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Informationen aus erster Hand
Wer sich – unabhängig von den Ereignissen des 11.09.2001 – mit Afghanistan und dem Bürgerkrieg der letzten 10 Jahre beschäftigen will, kommt an dem Buch von Norbert Heinrich Holl nicht vorbei. Das Werk des ehemaligen UN-Sonderbeauftragten für Afghanistan beschreibt zeitweise minutiös die unterschiedlichen Abschnitte der jüngsten Vergangenheit, insbesondere seit dem Auftreten der Taliban. Kritisch beleuchtet er das selbst für Kenner kaum noch zu durchschauende Kriegsspiel um Einfluss und Macht der ehemaligen Widerstandsgruppen, die sich nach dem Abzug der Sowjets gegenseitig mit der gleichen Intensität bekriegt haben. Kenntnisreich schildert er die wechselnden Allianzen einer tribalistischen Gesellschaft, wo religöses Eifern und ethnische Verblendung eine Befriedung unmöglich machten. Ausführlich wird dargelegt, dass den Stammesführern die Sicherung ihrer Machtbereiche und diversen Geschäfte – vom Wegezoll bis zum Mohnanbau - wichtiger war, als der Wunsch nach Frieden in der geschundenen Gesellschaft. Klar legt Holl auch dar, wie unter Benazir Bhutto die paschtunischen Heilsverkünder der Religionsschulen unter Führung des pakistanischen Geheimdienstes die Taliban erst ins Leben gerufen haben – mit Millionen aus Saudi-Arabien und wohlwollender Duldung, wenn nicht gar Ermunterung der USA. Gerade der Status quo ante – ein instabiles und untereinander sich bekriegendes Afghanistan – war für die pakistanischen Machthaber das Ziel ihrer Afghanistanpolitik. Ohne die Waffenlieferungen durch den ISI, mit Dollars reichlich ausgestattet, hätten die Kriegsparteien nicht über ein Jahrzehnt hinweg das Land malträtieren können. Zu Recht arbeitet Holl hier auch die ambivalente Haltung der USA heraus. Der Supermacht ging es nie um Afghanistan. Die Mujahedin hat man benutzt, um die UdSSR zu treffen. Als diese die kommunistischen Invasoren zum Rückzwug gezwungen hatten, hat man den eigenen Rückzug angetreten und das Land sich selbst überlassen. Dann mit den Taliban liebäugelt, in der Hoffnung auf das „Große neue Spiel“, zum Wohl der Ölgesellschaft UNOCAL. Das diese zwiespältige Politik der USA, nämlich nur die eigenen Interessen zur Handlungsmaxime zu machen, nach einer eigenständigen deutschen bzw. europäischen Außenpolitk ruft, ist eine der Forderungen Holls. Sehr gut ist von ihm auch die eingeschränkte Handlungsmöglichkeit der UN dargestellt, insbesondere dann, wenn es Staaten gibt wie Pakistan, die an einer wirklichen Lösung nicht interessiert waren, und mit diplomatischen Einflußnahmen sinnvolle Ansätze schon im Keim erstickt oder unterlaufen haben mit scheinbaren Initiativen. Oder weil einfach nur verhindert werden sollte, daß der Iran als Nachbarstaat überhaupt an einer Lösung beteiligt werden sollte. Auf Druck der USA wurde es Holl als UN-Sonderbbeauftragter untersagt, an einer Konferenz in Teheran teilzunehmen. Ein absolut lesenswertes Buch, dass sich erfreulich aus der Masse der Schnellschüsse über Afghanistan und die Taliban hervorhebt. Auf einen kleinen redaktionellen Fehler sollte allerdings hingewiesen werden, da er ein falsches Datum wiedergibt: Auf Seite 177 in der ersten Zeile ist das dort angegebene Datum falsch, tatsächlich war dies der 20.03.1996.
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