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Neurotische Riesen
Die strategischen und geopolitischen Ähnlichkeiten der amerikanischen und römischen Geschichte bilden den Ausgangspunkt von Benders in fünf Kapiteln gegliederten Analayse.
Tatsächlich kann der Autor auf viele erstaunliche Parallelen verweisen, vor allem auf die Übersensiblität beider Mächte bei tatsächlichen oder eingebildeten Bedrohungen, die Bender sogar von "neurotischen Riesen" sprechen lässt. Allerdings sagt er auch klar, wo der Vergleich nicht mehr gelingt. So charakterisiert Bender die Römer als "Pragmatiker der Macht". Nie wäre es ihnen wie den Amerikanern in den Sinn gekommen, ihre Lebensform als Alleinseligmachende aller Welt aufzuzwingen. Auch war die Weltherrschaft der Römer eine andere als die der Vereinigten Staaten. Rom konnte seine Interessen überall unmittelbar durchsetzen, während Washington für seine Politik stets Bundesgenossen suchen muss.
In seinem letzten Kapitel befasst sich Bender mit der Frage nach der Zukunft Amerikas. Werden die Vereinigten Staaten ihrer antiken Vorläuferin auch darin folgen, dass sie ihre hegemoniale Stellung auf Kosten ihrer republikanischen Staatsform ausbauen? Es wird auch davon abhängen, ob 2008 der Machtwechsel zu den Demokraten tatsächlich gelingt. Denn nichts ist demokratischer als ein ständiger Wechsel der Regierungen. Bender hofft auch, dass sich Amerika schließlich zur Schutzmacht der westlichen Kultur entwickelt, so wie die Römer vor zwei Jahrtausenden als Erbe der griechischen Kultur aufgetreten sind.
Die Erörterung dieser Frage hätte vielleicht noch ausführlicher ausfallen können, gleichwohl liest man die gesamte Studie mit Gewinn, da hier gekonnt historisches Wissen mit aktuellen Fragestellungen verknüpft wurde.
Ein bisschen zu beliebig
Es scheint mir zur Zeit sehr in Mode zu sein nach Parallelen zwischen ROM und USA zu suchen. Tatsächlich gibt es derer auch eine Menge. An den ersten Stellen: die Demokratie, der Inselstatus und die internationale Machtentfaltung. Auch die Symbolik und Architektur der Römer wurde bewusst in die USA importiert. Ohne Zweifel, ich fand es sehr interessant, die oft gehörte und für sich allein recht esoterisch anmutende Behauptung, die USA seien die Fortsetzung des Römischen Imperiums, endlich mal aus mehreren Perspektiven beleuchtet zu finden. Doch, kurz gefasst, das Buch konnte mich _nicht_ überzeugen, dass gerade die USA diese Parallelen aufweisen und nicht doch eigentlich jedes andere Welt-"Imperium" auch.
Bei der Lektüre kam ich mir an manchen Stellen recht überfordert vor, wenn es um den historischen Kontext geht. Vorbereitung hätte hier vielleicht die eine oder andere Frustration ("Und wer ist das nun wieder?") vermieden. Aus meiner Sicht ist das Buch nur für diejenigen zu empfehlen, die ein paar Argumente zur Unterstützung der o.g. These brauchen.
Ganz hervorragend!
"Weltmacht Amerika - Das neue Rom" - dieser Titel kann leicht mißverstanden werden. Peter Benders Buch ist weder eine Kritik an den USA noch eine Lobpreisung. Statt dessen vergleicht er den Aufstieg der USA zur letzten verbleibenden Supermacht mit dem Roms zum Alleinherrscher der damals bekannten Welt. Das Buch ist also schlicht und einfach "ein Geschichtsbuch", genauer gesagt ein Buch über die Geschichte Roms und die der USA.
Der Aufbau ist äußerst geschickt. Bender stellt stets kurze Etappen der Historie beider Staaten dar, etwa die Eroberung Italiens durch Rom, die er im Folgekapitel mit der Nordamerikas durch die USA vergleicht. Dadurch ist das Buch zum einen sehr abwechslungsreich. Zum zweiten liefert es alleine durch diese Gegenüberstellung neue Ideen (so stellt Bender den drei Punischen Kriegen die beiden Weltkriege und den kalten Krieg gegenüber, beschreibt deren Folgen und arbeitet heraus, welche Position Rom bzw. die USA am Ende der jeweiligen Auseinandersetzungen eingenommen haben).
Die Darstellung ist durchgehend gelungen. Man merkt an jeder Stelle, dass Bender ein intimer Kenner sowohl der römischen als auch der amerikanischen Geschichte ist. Dieses Wissen wird dem Leser hervorragend vermittelt, ohne allzu große Detailkenntnisse vorauszusetzen.
Bender erspart sich nahezu jede politische oder moralische Bewertung. Er überläßt es weitgehend dem Leser, sich selbst ein Bild zu machen.
Der große Wert des Buchs besteht für mich persönlich darin, dass ich micht in meiner Freizeit sowohl mit der römischen als auch mit der amerikanischen Geschichte befasse. Wenn ich in Zukunft bestimmte Zeitabschnitte nachlesen will, werde ich dazu sicherlich auch den "Bender" zur Hand nehmen.
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