Putins Welt. Russland auf dem Weg nach Westen

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Putins Welt. Russland auf dem Weg nach Westen


Authors: Roland Haug
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: November 2003
Publisher: Nomos
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Customer Review:
Rätselhafter Putin
Die Welt des rätselhaften Wladimir Putin/Roland Haug beschreibt mit viel Sympathie den chaotischen Weg Russlands in eine ungewisse Zukunft

"Die Sphinx auf dem Zarenthron", titelte der Journalist und Russlandkenner Roland Haug, als er vor drei Jahren das Phänomen Wladimir Wladimirowitsch Putin zu erklären versuchte. Die Widersprüchlichkeiten, mit welchen der russische Präsident westliche Beobachter seit seiner Wahl im März 2000 immer wieder irritiert, drängen auch den Vergleich mit einem Chamäleon auf. Am Sonntag wird der rätselhafte einstige KGB-Oberstleutnant mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder an die Spitze des Kreml gewählt. Russland hat mangels ernst zunehmender Gegenkandidaten keine Alternative.

Warum das so ist, warum sich in der dramatischen russischen Umbruchphase eine aus westlicher Sicht einst so blasse Figur wie Putin in kürzester Zeit durchsetzen und an der Spitze etablieren konnte, warum sich der Großteil der Bevölkerung trotz Kursk-Fiasko, Tschetschenien-Krieg oder haarsträubender sozialer Missstände verblüffend ruhig verhält - das erklärt der langjährige ARD-Korrespondent Haug mit der Erfahrung aus gut 90 Russland-Aufenthalten. Sein Buch "Putins Welt. Russland auf dem Weg nach Westen" ist eine profunde, spannend geschriebene Analyse der Stagnation der russischen Denk- und Lebensart und eine Beschreibung des vielschichtigen, undurchsichtigen Charakters des Präsidenten. Auffallend bei der Schilderung der politischen Karriere Putins ist der häufige Hinweis auf dessen kühle Intelligenz, den Machtinstinkt und auf die, bis auf wenige Ausrutscher, geschickte Diplomatie vor allem bei der Öffnung des Landes nach Westen. Aber auch die Kehrseite wird beleuchtet: Der hemmungslose Einsatz von Gewalt, wenn der Präsident meint, sie sei der Staatsräson dienlich. Haug hat ein treffendes Beispiel für das Selbstverständnis dieses Autokraten: Das Porträt von Zar Peter dem Großen über dem Schreibtisch. Zar Peter steht für Modernisierung, Öffnung nach Westen und eiserner Faust in der Innenpolitik.

Mit dem Ballast, den die Russen aus zaristischen Zeiten durch die Sowjet-Ära bis in die heutige Zeit mit sich schleppen erklärt Haug die zwiespältige Duldsamkeit des gebeutelten Volkes: Auf der einen Seite das in Jahrhunderten zum Naturell gewordene grundsätzliche Misstrauen gegenüber dem Staat und seinen ebenfalls seit Menschengedenken schlecht bezahlten und deswegen korrupten Beamten; auf der anderen Seite die Sehnsucht nach einer Führer-Figur, die alles regelt. Zum Beispiel den Krieg gegen die überall verhassten Kaukasier in Tschetschenien.

Haug schildert den Präsidenten als Zwitter aus "homo sowjeticus" und einem Politiker, der erkannt hat, dass Russlands Zeit als Großmacht vorbei ist und das Land als wohl einzig gangbaren (markt)wirtschaftlichen und politischen Weg den nach Westen einschlagen muss. Der Autor beschreibt aber auch die Hindernisse, die eine übermächtige mafios strukturierte Schattenwirtschaft aufbaut, die sich wie zu übelsten Sowjetzeiten schamlos beim Staat bedient und alle Ansätze von privatem Unternehmertum mit Erpressung und Schlimmerem drangsaliert. Den wenigen, die aus dem Umbruch seit Perestrojka und Glasnost Kapital schlagen konnten, steht eine Masse von Menschen gegenüber, die zu den ärmsten des Kontinents zählen und die sich in ihrer Not fast blind der Kirche zuwenden. Auch dieses Zeichen hat der Präsident erkannt und geht täglich demonstrativ vor Dienstantritt zum Gebet. Doch er hat auch eine "Diktatur der Gesetze" auf den Weg gebracht, nicht unbedingt, weil ihm die Demokratisierung vordringlich am Herzen liegt, sondern, um klar zu machen, dass sich alle Macht im Staat im Kreml konzentriert. Die Zensur der Presse ist eines der Resultate.

