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Hervorragend
Wilfried Loth, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Essen, ist bereits mehrfach als Autor der neueren Geschichte und der Zeitgeschichte hervorgetreten. Man denke nur an sein Werk über die DDR, "Stalins ungeliebtes Kind" oder den kompetenten Überblick über die Geschichte des Kaiserreiches von 1871-1914. 1998 erschien in der Reihe: 20 Tage im 20. Jahrhundert" Loths umfassende Darstellung über die Geschichte des Ost-West-Konfliktes, fokussiert am Thema der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa von Helsinki 1975.
In 8 Kapiteln legt Loth eine kompetente, jedoch immer gut lesbare und an erstklassigen, auch russischen Quellen, orientierte Darstellung der Geschichte des Ost-West-Konfliktes von 1945 bis heute. Es ist bis heute die beste Darstellung zu jenem Thema, welche ich kenne.<
In einer Bilanz wendet sich Loth gegen die weitverbreitete Auffassung, erst das harte Auftreten des Westens in der Nachrüstungskrise und Reagans Kampfansage an das "Reich des Bösen" habe die sowjetische Führung zum Einlenken gezwungen. Bernd Stöver hat in seinem hervorragenden Werk: "Der kalte Krieg" gut herausgearbeitet, dass ein komplexes Ursachenbündel zum Ende des Ost-West-Konfliktes beigetragen hat. Loth bilanziert: "Nichts kann falscher sein als diese nachträgliche Selbstbeweihräucherung hartnäckiger Entspannungskritiker. Tatsächlich wich Gorbatschow nicht westlichem Druck, er handelte vielmehr aus eigener Einsicht: Einsicht in die Unhaltbarkeit eines Kommandosystems, das die Entfaltung der gesellschaftlichen Kräfte immer stärker behinderte, Einsicht in die wachsende Kontraproduktivität militärischer Machtentfaltung, Einsicht in die Dringlichkeit blockübergreifender Friedenssicherung. Daß sich diese Einsichten an der Spitze des Sowjetsystems durchsetzten, war die entscheidende Voraussetzung für die Preisgabe der leninistischen Ideologie und den Rückzug der militärischen und polizeilichen Macht des sowjetischen Imperiums." (S. 273).
Diese Sicht teile ich und finde dieses Buch insgesamt die beste Darstellung des Ost-West-Konfliktes zwischen 1945 und 1990, wobei der Autor sich bemüht, die Sichtweisen der Akteure beider Supermächte angemessen zu würdigen und darzustellen. Denn nur wer die Sicht beider Seiten kennt, kann die Geschichte dieser Zeit mit größtmöglicher Objektivität darstellen. Dies ist dem Autor meines Erachtens sehr gut gelungen.
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