Customer Review:
Eher konservativ, aber interessant
Journalist von Rimscha (der inzwischen seine berufliche Heimat bei der FDP gefunden hat), erzählt auf ruhige Art von der Karriere der Bush-Familie. Inhaltlich vertritt er einen eher konservativen Standpunkt, und vieles hat man eventuell auch schon in James H. Hatfields Bush-Biographie gelesen, doch von Rimscha erzählt hier nicht zuletzt auch ein interessantes Stück Geschichte der amerikanischen Aristokratie.
Mut zur Fairness
Zur Beruhigung: Ja, auch dieses Buch ist ein Anti-Bush-Buch. Und doch ist es anders, als die in Deutschland so beliebte Bush-ist-Böse-Literatur. Rimscha, in den 90er Jahren US- Korrespondent des Berliner Tagesspiegel, beherzigt eine in Deutschland längst vergessen journalistische Grundregel: Er polemisiert nicht, sondern berichtet. Er bemüht sich um Objektivität und lässt die Gegenseite zu Wort kommen.
Das Ergebnis mag viele in Deutschland überraschen: Rimschas Bush ist nicht das vertrottelte, durch fiese Wahlmanipulationen an die Macht gelangte Monster, dass zum Wohle geldgieriger Öl-Bosse die Welt in Kriege stürzt. Rimscha nimmt Bush sogar ausdrücklich in Schutz, in dem er in Deutschland weit verbreitete Vorurteile als falsch entlarvt (zum Beispiel die vermeintliche Wahlfälschung und die Legende, Bush sei die „Marionette" irgendwelcher Interessensgruppen).
Damit kein Missverständnis aufkommt: Rimscha ist kein Bush-Sympathisant. Ab dem ersten Kapitel wird deutlich, dass der Autor am liebsten wieder Clinton im Weißen Haus sähe. Rimscha beschreibt Bush als Sohn einer amerikanischen Aristokraten-Familie, der dank der Verbindungen seines Vaters Karriere macht. Der wie Ronald Reagan die Welt in schwarz und weiß sieht, nicht aber über das rhetorische Geschick seines politischen Idols verfügt. Der wegen seines spröden Auftretens im alten Europa niemals den Kredit erhalten hat, den ein Bill Clinton bis heute genießt.(Wussten Sie, dass auch Clinton das Kyoto-Protokoll abgelehnt hat?)
Man muss George Bush nicht mögen: Man sollte sich aber die Mühe machen, seine Person und seine Politikvorurteilsfrei zu betrachten. Wer sich über Bush informieren will, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Wer plumpe Vorurteile bestätigt wissen will, ist bei Michael Moore besser aufgehoben.
Zu wenig gehaltvoll
Ich habe mir dieses Buch besorgt und gelesen. Mein Eindruck ist zwiespältig. Es ist einerseits flott geschrieben, enthält meines Erachtens aber zu wenig Informationen über den Präsidenten und seine - in anderen Publikationen ausgebreiteten - Beziehungen zu Bin Laden, der texanischen Ölindustrie. Diese Informationen werden zwar angesprochen, insbesondere im Kapitel "Öl, Banken und Lobbies" sowie: "Familienbande". Leider werden keinerlei Quellen benannt. Hatfields Buch über das "Bush-Imperium" erscheint mir wesentlich informativer. Die FAZ-Sonntagszeitung vom 28. März 2004 hat - meine Erachtens völlig zu recht das - leider bislang noch nicht ins Deutsche übersetzte, aber härteste und beste Buch über die Bush-Dynastie von Kevin Phillips, "American Dynasty: Aristocracy, Fortune and the Polititis of Deceit in the house of Bush", sehr gelobt. Zusammen mit dem Buch von Richard Clarke "Agianst All Enemies" wird dieses Buch - beide Verfasser sind Republikaner! - als die härteste und beste "Abrechnung" mit Bush bezeichnet. Nils Minkmar urteilte in der FAZ-Sonntagszeitung vom 28.04.2004 völlig zu recht: Philipps Buch sei sicherlich "die radikalste, faktenreichste Abrechnung mit dem System Bush". Seine (provozierende) These, die Bushs seien dabei, in einem auf Geheimhaltung und Desinformation basierenden Politikstil das republikanische System der USA durch ein dynastisches Prinzip zu unterminieren, kommt bei Robert von Rimscha nicht so deutlich heraus. Zweck des Buches von Rimscha ist es, "Verständnis für die Zusammenhänge" zu wecken, die "sich Deutschen auf den ersten Blick vielleicht nicht erschließen." Das Urteil über Bush fällt mir dabei zu verständnisvoll aus; die durchaus gefährliche Seite seiner Politik kommt mir zu kurz. Exemplarisch dafür steht die Behandlung des umstrittenen Wahlausganges 2000. Die Legitimität des Wahlausganges wird zwar geschildert, letztlich aber nicht in Zweifel gezogen. Das Fazit des Autors auf S. 125: "Versuche, aus dem Chaos den Vorwurf einer republikanischen Verschwörung zu zaubern, bei der die beiden Bush-Brüder die grauen Eminenzen im Hintergrund waren, fielen rasch in sich zusammen. Gore gestand seine Niederlage ein, Bush war gewählter Präsident der USA. Sein Land glaubte allerdings, er werde sein Amt schwer beschädigt antreten. Und George W. Bushs Gegner überall auf der Welt glaubten nun zu wissen, ass er nicht nur ein rabiater und erzkonservativer Todesstrafenanhänger war, sondern uch noch en illegitimer Präsident." Ja, da frage ich mich: Wieso fielen die Vorwürfe, die beiden Bush-Brüder hätten das Ergebnis in Florida zu ihren Gunsten manipuliert, so schnell in sich zusammen? Nur weil der (Bush-freundliche) konservative Oberste US-Gerichtshof manuelle Nachzählungen mit 5:4 ablehnte?
Dies ist ein Beispiel für eine sehr sehr freundliche Betrachtung über den gegenwärtigen 43. US-Präsidenten, die in anderen Büchern (Phillips und Hatfield) so nicht geteilt wird. Beide Bücher bringen die Gefährdung der amerikanischen Demokratie durch ein derartiges Politikverständnis wesentlich drastischer und - meines Erachtens - zutreffender auf den Punkt und sind daher dem vorliegenden Buch eindeutig vorzuziehen. Hoffentlich wird das bahnbrechende Buch von Phillips bald ins Deutsche übersetzt, damit der Leser auch auf Deutsch alle drei Titel direkt miteinander vergleichen kann.
Das vorliegende Buch - sicherlich flott geschrieben - ist enttäuschend und bietet - im Vergleich zu beiden anderen Titeln - eindeutig zu wenig.
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