Angenehm an Roland Haugs Buch sind die tiefe Sympathie und das Verständnis, mit dem der Autor das um ein erträgliches Leben und um seine Würde kämpfende russische Volk schildert. Das wird unterstrichen mit beeindruckenden Fotografien des begabten Porträtisten Walerij Schtschekoldin. Die Gesichter in seinen Aufnahmen erzählen ohne Worte vom Krieg in Tschetschenien, von Armut, aber auch vom kleinen Glück beim zufälligen nachbarschaftlichen Musizieren. Angenehm auch, dass Haug den Aufsteiger Putin lediglich als einen Politiker aus der jüngsten Geschichte seines Landes heraus erklärt und nicht pauschal verurteilt. Seine langjährige Erfahrung lässt Haug allerdings prophezeien, dass Russland auf dem langen Weg westwärts noch öfters in eine Schieflage geraten wird. Und er macht keinen Hehl aus seiner Befürchtung, dass das undurchschaubare und unberechenbare Staatsoberhaupt Putin einen paternalistischen, bevormundenden und total kontrollierenden Staat etablieren will, der "jederzeit in eine Diktatur abstürzen kann."
Waltraud Schwarz
Sehr interessantes Porträt
"Die Sphinx auf dem Zarenthron", titelte der Journalist und Russlandkenner Roland Haug, als er vor drei Jahren das Phänomen Wladimir Wladimirowitsch Putin zu erklären versuchte. Die Widersprüchlichkeiten, mit welchen der russische Präsident westliche Beobachter seit seiner Wahl im März 2000 immer wieder irritiert, drängen auch den Vergleich mit einem Chamäleon auf. Am Sonntag wird der rätselhafte einstige KGB-Oberstleutnant mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder an die Spitze des Kreml gewählt. Russland hat mangels ernst zunehmender Gegenkandidaten keine Alternative.

Warum das so ist, warum sich in der dramatischen russischen Umbruchphase eine aus westlicher Sicht einst so blasse Figur wie Putin in kürzester Zeit durchsetzen und an der Spitze etablieren konnte, warum sich der Großteil der Bevölkerung trotz Kursk-Fiasko, Tschetschenien-Krieg oder haarsträubender sozialer Missstände verblüffend ruhig verhält - das erklärt der langjährige ARD-Korrespondent Haug mit der Erfahrung aus gut 90 Russland-Aufenthalten. Sein Buch "Putins Welt. Russland auf dem Weg nach Westen" ist eine profunde, spannend geschriebene Analyse der Stagnation der russischen Denk- und Lebensart und eine Beschreibung des vielschichtigen, undurchsichtigen Charakters des Präsidenten. Auffallend bei der Schilderung der politischen Karriere Putins ist der häufige Hinweis auf dessen kühle Intelligenz, den Machtinstinkt und auf die, bis auf wenige Ausrutscher, geschickte Diplomatie vor allem bei der Öffnung des Landes nach Westen. Aber auch die Kehrseite wird beleuchtet: Der hemmungslose Einsatz von Gewalt, wenn der Präsident meint, sie sei der Staatsräson dienlich. Haug hat ein treffendes Beispiel für das Selbstverständnis dieses Autokraten: Das Porträt von Zar Peter dem Großen über dem Schreibtisch. Zar Peter steht für Modernisierung, Öffnung nach Westen und eiserner Faust in der Innenpolitik.

Mit dem Ballast, den die Russen aus zaristischen Zeiten durch die Sowjet-Ära bis in die heutige Zeit mit sich schleppen erklärt Haug die zwiespältige Duldsamkeit des gebeutelten Volkes: Auf der einen Seite das in Jahrhunderten zum Naturell gewordene grundsätzliche Misstrauen gegenüber dem Staat und seinen ebenfalls seit Menschengedenken schlecht bezahlten und deswegen korrupten Beamten; auf der anderen Seite die Sehnsucht nach einer Führer-Figur, die alles regelt. Zum Beispiel den Krieg gegen die überall verhassten Kaukasier in Tschetschenien.

