Ewiger Krieg für ewigen Frieden. Wie Amerika den Hass erntet, den es gesät hat

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Authors: Gore Vidal
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: Juli 2002
Publisher: Europäische Verlagsanstalt
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Customer Review:
Am Ziel (fast) vorbei
Wie meine vorherigen Rezensenten bereits angesprochen habe, geht der Titel des Buches am eigentlichen Inhalt vorbei. Aber nur beinahe. Wer die abgedruckten ca. 120 Seiten durchliest, wird an vielen Stellen die Quintessenz Vidals Niederschrift entziffern können: Amerikas (begründete) Angst vor Terroranschlägen ist hausgemacht.

Ich denke, dass im Hinblick auf diese Aussage der Inhalt den Titel ein wenig tangiert, wenn auch der Titel hierdurch nicht wirklich gerechtfertigt erscheint. Aber ein Buch darf nicht ausschließlich nach seinem Titel, vielmehr nach seinem Inhalt bewertet werden.

Inhaltlich fast sich Vidal kurz, aber prägnant. Mich persönlich stört der bescheidene Umfang des Buches nicht, auch nicht die Umstände, dass die vorliegenden Informationen bereits im Vorfeld in anderer Form publiziert wurden.

Für mich war dieses Buch das erste von Vidal. Es macht Appetit auf mehr. Sprachlich wählt Vidal einen sehr charmanten offenen, teilweise wirklich spritzig gewagten und amüsanten Schreibstil. Das sorgt für Kurzweil.

