Die Grenze durch Deutschland. Eine Chronik von 1945 bis 1990

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Authors: Roman Grafe
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: 2002
Publisher: Siedler
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Customer Review:
Im Osten doch etwas Neues
Roman Grafe, selbst DDR-Flüchtlinbg, gibt ein äußerst genaues Bild von der deutschen Teilung an einem bestimmten Grenzabschnitt (Thüringen-Bayern). Das Besondere an dem Buch ist, dass Grafe eine Vielzahl von Einzelschicksalen schildert. Dabei geraten auch relativ ungekannte Opfer in sein Blickfeld, nämlich die zahlreichen Familien, die wegen der Grenznähe zwangsumgesiedelt wurden. Äußerst beeindruckend sind die lebensgeschichtlichen Interviews mit Menschen, die die Flucht wagten. Aber Grafe widmet sich auch den Tätern. Die Lektüre dieser Rechtfertigungsversuche bringt den Leser auch 16 Jahre nach Öffnung der Grenze noch in fassungslose Wut. Das Gleiche gilt für die Richtersprüche, die weit von einem allgemeinen Rechtsverständis entfernt sind. Dass ehemalige DDR-Ankläger heute als Rechtsanwälte tätig sind, ist wenig bekannt. Für die Aufdeckung solcher Skandale gebührt Roman Grafe ein aufrichtiger Dank. Besonders die Lebensgeschichten im "Anhang" sollten zur Pflichtlektüre in den Schulen gehören, damit die ehemalige DDR nicht so schnell als "Geschichte" abgelegt wird.
Viele Geschichten, wenig Historie
Der Buchtitel und die fulminant wirkende Seitenzahl versprechen mehr, als der Inhalt hergibt.
Roman Grafe kommt das Verdienst zu, eine Vielzahl von Menschen an der (ehemaligen) deutsch-deutschen Grenze porträtiert, Einzelschicksalen nachgespürt und Charaktere skizziert zu haben. Dieser bei Journalisten "human-touch" genannte Stil berührt, auch wenn Grafe keine Zurückhaltung bei seinen persönlichen Wertungen zu einzelnen Protagonisten übt.
Der historisch interessierte Leser jedoch, der mehr über politische Zusammenhänge und Wirkungsmechanismen erfahren will, wird von dem Buch etwas enttäuscht sein. Die Entwicklungsepochen des DDR-Staates zum Beispiel, mit ihren Wirkungen auf Fluchtzahlen und -gründe, oder auch die ggf. unterschiedlichen Sichtweisen der Nachkriegs-, Kalter-Kriegs- und Nach-Mauerbau-Generation zur deutsch-deutschen Grenze finden in Grafes Buch kaum statt. Wagt er sich doch einmal in das Feld der politischen Zusammenhänge oder juristischen Aufarbeitung, wird der Blickwinkel mitunter sehr global oder verirrt sich in Richterschelte.
Demgegenüber verliert die Aneinanderreihung von Fluchtgeschichten mit fortdauernder Lektüre ihre spannende Wirkung, weil sie sich zwangsläufig ähneln, wenngleich die Schicksale - z.B. der minenverkrüppelten jungen Frau Bunge wie auch des blinden und handlosen ehemaligen Minenlegers - außerordentlich berühren. Durch die im Wesentlichen vorgenommene Beschränkung auf die Situation im fränkisch-thüringischen Grenzgebiet um Probstzella gerät der Anspruch des Titels, eine Chronik über " D i e Grenze durch Deutschland" zu präsentieren, dann doch nur zum kleinteilig fokussierten Blick auf die Lokalgeschichte mit darin verwobenen Einzelschicksalen, die jedoch kaum in die jeweilige Zeit und den inneren Zustand der DDR gesetzt werden.
Roman Grafes Buch reiht sich damit in die bereits aus anderen Regionen bekannten Erzählungen - beispielsweise von Cornelia Röhlke über die deutsch-deutsche Grenze im Eichsfeld - mit Schwerpunkt "Schicksalserzählung" ein.
Dem Anspruch des stärker an historischen Zusammenhängen der deutsch-deutschen Grenze interessierten Lesers werden demgegenüber Bücher wie "Keiner kommt durch...Die Geschichte der innerdeutschen Grenze" von Dietmar Schultke, "Gefechtsdienst im Frieden - Das Grenzregime der DDR 1945 - 1990" von Peter Joachim Lapp oder auch die faktenreichen Bücher zum DDR-Grenzregime von Volker Koop eher gerecht werden als Grafes Buch.
Insgesamt ist Roman Grafes Buch ein fleißig zusammengetragenes, an Schicksalen verdeutlichtes Stück jüngerer thüringischer Heimatgeschichte und in diesem Sinne dann doch eine Chronik.
Sehr spannend & bedrückend
Das Buch ist wie ein Film, die gleichen Personen kommen über die Jahre hinweg zur Sprache. Der Autor schichtet die Aussagen der verschiedenen Akteure ohne Wertung aneinander. Der Film wird dabei immer dichter - es ist athmosphärisch spürbar, wie es enger und enger wird an der Grenze und im Land DDR. Manchmal braucht man eine Pause, um den Überblick zu behalten bei all den Verdrehungen und dem Zynismus der offiziellen Verlautbarungen - Vorsicht an dieser Stelle: das Buch eignet sich hervorragend als Hassableiter. Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, dass mich so bewegt hat und empfehle es weiter, besonders denen, die wie ich in der Nähe der ehemaligen Grenze lebten und leben.

Books:

  1. Der 17. Juni 1953. Legende und Wirklichkeit
  2. Heiliger Krieg Inc. Osama Bin Ladens Terrornetz.
  3. Gerhard Schröder. Ein Porträt
  4. Kanzler, Krisen, Koalitionen
  5. Elvis in Jerusalem. Die moderne israelische Gesellschaft
  6. Deutsche Geschichte im Osten Europas, 10 Bde
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  8. Reise durch das Mittelalter (Spiel)
  9. Attentat auf Adenauer. Die geheime Geschichte eines politischen Anschlags
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