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Guter Überblick über gr. Pos. in der AP mit inh. Fehlern
Volmer gibt in seiner Publikation, die zugleich seine Doktorarbeit ist, einen guten Überblick über die Positionen seiner Partei in den wichtigsten außenpolitischen Entscheidungsfeldern.
Es legt zum Teil in erstaunlich schonungsloser Offenheit die Auseinandersetzung zwischen den einzelnen Flügeln der Partei sowohl in der Außenpolitik, als auch in wichtigen innenpolitischen Fragen offen. Von heute aus betrachtet zeigt sich aber auch, dass sich der realpolitische Flügel in wichtigsten Fragen durchsetzte. Von den beiden anderen Flügeln, spielt der radikal pazifistische so gut wie keine Rolle mehr und auch das sogenannte politische Pazifismus, zu der sich auch Vollmer rechnet, wurde bis auf einige Alibifelder in der Friedensforschung und Entwicklungspolitik weitgehend aus dem Regierungsalltag verdrängt.
Auch sind einige inhaltliche Fehler in dem Buch festzustellen. US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter ist sicherlich nicht einseitig der realistischen Schule zuzurechnen. Das war sein seinem Nachfolger Reagan vorbehalten. Außerdem ist es wohl etwas blauäugig zu glauben, Gorbatschows "Neues Denken" entspringe vor allem der westdeutschen Friedensbewegung. Ebenso schlug er den Abzug Ende 1988 von 500 000 Soldaten aus Mitteleuropa vor und nicht nur 50 000 wie von Volmer behauptet. Ebenso konnte der tote Franz Josef Strauß im Oktober 1989 keine China Reise mehr antreten.
Trotzdem ist ein gutes Buch, das das seine Stärken insbesondere aus dem lebendigen Nachzeichnen der innerparteilichen Diskussionen bezieht und auch Themengebiete wie die sogenannte Dritte Welt interessant und kompetent abhandelt.
Hintergründe einer Partei
Der ehemalige Sprecher der Grünen und jetzige Staatssekretär Ludger Volmer legt mit seinem Buch eine detaillierte Geschichte der Grünen Positionen zur Außenpolitik vor. Er beginnt mit einem Abriß der Ideen und Konflikte zur Zeit vor der Parteigründung, die im wesentlichen vom Hauptthema der Friedensbewegung, der atomaren Abrüstung, geprägt waren und beschreibt die Flügelkämpfe zwischen Neutralisten, KP-nahem Anti-Amerikanismus und den eher ökologisch orientierten Teilen der Bewegung. Dieser „Kampf um Begriffe" setzt sich auch nach der Gründung der Grünen fort und schlägt sich in wechselnden Programmpositionen zu Fragen der NATO-Mitgliedschaft und vor allem auch der Deutschlandpolitik nieder. Durch seinen Insider-Status hat Volmer kann Volmer dabei auf Dokumente und Erfahrungen zurückgreifen, die einem Außenstehenden in dieser Form nicht zur Verfügung ständen. Teil II des Buches beschreibt dann die Entwicklung der Positionen - meist verbunden mit heftigen partei-internen Flügelkämpfen zu den Teilgebieten der Außenpolitik: Dritte Welt, Sicherheitsarchitektur, Europa, Friedenspolitik, Deutschlandpolitik. Volmer kommt zu dem Schluß, daß diese Debatten einerseits ein kreatives Element grüner Politik ausmachten und auch heute noch machen, daß sie aber die Partei auch mehr als einmal an den Rand der Spaltung brachten. Der dritte Teil schildert dann die Entwicklung seit der Wiedervereinigung, die einerseits vor dem Problem stand, eine völlig neue Situation zu verarbeiten, andererseits die Grünen in einer Situation als potentielle Regierungspartei sieht. Daher tritt der Konflikt zwischen grünen Traditionalisten und Pragmatikern (nicht gleichzusetzen mit „Fundis" und „Realos") in den Vordergrund. Volmers Buch zeigt, daß die Debatte über Außenpolitik bei den Grünen noch lange nicht abgeschlossen ist, und daß man die verbreitete Rede vom „Erwachsenwerden" der tatsächlichen Diskussion kaum gerecht werden kann. Wer grüne Außenpolitik verstehen will und fundierte Hintergründe zur laufenden Diskussion sucht, ist mit diesem Buch bestens bedient. bemerkenswert ist es auch, daß Volmer die Balance zwischen Wissenschafts- und Parteijargon einerseits und verständlichem, journalistischem Stil sehr gut gelingt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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