Haug schildert den Präsidenten als Zwitter aus "homo sowjeticus" und einem Politiker, der erkannt hat, dass Russlands Zeit als Großmacht vorbei ist und das Land als wohl einzig gangbaren (markt)wirtschaftlichen und politischen Weg den nach Westen einschlagen muss. Der Autor beschreibt aber auch die Hindernisse, die eine übermächtige mafios strukturierte Schattenwirtschaft aufbaut, die sich wie zu übelsten Sowjetzeiten schamlos beim Staat bedient und alle Ansätze von privatem Unternehmertum mit Erpressung und Schlimmerem drangsaliert. Den wenigen, die aus dem Umbruch seit Perestrojka und Glasnost Kapital schlagen konnten, steht eine Masse von Menschen gegenüber, die zu den ärmsten des Kontinents zählen und die sich in ihrer Not fast blind der Kirche zuwenden. Auch dieses Zeichen hat der Präsident erkannt und geht täglich demonstrativ vor Dienstantritt zum Gebet. Doch er hat auch eine "Diktatur der Gesetze" auf den Weg gebracht, nicht unbedingt, weil ihm die Demokratisierung vordringlich am Herzen liegt, sondern, um klar zu machen, dass sich alle Macht im Staat im Kreml konzentriert. Die Zensur der Presse ist eines der Resultate.

Angenehm an Roland Haugs Buch sind die tiefe Sympathie und das Verständnis, mit dem der Autor das um ein erträgliches Leben und um seine Würde kämpfende russische Volk schildert. Das wird unterstrichen mit beeindruckenden Fotografien des begabten Porträtisten Walerij Schtschekoldin. Die Gesichter in seinen Aufnahmen erzählen ohne Worte vom Krieg in Tschetschenien, von Armut, aber auch vom kleinen Glück beim zufälligen nachbarschaftlichen Musizieren. Angenehm auch, dass Haug den Aufsteiger Putin lediglich als einen Politiker aus der jüngsten Geschichte seines Landes heraus erklärt und nicht pauschal verurteilt. Seine langjährige Erfahrung lässt Haug allerdings prophezeien, dass Russland auf dem langen Weg westwärts noch öfters in eine Schieflage geraten wird. Und er macht keinen Hehl aus seiner Befürchtung, dass das undurchschaubare und unberechenbare Staatsoberhaupt Putin einen paternalistischen, bevormundenden und total kontrollierenden Staat etablieren will, der "jederzeit in eine Diktatur abstürzen kann."
Russland aus erster Hand
Rund 86mal war Roland Haug im Laufe seiner langen Karriere als Journalist und Russland-Experte im östlichen Riesenreich, oft als Begleiter hochrangiger deutscher Politiker, 1990 bis 1994 zudem als ARD-Korrespondent in Moskau. Er hat mit Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung gesprochen und die grundlegenden Veränderungen der letzten Jahre miterlebt. Das merkt man dem Buch an: Ob Haug über die russische Korruption oder Kirche, ob über Russlands Frauen oder den Antisemitismus, über die unbeschreibliche Armut, die russische Wirtschaft oder die Mafia schreibt - stets merkt man, dass er all diese Dinge aus eigener Anschauung kennt. Das macht dieses Buch so spannend. Außerdem ist es mit Fotos des russischen Fotografen Walerij Schtschekoldin hervorragend (freilich schwarz-weiß) bebildert.
Die Lektüre dieses Buches beantwortet Fragen etwa über den Hintergrund des Tschetschenienkriegs, über die Rollen von Gorbatschow und Jelzin und vor allem über die Motive und Zielsetzungen Putins. Mit diesem Wissen erst kann man die Meldungen aus dem Riesenreich Putins erst richtig einordnen.

Books:

  1. Politische Steuerung und neue Staatlichkeit. Staatslehre und politische Verwaltung
  2. Die Europäische Union nach Nizza: Wie Europa regiert werden soll
  3. Das Janusgesicht der PDS. Wähler und Partei zwischen Demokratie und Extremismus
  4. Mission Afghanistan. Erfahrungen einen UNO-Diplomaten
  5. Ulrich Becks kosmopolitisches Projekt. Auf dem Weg in eine andere Soziologie
  6. Von Allah zum Terror? Der Djihad und die Deformierung des Westens
  7. Demaskierung der Macht. Niccolo Machiavellis Staats- und Politikverständnis
  8. Afrika im Blickfeld
  9. 'Nicht alle wollten sie ...'
  10. Deutschland, deine Zuwanderer. Fakten und Analysen

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