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Mehr als nur Beispiele
Primakow enthüllt, daß (der ehemalige UdSSR-Außenminister) Schewardnadse während des Kuwait-Krieges aus Eifersüchtelei und Inkompetenz zum "amoralischen" Verräter wurde und daß ihm Margaret Thatcher verriet, worum des den US-Alliierten im Golfkrieg wirklich ging: Nicht etwa um die Befreiung Kuwaits, sondern darum, "das danze militärische und, wenn möglich, auch das gesamte industrielle Potential dieses Landes vollständig auszuradieren."
Er klagt an, daß die USA daher keinerlei Interesse zeigen, die kindermordenden Sanktionen gegen den Irak jemals aufzuheben. Anderseits taten und tun die USA auch alles, um den Zerfall der Sowjetunion und jetzt Rußlands nach Kräften und auch direkt zu fördern, während sie gleichzeitig massiv jedwede Re-Integration der selbständigen GUS-Republiken behindern und unterlaufen.
Das allerdings ist inzwischen aber ohnehin keine geheime Enthüllung mehr. Primakows Hoffnung auf eine friedliche und gerechte Konfliktlösung wird daher wohl ohne jede Chance bleiben. Dafür sorgt schon die personelle Kontinuität der von Primakow schon im Papa-Bush-Kabinett als "Hardliner" beschriebenen Wolfowitz, Reece, Cheney und Konsorten.
Weise Enthüllungen eines unbequemen alten Mannes
Jewgeni Primakow ist zum einen Diplomat. Er war es sowohl als Außenminister als auch als Ministerpräsident, und auch seine Bücher sind diplomatischer Natur. So brandmarkt er z.B. die korrupte Umgebung Jelzins als mafiöse „Familie". Aber auch wenn er den ersten Präsidenten nicht unbedingt als deren Oberhaupt, so doch zumindest als deren willfähiges Werkzeug anklagt, so bescheinigt er demgegenüber dessen Nachfolger Putin ernsthaftes Bemühen und ausreichende Intelligenz, sich aus diesen Zwängen und Hinterlassenschaften zu befreien. Ebenso fällt fast kein negatives Wort über den zweimaligen Premier Tschernomyrdin oder andere derzeit noch immer einflußreiche bzw. populäre Politiker Rußlands.
Weitaus zahlreicher, jedoch nicht weniger diplomatisch geschickt formuliert Primakow aber seine anklagenden Worte über die Führung der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Doch das tut er nicht etwa deshalb, weil er - zum anderen - eben Orientalist und ein alter „Freund der Araber" ist, sondern vor allem deshalb, weil er Vertragsbruch, Mißachtung des Völkerrechts, Säbelrasseln und Kriegshysterie verabscheut. Dabei kannte er zum Zeitpunkt dieser Niederschrift noch nicht einmal die aktuelle Politik George Walker Bushs. Primakows Bücher aber zeigen trotz diplomatischer Vorsicht unmißverständlich, daß seine Vorstellungen einer pluralistischen Weltordnung von denen der USA nicht nur abweichen, sondern denselben fundamental und vollständig entgegengesetzt sind. Gerechtigkeit und Vermittlung innerhalb der Völkergemeinschaft auf der einen Seite, rücksichtsloser Individualismus des Stärkeren auf der anderen Seite. Deshalb ist Primakow wohl der einzige russische Politiker, den die US-Führung auf keinen Fall und unter keinen Umständen im Präsidentensessel sehen wollen und akzeptieren könnten.
Dennoch ist Primakow nicht etwa Antiamerikanist oder panslawischer bzw. eurasischer Nationalist. Er ist einfach nur einer der großen Patrioten Rußlands. Als solcher hat er auch kein Problem damit, vom Westen zu lernen. So visioniert er z.B. von einem Wiedererstarken Rußlands durch die wirtschaftliche Erschließung Sibiriens und des Fernen Osten ähnlich des einst Wilden Westens der USA. Wahrscheinlich war der Wirtschaftskritiker Primakow schon in der kommunistischen Sowjetunion seiner Zeit und selbst dem Reformer Gorbatschow weit voraus. Zu guter Letzt war er aber auch neben allem auch Leiter der Auslandsaufklärung des russischen Geheimdiensts. So nehmen schließlich die Themen Wirtschaftsreformen und Spionageabwehr einen großen und detaillierten Teil des vorliegenden Buches ein.
