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Sittenbild österreichischer Bürokratie oder Schundroman?
Beides. Es handelt sich um eine streckenweise höchst amüsant zu lesende, bunte österreichische Politiker-Society-Schnulze, in der objektive Fakten österreichischer Innenpolitik vom Autor klug mit Liebesromanklischees, zeitgeistig dargebotenen psychologischen Weisheiten, akademischen Wiener Kaffeehauskultur-Bonmots, gelehrten antiken Sprüchen bis hin zur modernen strategischen Spieltheorie aufgeboten werden. Dermassen gewürzt, gerührt und geschüttelt ergibt es ein Psychodramolett einer Dreiecksbeziehung (Klestil und seine Ex-Frau Edith und seine neue Frau Margot) und eines Doppelduells (Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Benita Ferrero-Waldner gegen Thomas Klestil und seineGattin Margot). Ob das gesammelte "On-Dit"-Klatsch-Wissen einer genaueren Überprüfung standhalten könnte und ob sie für die österreichische Politik wünschenswert wäre, möchte ich als Politologin lieber nicht wissen. Als Leserin eines zynischen Liebesromans habe ich dieses Buch genossen, österreichischen Aussenpolitik habe ich das Buch genossen, ansonsten ist bei dieser persönlichen Abrechnung mit bestimmten Persönlichkeiten der österreichischen Politik jedoch zu befürchten, dass es im derzeitigen Politikklima zusätzlich Wut und Unsicherheit über seine Politiker beim österreichischen Lesevolk schüren wird. Positiv ausgedrückt: Der Autor hatte den richtigen Riecher für ein Buch im richtigen Land zur richtigen Zeit.
Österreichisches politisches Sittenbild oder Schundroman?
Beides. Ich meine, es handelt es sich um eine teilweise recht kurzweilig zu lesende bewundernswerte österreichische Polit-Society-Schnulze, so man nicht gerade zu den Betroffenen gehört: Objektive Fakten über Österreichs Innenpolitik werden von Hofbauer recht geschickt mit Schundromanklischees, zeitgeistigen psychologischen Weisheiten, akademischen Bonmots der Fin de Siècle-Kaffeehauskultur, gelehrten Sprüchen bis hin zur Erwähnung modernen strategischen Spieltheorie gewürzt, gerührt und geschüttelt. Als Psychodramolett amüsant zu lesen. Das einer genaueren Überprüfung nicht standhaltende Klatsch-Wissen und buntgewürfelte Name-Dropping bereitete mir als Politologin dennoch Magenschmerzen, denn leider wurde ich beim Lesen den Verdacht nicht los, daß der Autor mit seinen vorgeblich seriös aufbereiteten Fakten nebst persönlicher Abrechnungen mit dem Klestil-Paar und anderen auch die Wut und Verunsicherung des "kleinen österreichischen Steuerzahlers von Nebenan" schüren wird. Daher maximal 3 Sterne.
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