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Absolut gelungene Fortsetzung
Kissinger hat es wieder einmal geschafft, die Geschehnisse seiner Zeit erhellend darzulegen. Das Buch ist eine der ausführlichsten Beschreibungen zur amerikanischen Außenpolitik von 1974-1976. Insiderwissen als geballte Ladung. Dennoch schafft es Kissinger, den Leser zu fesseln und auch die persönlichen Seiten seines Jobs mit einzubringen. Gerade dies macht das Buch so interessant für jeden an internationaler Politik interessierten.
Weltpolitik in der Mitte der 1970er Jahre unter der Lupe
Eigentlich wollte Kisinger den dritten Band seiner Memoiren ja gar nicht mehr schreiben. Viel zu sehr drängte es ihn während der 1980er und 1990er Jahre, zu aktuellen Problemen Stellung zu nehmen. Zum Glück hat er es sich noch anders überlegt. Denn ansonsten kämen wir nicht in den Genuss dieser detailierten und wie gewohnt brillant formulierten Darstellung der Weltpolitk in der Mitte der 1970er Jahre. Zwischen dem Ende der Watergate-Affäre im August 1974, mit der der zweite Band endet und der Amtsübernahme Carters im Januar 1977 ist auch wahrlich genug passiert, das den dritten Band rechtfertigt. Und so erfährt man haarkleinund präzise Kissingers Sicht und Entscheidungsprozesse zu den brennenden Fragen dieser Jahre, die von der Zeitgeschichtsschreibung bislang doch etwas stiefmütterlich behandelt werden: der Niedergang der von Kissinger und Nixon eingeleiteten Entspannungspolitik angesichts der amerikanischen Schwäche nach dem Vietnam-Desaster; die Eroberung Südvietnams durch die Kommunisten, der Kissinger und Ford ziemlich machtlos zusehen mussten; Kissingers emsige Shuttle-Diplomatie in Nahost mit dem Höhepunkt des Sinai II-Abkommens 1975; die schwierigen Bündnis-Beziehungen mit Europa (interessant sein besonderes Verhältnis zu Helmut Schmidt); und - sehr lobenswert - ein eigenes Kapitel über die Probleme des südlichen Afrika in dieser Zeit. Was bei Kissinger nicht fehlen kann - streitwürdige Urteile, ein gewisses Maß an Selbstlob und allzu große Detailverliebtheit - findet der Leser auch hier. Aber man wird von der Brillanz der Gedankenführung und der Tiefe des historisch geprägten Verständnisses der Weltpolitik wie immer entschädigt. Nur eines: Warum heisst dieser Band bloß "Jahre der Erneuerung"? Eher - und dafür gibt Kissingers Darstellung viele Gründe - waren es wohl ernüchternde Jahre der Schadensbegrenzung. Zu dieser hat Kisinger allerdings einiges beizutragen gehabt, daran besteht bei aller nötigen Skepsis nach der Lektüre dieses großartigen dritten Bandes seiner Memoiren kein Zweifel.
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