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Ein erhellender Blick hinter die Kulissen der Weltpolitik
Man kann dem Ägypter Boutros Boutros-Ghali, der von 1992 bis 1996 Generalsekretär der Vereinten Nationen war,nur Dank sagen, dass er nach der unsäglichen - meist hinter den Kulissen der VN in New York ablaufenden - ihn persönlich diffamierenden Kampagne der USA zur Vermeidung einer zweiten Amtsperiode als Generalsekretär den Mut fand, die Handlungsweisen der in den VN vertretenen Staaten und insbesondere Großmächte in einem Buch zu beschreiben. Wer dieses Buch liest, das teilweise sehr amüsant, teilweise wie ein Krimi geschrieben ist, versteht im Anschluß sehr gut, warum Organisationen wie die VN, aber auch die OSZE nur so stark oder schwach sein werden, wie es die in ihnen vertretenen Staaten zulassen. In seine Zeit fällt die Aganda für den Frieden, die den VN eine größere Rolle bei der Friedenswahrung zuschreiben wollte. Es fallen aber auch die gescheiterten Versuche zur Friedenssicherung oder -wiederherstellung in Somalia, Ruanda, Bosnien und Haiti in seine Amtsperiode. Boutros-Ghali beschreibt dabei sehr klar die mangelnde Bereitschaft des Sicherheitsrates der VN, den Peacekeepern ein eindeutiges Mandat zu geben und diese mit den notwendigen Mitteln und Personalumfängen auszustatten. Der immer wiederkehrende Widerspruch zwischen Beschlüssen des Sicherheitsrates und der zeitlich sich dann hinauszögernden Umsetzung zeigt die Ohnmacht der Organisation gegenüber seinen Mitgliedsstaaten. So vergingen beispielsweise neun(!) Monate von der Beschlussfassung bis zur Entsendung von Truppen nach Ruanda, das Massaker war geschehen. Schuld waren - wie sollte es anders sein - die VN und nicht die Staaten, die zum wiederholten Male sehr zögerlich ihre zugesagte Unterstützung realisierten. Das die USA dann die Wiederwahl Boutros-Ghalis verhinderten, war klassische Machtpolitik. Man mag dies bedauern, aber auch Russland, China, Frankreich oder Großbritannien haben in der Vergangenheit die VN in ihrem Sinne "mißbraucht".
Daneben erzählt Boutros-Ghali nicht ohne persönliche Eitelkeit von der einen und anderen Begegnung mit den Großen dieser Welt. Vielleicht hat ihn diese Eitelkeit daran gehindert, erste Frühwarnsignale amerikanischer Bedenken gegenüber seiner Person nicht wahrzunehmen. Er war den USA zu selbstständig geworden. Madeleine Albright hat es in der ihr eigenen klaren Sprache auf den Punkt gebracht.
Hinter den Kulissen der Weltpolitik ist ein Buch, das man lesen sollte...
Eine Abrechnung mit den USA
Absolut Spitze. Allen Anhängern einer multilateralen Welt lege ich dieses Werk sehr zu Herzen. Es zeigt deutlich das die Vereinigten Staaten von Amerika die Grundwerte (Demokratie, freie Meinungsäußerung etc), die sie selbst so gewissenhaft anderen Staaten aufdrängen will nicht gelten, wenn es einmal gegen den Willen der USA geht. Es zeigt auch die Ohnmacht der UNO im Hinblick auf die Abhängigkeit der USA und zeigt die Einschränkungen auf, die einer Reform der UNO im Wege stehen.
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