Das Buch eignet sich demnach vorzüglich für ein kurzes Nachmittags-Intermezzo.
Falscher Titel, interessanter Inhalt
Das Buch hält leider nicht ganz, was der Titel verspricht. Den Schwerpunkt bilden der Polizeieinsatz von Waco und das McVeigh-Attentat in Oklahoma City. Da wurden nach dem 11.09.2001 wohl schnell einige alte Essays zusammengewürfelt und zusammen mit neuen Texten unter diesem aktuellen Titel auf den Markt geworfen. Ich fühlte mich deswegen etwas verschaukelt. Trotzdem lohnt sich die Lektüre, weil die unbequemen Thesen Gore Vidals insgesamt von Bestand sind. Der Autor warnt hier wieder einmal vor der kontinuierlichen Aushöhlung der amerikanischen Grundrechte, vor einem Polizeistaat, vor den langfristigen Folgen einer kriegerischen Außenpolitik gegen islamische Länder, vor der Instrumentalisierung terroristischer Bedrohung durch die Politik. Gore Vidal argumentiert sehr stringent und schlüssig. Da verzeiht man ihm auch, daß er ziemlich seltsame Verschwörungstheorien zu Oklahoma City vertritt.
Thema verfehlt
"Ewiger Krieg für ewigen Frieden. Wie Amerika den Hass erntet, den es gesät hat", heißt das Buch von Gore Vidal (Originaltitel: "Perpetual War für Perpetual Peace. How we got to be so hated"). Und auf der Rückseite des Umschlags wird eine Antwort auf die Frage nach den Gründen für den Terror versprochen. Wer hier allerdings eine Auseinandersetzung mit dem 11. September 2001 - dem Terroranschlag, der neben dem wechselseitigen israelisch-palästinensischen Terror derzeit am meisten diskutiert wird - und den Gründen dafür erwartet, erlebt eine Überraschung.
Das dünne Bändchen enthält 7 "Essays", von denen einer lediglich eine dreiseitige Einleitung zu einem bereits vorher zweimal publizierten Artikel (in einem Essayband und in Vanity Fair, 1998) darstellt. Bis auf den ersten sind auch die übrigen Artikel bzw. Sendungen bereits vorher publiziert worden (The Nation, 1998; Vanity Fair 2000 und 2001; NBC Today Show, 2001). Lediglich das Vorwort und der erste Text wurden nach dem 11. September geschrieben - angesichts des Preises ist das ein bisschen wenig. Umso mehr, als auch die Übersetzung mit einer recht heißen Nadel gestrickt scheint. Aber lassen wir die Frage der Geldschneiderei hier mal beiseite.
Immerhin 4 der 7 Artikel beschäftigen sich mit Timothy McVeigh. McVeigh - wir erinnern uns - war der Amerikaner, der am 19. April 1995 ein Regierungsgebäude in Oklahoma City in die Luft gesprengt hat, wobei 168 Menschen starben. In den 4 Artikeln beschäftigt sich Gore Vidal mit den Gründen und Motiven für diese Tat. Das ist zwar, wenn einem die Wiederholungen nichts ausmachen (Waco... Waco... Waco...), ganz interessant. Aber für einen europäischen Leser in etwa so relevant wie die Gründe und Motive von Andreas Baader und Ulrike Meinhof für einen Amerikaner. Denn in der Hauptsache beschäftigen sich diese Artikel, wie auch der über die amerikanische christliche Rechte, mit der Beziehung des US-Staates - und der mit ihm verklüngelten Konzerne, Militär- und Kirchenkreise - zu seinen Bürgern und umgekehrt. Und unter den "Gründen für den Terror" haben wir die Verflechtung von US-Politik, -Wirtschaft, -Militär und -Religions(un)wesen (US-Staat gegen US-Bürger) sowie den Widerstand dagegen (US-Bürger gegen den US-Staat) zu verstehen. Die Gründe für den 11. September stellen in diesem Kontext allenfalls einen "Nebenwiderspruch" dar.
Leider ist das der rote Faden, der sich durch das gesamte Buch zieht. Zugegeben, es hat seine Highlights. Etwa die 13seitige Aufstellung der Militäroperationen, die die USA von 1948 bis 1999 durchgeführt haben, und von denen einige, wie die in Korea und Saudi-Arabien, praktischerweise offiziell immer noch nicht beendet sind. Oder die Schilderung der politisch-wirtschaftlichen Gründe innerhalb der USA für diese vielen Militäreinsätze. Man muss Gore Vidal auch zugute halten, dass er sich hier und da durchaus kritisch zur amerikanischen Außenpolitik äußert. Etwa wenn er schreibt, dass es die Bevölkerungen anderer Länder nicht positiv aufnehmen, wenn sie bombardiert oder in den Medien verteufelt werden. Aber all das ist eingebettet in oder mündet in das Thema, zu dem sich der Senatoren-Enkel und Al Gore-Verwandte (Bio des Verlags) Gore Vidal weit mehr berufen fühlt: Die Verteidigung der "bürgerlichen Freiheiten" US-amerikanischer Bürger gegen ihren Staat.
Und so kommt es zustande, dass er den Gründen, warum gebildete Ägypter und Saudi-Araber sich "mit der Religion" gegen eine sogenannte Modernisierung ihrer Länder bzw. die USA wenden, nicht weiter nachgeht. Sie gehören halt rechten religiösen Puritanergruppen an und nehmen die "imperialistische Verachtung" der USA "für die von Geburt weniger Begünstigten" (alle Nicht-US-Bürger?) übel. Oder wenn aus seiner Sicht die "physischen Schäden" des 11. September gering wiegen bzw. "nichts" sind "im Vergleich zu dem Todesstoß, der unseren ohnehin schon schwindenden Freiheiten versetzt wurde". Oder auch, wenn er behauptet: "Wir, das unterrepräsentierte Volk der Vereinigten Staaten, sind ebenso Opfer dieser militarisierten Regierung wie die Panamaer, die Iraker und die Somalier." Um dann den designierten US-Präsidenten dazu aufzufordern, seine Wiederwahl zu riskieren - was keiner dieser Typen tun wird -, dem militärisch-industriellen Komplex auf die Finger zu klopfen und die Steuern der US-Bürger zu senken. Das ganze kippt endgültig ins Groteske ab, wenn er sich darüber aufregt, dass er an US-Flughäfen einen Ausweis mit Foto vorzeigen soll wie "in Ländern unter der Knute des Code Napoleon" (womit wohl Europa gemeint ist) oder "ein Bürger der alten Sowjetunion": "Amerikas Freiheit" in Gefahr! Unterdessen "quälen" Gore Vidals eigenen Worten zufolge (S. 21) die USA die irakische Bevölkerung, wird den Kubanern von den USA aufgezwungen, in Armut zu leben, um sie dazu aufzustacheln, sich gegen ihre Präsidenten zu erheben und sie aus dem Amt zu jagen - wenn diese sich schon hartnäckig weigern, sich (z.B. "von den Kennedy-Brüdern in ihrer so genannten Operation Mongoose") ermorden zu lassen. Kein Zweifel: Was US-Bürger von ihrer Regierung zu erleiden haben, liegt damit auf einer Linie.
Krasser, böser, polemischer und nicht zuletzt aus diesem Grund auch unterhaltsamer ist Karlheinz Deschners "Der Moloch. Eine kritische Geschichte der USA". Daraus geht unter anderem hervor, dass die unheilige, aber immer wieder gern mit Bibelsprüchen garnierte, US-Allianz aus Politik, Geld und Militärintervention keineswegs eine Entwicklung der letzten 50 Jahre ist, wie es Gore Vidal behauptet.
Wem es sachlicher lieber ist, der findet in Chalmers Johnsons "Ein Imperium verfällt. Wann endet das amerikanische Jahrhundert?" allerlei Wissenswertes.
Im Zusammenhang mit dem 11. September ist der GEO Epoche-Band "11. September 2001. Der Tag, der die Welt verändert hat" eine sinnvolle Investition. Hier findet sich z.B. die Information, dass auch die saudi-arabische Königsfamilie ("unsere Kunden" laut Gore Vidal) der wahhabitischen Richtung des Islam angehört; der Wahhabismus ist de facto die Staatsreligion in diesem Land. Macht sie das alle zu Terroristen?
Albert Houranis "Geschichte der arabischen Völker" hilft vielleicht, besser zu verstehen, was Gore Vidal für keiner Untersuchung wert gehalten hat: Die Gründe, warum sich ausgerechnet die Gebildeten des Nahen Ostens der Religion zu- und von einer "Modernisierung" ihrer Länder nach westlichem Muster abwenden.

Books:

  1. Globalisierung von unten. Der Kampf gegen die Herrschaft der Konzerne
  2. Tödliche Steine. Der globale Diamantenhandel und seine Folgen
  3. Erklärte Kriege - Kriegserklärungen
  4. Das ist Amerika. Freiheit, Geschäft und Gewalt in der globalisierten Welt
  5. Empire lite. Die amerikanische Mission und die Grenzen der Macht
  6. Berlin Underground
  7. Gestohlene Geschichten. Aus Georgien
  8. Bagdad Express. Kriegstagebuch
  9. Aufwärts bitte! Zehn Beiträge gegen Deutschlands freien Fall
  10. Terror und Liberalismus

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