Customer Review:
stark vereinfacht...
Also erst mal Respekt vor der Autorin für die geleistete Feldarbeit. Ich kann mir vorstellen, dass das alles andere als immer einfach war, und ich glaube ihr auch, dass sie von den Geschichten einiger Leute, die sie getroffen hat, wirklich ergriffen war. Und so wird es auch dem Leser gehen, keine Frage. Die Erzählungen wirken authentisch, und gerade das lässt einen an manchen Stellen zusammenzucken. Aber das ist etwa wenig.
Die Autorin verwendet zur Selbstreferenz mehrmals das Substantiv "Wissenschaftlerin". Nun erklärt sie zwar, dass sie sich mit "Unter Glatzen" (die Bedenken gegenüber dem Titel teile ich übrigens nicht mit Vorrezensenten) bewusst vom rein Wissenschaftlichen distanzieren wollte, aber dennoch - ein gewisses Maß an Wissenschaftlichkeit hätte dem Buch gut getan. Wi gesagt: ich verstehe die Betroffenheit, kann es nachvollziehen und konnte durch das Buch einen (wenn auch nur flüchtigen) Blick auf das Ausmaß dessen werfen, was ich nur erahnen kann. Leider aber denke ich nach dem Zuklappen trotzdem: "stark subjektiv".
Da wäre zunächst die eklatante Gleichmacherei in Bezug auf die Begriffe "Nazi" und "Skinhead". Wissenschaftlichkeit hin oder her, beides in einen Topf zu werfen scheint mir nicht nur simplifiziert, sondern darüber hinaus ein stückweit ignorant.
Die geschilderten Fälle entspringen meist dem Bodensatz unserer Gesellschaft. Sicher, dort verbreitet sich derart extremes Gedankengut am schnellsten und dennoch: kein Fall, der klar stellen würde, dass es nicht nur die Dummen und Einfachen sind, die dem Ansehen unseres Landes schaden. Die Autorin konzentriert sich auf die Schläger (an die war sicher auch leichter ran zu kommen), nicht auf die Rädelsführer. Sie zeigt soziale Tendenzen auf, die zu Übergriffen führen, vergisst aber den Rest der Meute.
Und ein weiterer Aspekt ist mir nicht nur suaer aufgestoßen, sondern ließ mich auch erst mal verärgert das Buch beiseite legen: Autonome und Linksradikale stehen einmal mehr als Unschuldslämmer da: sie sind es, die im Fallbeispiel von einer Meute "Skins" (...) matschig getreten werden, während die Glatzen einmal mehr als typische Aggressoren präsentiert werden. Wie haltbar eine derart einseitige, parteiische Darstellung tatsächlich ist, dürfte bei Stichworten wie "Chaostage" oder "Kreuzberg" deutlich werden: ohne mich selbst auf eine Seite zu stellen muss dennoch klar gesagt werden: auch Linke kommen aus derart verkommenen Familien, auch Linke sind teilweise zu dumm zum Denken, auch Linke sind aggressiv, pöbeln, schlagen, treten Menschen blutig.
Keine Toleranz für Staatsfeinde, egal aus welchem Lager! Hierzulande muss nicht nur auf Gewalt von Rechts aufmerksam gemacht werden, nein, auch mit der scheinbar beinahe romantisch verklärten Toleranz gegenüber (Gewalt von) Links muss endlich Schluss sein.
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Lesenswerte Innenansichten zum Thema Skinhead. Es handelt sich zum grösstenteil um wiedergegebene Interviews die aber dennoch einen interessanten Einblick in die Weltanschauung und Beweggründe einiger Skinheads geben.Den Vorwurf der Undifferenziertheit sehe ich nicht da weder die Autorin noch das Buch, wie im Vorwort erwähnt wird, Anspruch daruf erheben.
Wer des Buch gelesen hat sollte des weitern auch erkannt haben, dass vor allem die Gewalt und Emotionslosigkeit kritisiert wird. Und eine rechtsradikale Gesinnung meist nur als Deckmantel unter der sie ihre Taten ausführen dient. Deshalb halte ich eine Unterscheidung nicht für Notwendig.
inhaltlich spannend
Lassen wir mal das Thema Skinhead vs. Nazi dahingestellt sein, tiefgründig ist das Buch allemal. Als Psychostudent hab ich es fast ausschließlich mit quantitativer Forschung zu tun und deshalb kam mir was qualitatives mal ganz gelegen. Das Buch zeigt meiner Meinung nach sehr eindringlich die Lebenswelt und den Entwicklungshintergrund rechtsextremer Jugendlicher. Das sich Rechtsextremismus in Form solch intensiven aggressiven Verhaltens in allen gesellschaftlichen Schichten zeigt, wie es der Leser in der obigen Rezension meint, ist meiner Meinung nach schlichtweg falsch.
Will man rechtsextreme Gewalt oder Gewalt allgemein vorbeugen, muss man sich mit der Entwicklung des Jugendlichen incl. Schule, Familie, Wohngegegend etc, befassen. Dazu gibt das Buch meiner Meinung nach erste Eindrücke, kaut keine Theorien vor, sondern überlässt dem Leser, sich eigene Hypothesen zu bilden.
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