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Deutsche Kanzler - einmal anders
Marion Gräfin Dönhoff ist es im vorliegenden Werk sehr gut gelungen, die Kanzler der Bundesrepublik Deutschland mal in einer anderen Sichtweise darzustellen: Sie charakterisiert die jewiligen Kanzler und deren Politik anhand von Artikeln, die sie im Laufe ihrer seit 1946 andauernden Tätigkeit für die Wochenzeitung "Die Zeit" geschrieben hat und persönlichen Erfahrungsberichten. Sie beleuchtet politische und persönliche Schwierigkeiten, beschäftigt sich mit politischen Widersachern und geht kritisch auf die guten und schlechten Seiten der Politik der jeweiligen Herren ein. Sie spart nicht an Kritik, lobt allerdings auch so manche politische Entscheidung.
Dem Leser erschwert sie durch ihre Wertung allerdings nicht die eigene Meinungsbildung, weil sie bestimmte Sachverhalte sehr ausführlich darstellt und so auch eine von ihr abweichende meinung ermöglicht.
Das Buch lässt sich sehr leicht lesen, ist in der Regel sehr gut verständlich und vermittelt ein umfassendes Bild der jeweiligen Kanzler. Nicht verständlich ist allerdings, warum sie den Kanzler der Großen Koalition, Kurt Georg Kiesinger, nur am rande eingeht. In dieser politisch wichtigen Zeit spielt für sie nur der damalige Außenminister Willy Brandt mit seiner beginnenden Ostpolitik eine Rolle, nicht aber der Studentenaufstand und die APO. Wie man das vergessen konnte, erscheint mir rätselhaft.
Von diesem unverzeichlichen Fehler einmal abgesehen, handelt es sich um ein recht gelungenes Buch, welches die Politik der letzten 53 Jahre gut darstellt und behandelt.
Schade um das Renommé von Gräfin Dönhoff
Das Buch ist eine mäßig unterhaltsame Lektüre, die durch die eingestreuten Artikel der Gräfin in der "ZEIT" einen wesentlichen Teil ihres Reizes bekommt, da diese als jeweils zeitgenössische Quelle gelten können. Leider steht diesen interessanten Einsprengseln und den sympathischen persönlichen Vorlieben der Gräfin die schlechte Kompilation des Buches entgegen. Die Nichtüberarbeitung der bereits vor der Vereinigung geschriebenen Teile wirkt aus der Sicht nach der Vereinigung meist eher komisch als überzeugend; der Verlag hat der renommierten Autorin wirklich keinen Gefallen getan, indem er das Buch nur ergänzt, aber nicht überarbeitet herausbrachte. Nett zu lesen.
zeitgeschehen
Marion Gräfin Dönhoff ist eine bundesdeutsche Parlamentarierin der allerersten Stunde. Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur F.D.P. hat sie einen sehr persönlichen Bezug zu fast allen bundesdeutschen regierungen und kann sozusagen Insiderwissen weitergeben. Dieses Buch zeichnet in gewissem Maße auch ihre eigene politische Geschichte nach. Natürlich ist vieles ein wenig ideologisch eingefärbt oder durch ihre persönlichen Zu- oder Abneigungen subjektiv ausgestaltet, doch fällt es dem Leser nicht schwer sich ein eigenes Bild zu machen. Zu jedem Kanzler weiß sie ein paar Anekdoten zu erzählen die man so nicht in den geschichtsbüchern findet. Desweiteren werden von ihr bei jedem Kanzler dessen politische Leistungen und Fehltritte, sowie dessen Krisen erwähnt. Alles in allem ein umfassendes Buch über die Geschichte der BRD. Locker und unverkrampft erzählt.
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