Customer Review:
Wenn Worte nichts mehr bewirken...
... dann muessen Bilder her!
So oder so aehnlich scheint M.A. Wright, Autor des Buches und Betreiber von www.antiwarposters.com, gedacht zu haben, als er sich der Thematik der Neuinterpretation von Kriegspropaganda-Plakaten annahm.
Herausgekommen ist letztlich eine mehr als 3 Dutzend Bilder umfassende Sammlung von bearbeiteten Kriegsplakaten, die nicht nur den amerikanischen Buerger zur Neuwahl G.W. Bushs und der Unterordnung unter staatliche Institutionen mahnt, sondern auch Einfaelle in souveraene Laender im Zuge der Erschliessung neuer Olquellen als unabdingbar noetig ansieht, wenn es um die Betreibung der von den US-Buergern so geliebten, benzinvernichtenden Gelaendewagen geht.
Mit dieser beinahe zynischen Veroeffentlichung ("What Beats Global Warming? - Nuclear Winter!") schafft es der als Drehbuchautor des von Nickelodeon bekannten Zeichntrickfilms 'Die Biber Brueder' auf eine Stufe mit Michael Moore & Morris Berman: weniger undurchsichtige Statistiken, und doch erschreckend akkurat zeigt er in kurzen, thematisch an den Plakaten angelegten Texten, wie korrumpiert und kaputt dieser so junge Staat eigentlich ist.
Volle Sternzahl - da selbst die Abbildungen alleine schon eine Investition wert sind.
Plakate für BU$H
Auf einem Plakat schleppt ein Soldat einen Berg Bücher weg, auf dem nächsten wird empfohlen, keine weiteren dummen Fragen mehr zu stellen, danach wird nach unpatriotischen Menschen gesucht wie nach zerdrückbaren Küchenschaben. Unter ATTACK IRAQ steht in Kleinschrift: "Noch so ein Krieg und wir sind endlich raus aus der Rezession". "Sei ein guter Amerikaner. Versuch nicht zu denken", mahnt das nächste, auch die Freiheitsstatue reiht sich ein mit: "Stop asking questions!" "Ist es schon zu spät, um nach Kanada abzuhauen?" - fragt ein erschrockener Hirsch. "Muslim Men" scheinen kein Stempelkissen zu brauchen, denn sie tunken ihre Pfoten einfach in Blut. Mit einem Hammer versucht man die "Ausländerköpfe" wie Kirchenglocken ans Tönen zu bringen, "We want that oil", johlen auf einem anderen Plakat amerikanische GI´s, ein toter US-Soldat bekommt die Unterschrift: Ich starb für die Wiederwahl von George W. Bush. Unter einer aus einem qualmenden Trümmerfeld auftauchenden Freiheitsstatue ist zu lesen: Lasst niemals noch so einen wie Bush in das "Weiße Haus". Wir haben den Feind verbrannt - nun fordert er auch noch Revanche, spöttelt das nächste Poster. Unter einem weißen Kreuz mit angehängtem Soldatenhelm steht: "Join the Army / Sind grad wieder Plätze frei!" "Regt euch nicht auf, wir bleiben nicht immer im Irak, wir haben ja noch den Iran und Nordkorea", ist bald danach zu lesen. Vor einem Kreuz schwört einer seinen Fahneneid, wie eine hungrige Krake greift die USA auf noch nicht besetzte Länder auf dem Globus, auf einem Plakat mit einem Araber steht: "Unterstützt weiterhin den Terrorismus und kauft Öl von den Saudis!" Der Name John Ashcroft ist auf einem alten Anti-Nazi-Plakat eingetragen, an anderer Stelle reitet er im Kleid eines Kreuzritters. Unter einer adretten, "eingebetteten" Journalistin steht geschrieben: Du schreibst, was dir gesagt wird! Der konservativen Zeitungskommentatorin Ann Coulter wird ein Nagel durchs Gehirn gehauen. Unter einem Kerl mit einem 3-Hütchen-Spiel steht: Du kannst nicht gewinnen! Unter einem Tourismus-Plakat entziffert man unter GUANTANAMO BAY: "Time for Fun in the Cuban Sun!" Unter einem Plakat des Segelschiffs der Pilgrim-Einwanderer ist zu lesen: "Die Amerikaner haben schon immer staatlich gesponserte Religiosität gemocht. Sie können nun mal nicht Staat und Frömmigkeit separat behandeln!" Eine stattliche Kogge hat alle Segel gesetzt: Sie bestehen aus den Flaggen Europas. Soll heißen: Europa ist gescheit genug, diese Szene zu verlassen, die USA machen es allein. Wie schreibt der Satiriker, der all diese alten Original-Plakate verfremdete und anders untertitelte, um sie tauglich zu machen für die Gegenwartsdiskussion, - wie schreibt der natürlch den Namen des Präsidenten? Natürlich BU$H. "Todays targets are tommorow's customers / Die Bombardierten von heute sind morgen deine Kunden!"
Absolute Glanzleistung zeitgenössischer Satire
Micah Ian Wright hat ein Meisterstück abgeliefert. 40 historische Propaganda-, überraschenderweise z.T. auch "nur" harmlose Informationsplakate, lassen die aktuelle Entwicklung in der Welt, wie sie George W. Bush sieht, in einem Licht dastehen, das sich zwischen Orwellschen Schreckbildern und Mooreschem Sarkasmus bewegt.
Die Qualität dieses Bildbandes sowohl in Verarbeitung wie auch in der inhaltlichen Gestaltung ist umwerfend. Die "überarbeiteten" Plakate sind jeweils ganzseitig und in leuchtenden Farben wiedergegeben, jeweils zugeordnet ist eine Seite mit Hintergrundinformationen, die einerseits den Sinn der (ganz propagandamäßig) kurz gefassten Parolen deutlicher macht, und andererseits einen mitunter (aber immer zurecht) beängstigenden Ausblick gibt. Bei keinem der Plakate fehlt eine verständliche Übersetzung der englischsprachigen Texte - wichtig für den Leser, der des Englischen eingeschränkt oder gar nicht mächtig ist.
Als besonderen Leckerbissen sind die zugrundeliegenden Originalplakate in verkleinerter Form im Anhang mitgeliefert - ebenfalls mit vollständiger Übersetzung des Originaltextes.
Schön wäre noch, wenn der Band in einem Großformat aufgelegt worden wäre. Die Plakate würden so in ihrer Wirkung an originale Propagandaplakate herankommen. Sie sind aber auch in dieser Form sehr gut les- und erkennbar, der erläuternde Text behält das Gewicht, das er verdient (auf größeren Seiten könnte er untergehen) und der Band eignet sich so sogar zur Bettlektüre - wenngleich zu intensives Nachdenken über diese Themen nicht gerade schlaffördernd sein dürfte.
Kritik in dieser Form ist eingängig und notwendig. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch auch nach der Ära Bush weiter aufgelegt und gelesen wird. Die kritisierten Themen dürften so schnell nichts von ihrer Aktualität verlieren, und die Weltgeschichte ist voll von Namen, die in den gezeigten Plakaten den Namen "Bush" treffend ersetzen könnten. Das Buch ist also nicht nur für Bush-Kritiker und solche die es werden wollen, sondern generell ein Aufschrei für Meinungsfreiheit und gegen Maulkorberlasse "von oben" - egal wer "oben" steht.
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