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Epire, die neue Weltordnung - Auf dem Weg zu einem neuen Kommunistischen Manifest?
Das Buch beschäftigt sich mit den Auswirkungen der monopolaren Welt, die sich nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Verfall der Sowjetunion als einer weltmachtpolitischen Grundsäule im neuen Jahrhundert ergeben werden, nachdem nur die eine weltmachtpolitische Kraft, die USA, als Einziges gemäß ihrer machtpolitischen Bedeutung geblieben ist. Die Autoren beleuchten diese Frage auf dem Hintergrund der Tatsache, daß zusätzlich zu dieser machtpolitischen Frage auch die Erwerbs- und Industriegesellschaft nach altem Schlag des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu Ende geht und uns ein neuer entfesselter Kapitalismus in globalisiertem Maßstab bevor stehen könnte: eine neue Weltökonomie im Rahmen globalisierter Gesellschaften, die eine ganz neue Form der Herausforderung im 21. Jahrhundert erbringen wird. Das Buch, das eine pessimistische Hypothese für diese Nachzeit zu sein scheint, gibt, ohne die philosophischen Wurzeln des sog. Abendlandes mit Aufklärung und Humanismus aus dem Auge zu verlieren, Risiken und Möglichkeiten einer neuen, fortschrittlichen Gesellschaft an wenn auch die Indizien, soweit sie heute verfügbar sind, noch kein klares Bild zu geben erlauben. Hardt und Negri verfolgen, gemäß einigen Lesern ihres Buches, ein neues Kommunistisches Manifest; mir allerdings scheint wichtiger, dieses viele Phänomene des letzten Jahrhunderts zusammenfassende Werk zu verstehen als das, was es ist: Der Versuch einer Generalsicht dessen, was war, und dessen, was sein könnte. Insofern ein Buch, das zu Debatten und kontroversen Überlegungen herausfordert, in produktivem und provokativem Sinne. Für mich deshalb ein produktives, ein sehr lesenswertes Buch.
Die Rückgewinnung des Politischen
Seit Spinoza ist in der abendländischen Philosophie nicht mehr ein derart beeindruckender Versuch unternommen worden, die Welt als Ort der vollkommenen Immanenz zu denken, wie in Hardt/Negris "Empire". In Zeiten einer praktisch wie theoretisch schwer zu fassenden "Globalisierung" war dieser erneute Versuch überfällig - und er ist derart überzeugend und aufwühlend geraten, einen Nerv der Zeit präzise treffend, dass man in der Tat von einem epochalen Werk sprechen muss. Jenseits altlinker Scholastik, Dogmen und Träumereien wird hier der König - globaler Kapitalismus und permanenter Weltbürgerkrieg - bis auf die nackte Haut entkleidet - darunter zum Vorschein kommt der Mensch als Möglichkeitsform. Ein großes humanistisches Werk, ein Werk der Liebe und der Rückgewinnung des Politischen. Vergleiche mit Autorenpaaren wie Marx/Engels, Horkheimer/Adorno oder Negt/Kluge liegen nahe, doch ist "Empire" weit mehr - es versammelt die vielfältigen Stimmen der Multitude zu einem gemeinsam Chor: Denken und Handeln haben wieder einen Horizont und die tote und tötende Politik der Gegenwart zeigt im Spiegel dieses Werkes ihre eigentliche Fratze und wir glauben nicht, sondern wir w i s s e n jetzt, dass Demokratie, Frieden und Humanität jenseits der gegenwärtigen Ordnung entstehen. Wir müssen es nur denken und tun.
Inhaltslos und pseudointellektuell!
Das Buch ist in vielerlei Hinsicht sehr problematisch.
Die Autoren definieren anscheinend immer wieder alte traditionelle Begriffe entsprechend um, damit sie ihn über eine neue Bedeutung stülpen können. Dummerweise wird aber in den wenigsten Fällen klar, wie sie diese Begriffe nun verstehen, da sie das nie erklären. Man kann keinen Begriff neu belegen und einfach still schweigend voraussetzen, dass die ganze Welt das jetzt einfach so hinzunehmen hat, aber genau das tun die Autoren...und zwar auf jeder einzelnen Seite!
Ich habe mich an vielen Stellen sehr darüber geärgert und finde, dass die Autoren mit (ggf. erläuterten) Neologismen besser dran gewesen wären. So schaffen sie einfach nur Verwirrung und unnötige Verständnisschwierigkeiten.
Am schlimmsten finde ich aber diese Inhaltslosigkeit! Der Leser wird über mehrere Seiten mit Schlagwörtern und leeren Phrasen beinahe totgeschlagen! So ein Prinzip führt dazu, dass sich jeder das darunter vorstellen kann, was er gerne darunter verstehen möchte und genau so eine Taktik kennen wir ja noch...und zwar aus dem Nationalsozialismus!
Als nächstes wäre da noch die Arroganz, mit der die Autoren die Gesellschaft betrachten. Die Gesellschaft kritisch zu sehen ist sicher notwendig, aber anscheinend gehen die Autoren ernsthaft davon aus, dass es kein einziges denkendes Individuum mehr gibt. Die Gesellschaft und das "Empire" richten sich also selbst wechselseitig zu Grunde und das merkt natürlich kein Mensch...außer den Autoren, klar!
Der größte Scherz ist, dieses Buch als die Fortsetzung von Karl Marx’ Werk zu sehen! Mit seinen Ideen, hat das Buch überhaupt nichts mehr zu tun und erst recht nicht mit seinen Zielen! Die Autoren geben im Vorwort zwar an, dass sie für alle schreiben wollen und den Menschen die Augen öffnen möchten, aber wenn das tatsächlich die Intention gewesen sein soll, dann sind Negri und Hardt einfach mal mit wehenden Fahnen daran vorbei geschossen…das Buch ist nicht einfach geschrieben, es werden ständig alle möglichen Philosophen zitiert und das auch noch in einem völlig falschen Kontext und es kommen viel zu häufig Fachwörter aus der Soziologie, den Wirtschafts- und den Sozialwissenschaften vor, mit denen ein Laie spontan sicher nichts anfangen kann.
Am Ende bleibt einfach vieles unklar und zwar entweder, weil die Autoren die Begriffe neu belegt und diese dann nicht mehr hinsichtlich des neuen Kontexts definiert haben, oder weil sie einige Dinge einfach mal falsch auslegen, oder weil sie Fachsprachen verwenden, die man nur mit dem entsprechenden Fachwissen versteht, oder weil sie einfach mal gar nichts erklären und dem Leser einfach ein paar leere Phrasen und Worthülsen servieren, unter denen er sich dann vorstellen kann, was er möchte, oder weil…………[die Liste ließe sich an dieser Stelle endlos fortsetzen.]
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