Balkankrieg. Zehn Jahre Zerstörung Jugoslawiens

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Authors: Hannes Hofbauer
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: Oktober 2001
Publisher: Promedia, Wien
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Customer Review:
Zu einseitig
Das Buch ist ärgerlich einseitig und - wie ein Rezensent schon bemerkt hat - ausschließlich PRO-SERBISCH. Und genau das ist das Glaubwürdigkeitsproblem des Autors: Alle Quellen der serbischen Seite, sofern sie überhaupt genannt werden - werden unkritisch als wahr ausgegeben, während die Verlautbarungen der "Gegenseite", d.h. der NATO bzw. der Kroaten, Slowenen, Albaner etc. perse als Kriegsprodaganda abgetan werden. So wird man mißtrauisch, inwieweit der Autor neutral berichtet oder nicht doch selbst der Versuchung erliegt, eine (eindeutig zu umfangreiche) Apologie auf Slobodan Milosevic darzulegen... Zwar behauptet Hofbauer hartnäckig, es habe vor der NATO-Intervention keine ethnischen "Säuberungen" gegeben und auch die Massenvergewaltigungen seien niemals passiert. Doch damit steht er, mangels angeführter Belege seinerseits - ziemlich allein da in seiner Einschätzung! Zumal er damit die Opfer ziemlich verhöhnt... Ärgerlich auch die Flüchtigkeitsfehler: da wird aus Rudolf Scharping gerne mal der deutsche Außenminister (vgl. S. 202). Für das Buch gibt's deshalb nur einen Stern, und auch nur deshalb, weil sich anhand des Textes schön studieren lässt, was passiert wenn ein Autor sämtliche Neutralität eines (Kriegs-)Berichterstatters zugunsten einer (nicht näher begründeten) Parteilichkeit aufgibt.
Staatszerfall mit Nachhilfe
Am 24. März 1999 erlebte die schrittweise vorangehende Zerstörung der Jugoslawischen Förderation ihre Abschlußphase: Im Zusammenhang mit den militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem jugoslawischen Bundesheer und der Kosovo-Befreiungsarmee UCK begann die Luftwaffe der NATO einen unerklärten Bombenkrieg.
Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen auf dem Territorium des zerfallenden Staates kamen nicht aus heiterem Himmel. Ethnische Konflikte hatten sich seit langem angestaut, ehe sie sich in Gewalt entluden. In dem ersten Beitrag von Karl Kaser wird die Geschichte der Balkanvölker und Entstehung jenes ethnischen "Flickenteppichs" bei der ersten jugoslawischen Staatsgründung im Jahre 1918 dargestellt. Wolfgang Geier untersucht ergänzend dazu die historisch bedingte religiöse Zerrissenheit des Landes und die ideologischen Strömungen, die in Vergangenheit und Gegenwart auf die verschieden Ethnien Einfluß nahmen und nehmen.
Als primäre Ursache für die Entstehung und Eskalation ethnischen Konflikte in der Gegenwart betrachtet der US-amerikanische Ökonom Michel Chossudovsky die wirtschaftliche Entwicklung der letzte Jahrzehnte. Chossudovsky schildert in seinem Beitrag detailliert die Zerstörung der jugoslawischen Wirtschaft durch das globale Finanzsystem, das Heranreifen sozialer Konflikte als Ergebnis mafiöser Ausplünderung und IWF-Diktat sowie das Umschlagen sozialen Zündstoffs in nationalistische Exzesse: In der Endphase der Jugoslawischen Förderation versuchten die reicheren Regionen des Nordens sich per Sezession von dem bettelarmen Süden abzukoppeln; die Belgrader Zentrale reagierte mit verstärkter Ausplünderung der verbliebenen Provinzen, die wiederum mit zunehmender Verarmung unter Kontrolle der Mafia gerieten.
Der umfangreichste Beitrag des Buches stammt vom Herausgeber selbst. Hannes Hofbauer liefert nicht nur eine ausführliche Schilderung der Geschichte Jugoslawiens von der Staatsgründung bis zum Einmarsch der NATO in den Kosovo, sondern auch eine kritische Untersuchung diverser Gruselberichte, die jahrelang zum Teil völlig unhinterfragt durch die Medien geisterten und zur Kriegsbegründung herhielten.
Der Krieg begann nicht erst mit dem Truppeneinmarsch in den Kosovo - auch nicht mit den ersten Bombenangriffen auf jugoslawisches Territorium. Er begann lange vorher - mit wirtschaftlicher Einflußnahme und politischem Druck. Ziel der westlichen Einflußnahme war die Installation markthöriger Regimes, die dann als "demokratisch" der staunenden Weltöffentlichkeit präsentiert wurden. Die auf dem Territorium Ex-Jugoslawiens neu entstandenen Zwergstaaaten unterzieht Hofbauer einer beißenden Kritik.
Hofbauer geht dem Mainstream widersprechenden Meldungen nach und stellt fest: Zwar haben serbische Freischärler während der Bürgerkriege kaum weniger brutal gehaust als ihre jeweiligen nationalistischen Gegenspieler - die militärischen Auseinandersetzungen wurden jedoch stets von den sezessionsbereiten Republiken begonnen. An mehreren Beispielen weist er auch nach, daß kroatische, bosnisch-muslimische und UCK-Truppen bewußt Massaker an der "eigenen" Bevölkerung provozierten oder selbst ausführten, um diese gegenüber westlichen Medien als "serbische Greueltaten" ausgeben zu können. Im Ergebnis rollten weitere Hilfslieferungen, wurde der politisch und wirtschaftlicher Druck auf Rest-Jugoslawien weiter verstärkt und wurde schließlich gebombt.
Sehr ausführlich schildert Hofbauer auch den Bombenkrieg der NATO, widerlegt eindeutig diverse Behauptung westlicher Militärs, schildert ihn als einen brutalen Überfall, bei dem fast ausschließlich die Zivilbevölkerung des angegriffenen Staates Leidtragender war.
In dem letzten Beitrag von Andre Gunder Frank werden die politischen Konsequenzen des durch die NATO geführten Angriffskrieges als Präzedenzfall für die faktische Aushebelung des Völkerrechts nochmals drastisch dargestellt.
Die nach diesem Präzedenzfall unter Verstoß gegen das Völkerrecht geführten Kriege sind bekannt.
gb.
gut!
Gut ist dieses Buch! Weil es erstens eindeutig Abstand zu den westlichen Mediendarstellungen nimmt und zweitens gut recherchiert und dargelegt ist. Ich finde es gut, um einen Einblick in die verrückte Welt des Balkankrieges zu bekommen.
Desweiteren schätze ich Hannes Hofbauers Neutralität sehr, ich weiß, wie schwer es ist, neutral zu bleiben (es zumindest zu versuchen ist schon mal nicht so leicht).
Dieses Buch ist für alle diejenigen was, die sich ehrlich für die Geschehnisse im Balkan interessieren und sich ein Bild abseits der einbseitigen Mediendarstellungen machen wollen.
Gelungen!0

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