Customer Review:
Nicht gut und erst recht nicht lehrreich.
Ich muss gestehen, dass ich das Buch von Tuchmann noch nicht vollständig gelesen habe, das gesamte letzte Kapitel fehlt mir noch.
Aber von allen anderen Kapiteln war ich ziemlich enttäuscht.
Tuchmann versucht, eine Geschichte der "Torheit" der politischen Klasse in der Geschichte des Menschen anhand von (nur) vier Schlaglichtern zu erzählen, von Troja über die Renessaince-Päpste und dem England des späten 18. Jh bis hin zum Vietnam-Krieg; allein schon diese Anlage erscheint enttäuschend, denn man kann kein Universalkonzept aus so einem kleinen Zeitraum glaubhaft ableiten.
B. Tuchmann scheint sich auf eine Idee fixiert zu haben, sie entwickelt eine Art "abstraktes Konzept der Torheit" und versucht in der Einleitung dieser Formulierung etwas Leben einzuhauchen - mit eher mäßigem Erfolg. Es ziehen sich Sätze wie "An dieser Stelle wird wieder die Torheit deutlich...." wie ein roter Faden durch das Buch; solange, bis man das Gefühl hat, eine vorgefertigte Schablone wird den historischen Tatsachen aufgestülpt und dann - "Was nicht passt, wird passend gemacht....."
Jedem halbwegs interessierten Laien fallen die augenscheinliche Banalisierung und Ungenauigkeit, mit der Tuchmann schreibt, sofort negativ auf; man muss kein Historiker sein, um an irgendeinem Punkt einerseits von der Einseitigkeit der Schilderung (die immer wieder von verlegeneitsmäßigen, mehr der Pflicht letzter, verbliebener akademischer Ehre entspringenden "Aber"-Sätzen durchbrochen werden) und andererseits vom unübersichtlichen Schreibstil irritiert zu sein.
Bei allen Formulierungen scheint jedoch stets die gebildete Professorin durch die Worte; jedenfalls in dem Punkt, dass man stets das Gefühl hat, Tuchmann stehe längst über allen Verschwörungstheorien - oder betrachte sich zumindest als entrückte "Weltversteherin".
Zwei Sterne erhält das Buch aber trotz all dieser Mängel aus folgenden Gründen:
Erstens kann man dem Gedanken, dass politisch Mächtige aus unerfindlichen Gründen eine Tendenz zur Handlung wider eigenes besseres Wissen und wider eigene Interessen zu haben scheinen, eine gewisse Berechtigung nicht absprechen; er ist zwar weder sonderlich neu oder originell, noch gilt die Banalisierung, die in diesem Buch tatsächlich vorgenommen wird, in diesem großen Ausmaß, aber das ist nicht die Schuld des Gedanken.
Zweitens wusste das zweite Kapitel, das die Renessaince-Päpste behandelt, in einigen Passagen durchaus zu gefallen (auf eine unterhaltsame, weniger auf eine informative Art); der Schwall an Anekdoten und "Histörchen" ist amüsant, wenn auch wenig geeignet, tatsächlich etwas über die Historie der betreffenden Zeit zu erfahren.
Insgesamt ist dieses Buch aus den genannten Gründen nicht empfehlenswert; eventuelle Erwartungen (die durch Titel und Klappentext geweckt werden) dürften sich in den meisten Fällen schnell zerschlagen.
Nicht Tuchmans bestes Werk
Barbara Tuchman geht in diesem Werk den ungewöhnlichen Weg, historische Episoden zu untersuchen, die eine bestimmte Eigenschaft gemeinsam haben: Sie sind durch besonders ausgeprägte Dummheit der Herrschenden gekennzeichnet. Besonders detailliert wird dabei auf die Päpste der Rennaissance, den Verlust des amerikanischen Kolonien durch England sowie den Vietnamkrieg eingegangen. Was Tuchmann in all diesen Epochen entdeckt hat sind vollkommen irrationale Handlungsweisen der Herrschenden, die den eigenen Interessen zuwidergelaufen sind.
Das Buch ist streckenweise sehr interessant und enthält für den Hobbyhistoriker aufschlussreiche Erkenntnisse über die oben beschriebenen Epochen. Der Ansatz, das Werk auf Epochen historischer Dummheit zu fokussieren ist eine lustige Idee, Geschichte einmal etwas anders anzugehen. Es gibt zwar einen roten Faden. Dieser ist jedoch sehr schwach. Einige Kapitel stechen hervor, wie das Kapitel über den Vietnamkrieg, das einen guten Überblick über diese Epoche gibt. Andere hätte sich die Autorin lieber erspart, wie die Episode über Troja. Die historische Suppe ist da einfach zu dünn. Das Buch kommt daher leider nicht ganz an das beste Werk der Autorin „August 1914 -The guns of August" (das ich überaus empfehlen kann) heran, ist aber dennoch eine nette Lektüre.
Fazit: Wer sich für den Vietnamkrieg und die amerikanische Sezessionsbewegung überblicksmäßig interessiert findet hier die Analyse einer erstklassigen Autorin. Moderat!
Geschichtsunterricht einmal anders.
An vier repräsentativen Fällen untersucht die Autorin Barbara Tuchmann, das in der Geschichte immer wieder vorkommende Phänomen, dass Regierende eine Politik betreiben, die ihren Interessen zuwiderläuft. Die Beispiele sind gut gewählt, beginnend mit Troja, über die Renaissancepäpste, Englands Verlust von Amerika und Amerikas Vietnamkrieg.
Wer diese vier Ereignisse zunächst im Inhaltsverzeichnis liest wird schwerlich glauben, wie viele Gemeinsamkeiten im verhängnisvollen Handlungsablauf vorzufinden sind, ohne das aus der Geschichte Lehren gezogen wurden. Allen Niederlagen sind nicht auf eine Handlung oder Entscheidung zurückzuführen, sondern hatten eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Das Endresultat war immer bereits am Anfang den Entscheidungsträgern bekannt. In jedem Fall gab es zahlreiche Möglichkeiten vorher auszusteigen und die drohende Gefahr abzuwenden oder zumindest abzuschwächen. In dem Fehlen jeder Skrupel gegenüber Rechtsbrüchen, wiederholte Nixons Regierung die Haltung der Renaissancepäpste. Kassandras Warnungen, Luthers Thesen, die Steuerdebatten in Englands Oberhaus noch die Warnungen von Johnsons Generälen konnten die Selbsthypnose der Regierenden aufheben. Wie Fremdgesteuert folgten sie weiter dem Weg ihres eigenen Untergangs.
Neben den vier sehr ausführlich beschriebenen Fällen zählt die Autorin noch eine Menge weiterer gleichgelagerter Fällen auf und versucht eine Formel zu finden, die solches Verhalten zu verhindern vermag. Doch weder Bildung noch Wohlstand scheinen dazu in der Lage zu sein. Es scheint, die Macht selbst verändert den Regierenden und verleitet ihn zu jenen Fehlern.
Gute Recherche, feines Gespür für wichtige Details und eine spannende Darstellungstechnik lassen das Buch zu einer angenehm lehrreichen Gesichtsstunde werden. Neben einem Inhaltsverzeichnis, einer fünfzig Seiten starken Bibliographie und Anmerkungen rundet ein Register das Buch ab. Nach zwei Golfkriegen gewinnt das Buch erneut an Aktualität und sollte vielleicht auch mal von Regierenden gelesen werden.
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