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50 Jahre Erinnerungskultur
27. Januar, 8. Mai, 20. Juli und 9. November. Diese Daten stehen stellvertretend für den bundesdeutschen Kalender des Gedenkens an die nationalsozialistische Vergangenheit und an die unsäglichen Verbrechen, die sich im deutschen Namen ereignet haben. In den vergangenen 50 Jahren Bundesrepublik wurden diese Gedenktage in den unterschiedlichsten Dimensionen und Formen wahrgenommen, je nachdem, ob es sich um "einfache" oder "runde" Jahrestage handelte. Sie wurden stets begleitet von einer interessierten Öffentlichkeit, wenn auch mit unterschiedlichen Bewertungen im In- und Ausland. Nicht selten entwickelten sich daraus jedoch heftige politische Komplikationen, manchmal sogar mit weitreichenden Folgen. Und genau die Untersuchung der öffentlichen Diskussionen, die sich im Vorfeld oder im Anschluß an diese Gedenktage ereigneten, hat sich Peter Reichel in seinem Buch zur Aufgabe gemacht. Der Besuch Ronald Reagans auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg, die Rede Richard von Weizsäckers zum vierzigsten Jahrestag des Kriegsendes, die Nicht-Einladung deutscher Veteranen zum D-Day-Gedenken oder auch die Jenninger-Rede - alle diese Versuche, sich von politischer Seite der jüngsten deutschen Vergangenheit zu stellen, beleuchtet der Autor in ihren deutschen und ausländischen Facetten. Aber nicht nur die Gedenktage und ihre Gedenkkultur werden von Reichel untersucht, sondern er wendet sich auch den (an)faßbaren Hinterlassenschaften der NS-Zeit zu. Da sind es zunächst einmal die architektonischen Relikte, die mehr oder weniger erkennbar in deutschen Städten an die braune Vergangenheit erinnern und der Umgang der kommunalen Verwaltungen damit. Daneben haben aber auch die sichtbarsten Denkmale für den Terror, die ehemaligen Konzentrationslager,wie Reichel nachweist, eine wechselvolle Nachkriegsgeschichte erfahren müssen, die einen Blick auf 50 Jahre Vergangenheitsbewältigung in Deutschland werfen läßt. Peter Reichel bietet in diesem Werk einen kompakten Einblick in das politische Selbstverständnis des Nachkriegsdeutschlands und stellt sich - Stichwort: Holocaust-Mahnmal - den Diskussionen, welche die jüngste Vergangenheit präg(t)en. Deshalb: Sehr empfehlenswert ! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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