfangreiches und gut recherchiertes Material von Belegen, andere in gesellschaftlichrelevanten Zeitgesprächen verwendete Ausdrücke sowie weiterführende bibliographische Angaben präsentieren. Alle diskursrelevanten Ausdrücke (1700 !), sämtlich kursiv gedruckt, werden durch einen Index mit Stichwort und Artikelnummer verzeichnet. Dem darüber hinaus Interessierten bietet das Literaturverzeichnis eine reiche Quelle bibliographischen Materials dar.
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