Wer stattdessen einen kämpferischen Politvisionär erwartet, der vielleicht 2005 doch noch gegen Putin in den Wahlkampf ziehen wird, die russisch-weißrussische Union forciert oder für eine bestimmte politische Gruppe Rußlands leidenschaftlich Partei ergreift, hofft in diesem Buch vergeblich. Dafür ist Primakows Weisheit eben doch zu diplomatisch.
Große Erwartungen an einen alten weisen Mann
Jewgeni Primakow ist zum einen Diplomat. Er war es sowohl als Außenminister als auch als Ministerpräsident, und auch seine Bücher sind diplomatischer Natur. So brandmarkt er z.B. die korrupte Umgebung Jelzins als mafiöse „Familie". Aber auch wenn er den ersten Präsidenten nicht unbedingt als deren Oberhaupt, so doch zumindest als deren willfähiges Werkzeug anklagt, so bescheinigt er demgegenüber dessen Nachfolger Putin ernsthaftes Bemühen und ausreichende Intelligenz, sich aus diesen Zwängen und Hinterlassenschaften zu befreien. Ebenso fällt fast kein negatives Wort über den zweimaligen Premier Tschernomyrdin oder andere derzeit noch immer einflußreiche bzw. populäre Politiker Rußlands.
Weitaus zahlreicher, jedoch nicht weniger diplomatisch geschickt formuliert Primakow aber seine anklagenden Worte über die Führung der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Doch das tut er nicht etwa deshalb, weil er - zum anderen - eben Orientalist und ein alter „Freund der Araber" ist, sondern vor allem deshalb, weil er Vertragsbruch, Mißachtung des Völkerrechts, Säbelrasseln und Kriegshysterie verabscheut. Dabei kannte er zum Zeitpunkt dieser Niederschrift noch nicht einmal die aktuelle Politik George Walker Bushs. Primakows Bücher aber zeigen trotz diplomatischer Vorsicht unmißverständlich, daß seine Vorstellungen einer pluralistischen Weltordnung von denen der USA nicht nur abweichen, sondern denselben fundamental und vollständig entgegengesetzt sind. Gerechtigkeit und Vermittlung innerhalb der Völkergemeinschaft auf der einen Seite, rücksichtsloser Individualismus des Stärkeren auf der anderen Seite. Deshalb ist Primakow wohl der einzige russische Politiker, den die US-Führung auf keinen Fall und unter keinen Umständen im Präsidentensessel sehen wollen und akzeptieren könnten.
Dennoch ist Primakow nicht etwa Antiamerikanist oder panslawischer bzw. eurasischer Nationalist. Er ist einfach nur einer der großen Patrioten Rußlands. Als solcher hat er auch kein Problem damit, vom Westen zu lernen. So visioniert er z.B. von einem Wiedererstarken Rußlands durch die wirtschaftliche Erschließung Sibiriens und des Fernen Osten ähnlich des einst Wilden Westens der USA. Wahrscheinlich war der Wirtschaftskritiker Primakow schon in der kommunistischen Sowjetunion seiner Zeit und selbst dem Reformer Gorbatschow weit voraus. Zu guter Letzt war er aber auch neben allem auch Leiter der Auslandsaufklärung des russischen Geheimdiensts. So nehmen schließlich die Themen Wirtschaftsreformen und Spionageabwehr einen großen und detaillierten Teil des vorliegenden Buches ein.
Wer stattdessen einen kämpferischen Politvisionär erwartet, der vielleicht 2005 doch noch gegen Putin in den Wahlkampf ziehen wird, die russisch-weißrussische Union forciert oder für eine bestimmte politische Gruppe Rußlands leidenschaftlich Partei ergreift, hofft in diesem Buch vergeblich. Dafür ist Primakows Weisheit eben doch zu diplomatisch.
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