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Und wer sind jetzt die Bösen?
Dieses Buch ist nicht einfach zu bewerten - und schon gar nicht für Laien, die sich über den Konflikt zwischen Israel und Palästina informieren wollen. Wer sich viele politische Hintergründe und Fakten erwartet, wird sicherlich enttäuscht sein, verbirgt sich doch der Inhalt des Buches bereits im Titel: Viele Gespräche mit Mitgliedern verschiedener Friedens- und Frauenbewegungen beider rivalisierender Seiten geben viel mehr einen Einblick in private Schicksale, als politische Zusammenhänge zu erklären.
Zwar steigen die Palästinenser menschlich besser aus als die Israelis, doch wer wagt bei Konflikten dieser Art, eindeutige Rollen zwischen Gut und Böse zuzuteilen? Dolores Bauer erspart sich daher sinnvoller Weise jeglichen wertenden Kommentar, zu verworren sind die Fronten zwischen Politik, Religion und Heimatliebe. Ganz und gar als moderne Nazis werden jedoch die ultrarechten Siedler und das jüdische Militär beschrieben, der obige Vergleich mit den Nationalsozialisten ist duchaus beabsichtigt. Die wohl beeindruckendste Erzählung des Buches stammt von einem ehemaligen jüdischen Soldaten, der Nacht für Nacht denselben Alptraum erlebt: Bange Gesichter im jüdischen Ghetto Warschaus, die in einem Keller das Eindringen der Deutschen Armee erwarten. Das erste Gesicht des NS-Soldaten, welches erscheint, ist jedoch sein eigenes, also das des früheren Opfers.
Beklemmend geschrieben, mit einem Funken Hoffnung auf Verständnis, bleibt nach dem Lesen trotzdem das Gefühl der Ohnmacht - wenn Fronten zwischen Völkern eines Landes derart verkrustet sind, scheint ein Ausweg unerreichbar.
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