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Den Zustand unserer Gesellschaft treffsicher dokumentiert!
Ferdinand Fürst von Bismarck gelingt mit seinen klaren und sachlichen Feststellungen auf 216 Seiten in bemerkenswerter Weise eine fundierte kritische Auseinandersetzung mit den negativen Entwicklungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Von den staatlichen Institutionen über die Medien, die Parteien und die Eliten bis hin zur Wirtschaft analysiert er präzise die gewachsenen Problemlagen auf der Basis der historischen Zusammenhänge und wagt einen wenn auch eher düsteren Ausblick in die Zukunft. Ein unverzichtbares Buch für alle, die es mit der Demokratie ernst meinen und die Gefahren der "Political Correctness" für die Meinungsfreiheit in unserer pluralistischen Gesellschaft bereits erkannt haben.
Über die deutsche Identität in einem Europa der Nationen
Wer von dem Titel Gedanken und Ansichten rechtskonservativer Denkart erwartet, wird auf keiner der gut zweihundert Seiten enttäuscht.
Als zentrale Feststellung attestiert Fürst Ferdinand von Bismarck uns Deutschen mangelndes Geschichtsbewußtsein, zuweilen gar "Selbsthaß" auf alles Deutsche und Nationale. Beginnend mit einem aufschlußreichen Rückblick in die eigene Geschichte macht er als Ursache für dieses unterdrückte Nationalbewußtsein der Deutschen zwei Ereignisse unseres Jahrhunderts aus: Zum einen nennt er die aufgezwungene Anerkenntnis der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands und seiner Verbündeten in Artikel 231 des Versailler Diktats im Juni 1919. Diese Demütigung durch die alliierten Sieger wog jedenfalls schwerer als der verlorene Krieg, und erst der Nationalsozialismus gab in seinen Anfängen den Deutschen Ehre und Selbstachtung in einer "Volksgemeinschaft" zurück. Doch mit der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs folgte der nächste Einbruch: Im Bewußtsein, daß es aller vereinten Weltmächte bedurfte, um die deutsche Wehrmacht mit materieller Überlegenheit niederzuringen, kamen die Deutschen nach Vernichtung und Niederlage zu der bitteren Erkenntnis, die unzähligen Opfer für eine ungerechte, verbrecherische Sache erbracht zu haben. Seither würden Verbrechen und Ungerechtigkeit am deutschen Volk stillschweigend, teils sogar als "Buße für Auschwitz" rechtfertigend ertragen. Hieraus habe sich eine Vorstellung vom Unwert des Eigenen entwickelt und festgesetzt. Bei der Beurteilung der Geschichte warnt der Autor davor, diese allein mit dem heutigen Wissen um die Folgen zu bewerten, da dies zu Überheblichkeit und Geringschätzung des Vergangenen führe. Nur die nüchterne und präzise Wertung der historischen Umstände lasse hoffen, aus der Geschichte lehrreiche Erkenntnisse zu ziehen und Fehlentwicklungen in der Zukunft zu vermeiden.
Im zweiten Teil wendet sich Fürst von Bismarck der Gegenwart zu. Mit heftigen Attacken richtet er sich gegen lähmenden Bürokratismus, leistungsfeindliches Beamtentum, lamentierende "Berufspolitiker", nachgiebige Rechtsstaatlichkeit, unausgewogene Berichterstattung der Medien und ausufernde Sozial- und Subventionszahlungen. Für die bevorstehenden gesellschaftlichen Grundprobleme weist er im einzelnen Lösungsansätze einer zielgerichteten Wirtschafts-, Fiskal-, Haushalts-, Sozial-, Verkehrs-, Umwelt- und Bildungspolitik auf, um in Deutschland (wieder) annähernde Vollbeschäftigung, zukünftige Alterssicherung und ein breites Wohlstandsniveau zu erlangen. Die Prosperität des Landes dürfe nicht durch staatliche Nachfrageexpansion zu erreichen versucht, sondern durch ein anreiz- und leistungsfreundliches Wirtschaftsumfeld neoliberaler Ausrichtung gewährleistet werden. Es bestehe am Arbeitsmarkt - der größten Herausforderung gegenwärtiger Politik - eine Diskrepanz, wenn in einigen Familien durch Sozialhilfe plus Schwarzarbeit mehr erwirtschaftet werde als durch Erwerbseinkommen aus wenig qualifizierter Tätigkeit. Folglich sei die Schaffung von Niedriglohn-Jobs von staatlicher Seite zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in dieser Situation auch weniger geeignet, als die Absenkung von Sozialleistungen.
Zuversichtlich schaut Fürst von Bismarck im dritten Teil in die Zukunft. Er wagt einen Ausblick auf Ausrichtung und Positionierung Deutschlands innerhalb Europas sowie Europas in der Welt. Konsequent appelliert er vor dem Übergang in das neue Jahrhundert, den Geist eines freiheitlichen Patriotismus zu bewahren, der Vaterlandsliebe und europäische Gesinnung miteinander verbindet. Zur Wahrung der deutschen Identität künftiger Generationen seien altbewährte Werte und Tugenden, die dem destruktiven 68er-Geist zum Opfer gefallen sind, neu zu leben.
Wohl nicht nur aus familiärer Loyalität und Bindung unterlegt Fürst Ferdinand von Bismarck seine Ausführungen mit Zitaten seines berühmten Urgroßvaters, und es ist stets von neuem beeindruckend, welch visionärer Gehalt und bestechende Wahrheit diesen Aussprüchen innewohnen. Dabei wird im übrigen die heutzutage häufig zur Diffamierung herangezogene Verbindungslinie von Arminius über Luther und Friedrich dem Großen zu Bismarck und Hitler zu Recht in die propagandistisch verklärende Geschichtsschreibung des Dritten Reiches verwiesen.
Fazit: Durch "political correctness" läßt sich der Autor das Denken keinesfalls verbieten, weiß aber dennoch wohlüberlegt zu akzentuieren und apostrophieren. Vielerorts bekennt er sich ausdrücklich zu unserer freiheitlichen, demokratischen Verfassung rechtsstaatlicher Prägung, wohlwissend, daß er ansonsten allein durch den selbstbezogenen Gebrauch des Wortes "Patriot" von intellektuellen Kritikern zum "Faschisten" abgestempelt würde. - Für jeden geschichtlich und politisch Interessierten höchst empfehlenswert!
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