Keiner war dabei. Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht

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Authors: Slavenka Drakulic
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: April 2004
Publisher: Zsolnay
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Customer Review:
Mutig und beeindruckend
Slavenka Drakulic beschäftigt sich mit der Frage, die uns Europäer spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg quält: wie macht der Krieg aus ganz normalen Menschen brutale Mörder, Folterknechte und Vergewaltiger? Obwohl es ihr offensichtlich schwer fällt, beschäftigt sie sich intensiv mit den Tätern - vom kleinen Mitläufer bis hin zu den Männern (und Frauen) die die politische und militärische Verantwortung für die Massaker im ehemaligen Jugoslawien tragen.

Dabei ist das Kriegsverbrechentribunal in Den Haag nur der Ausgangspunkt der Beobachtungen der Autorin, es handelt sich hier keinesfalls um eine Gerichtsreportage. Drakulic zeichnet Porträts der Kriegsverbrecher, die tief unter die Haut gehen. Der Autorin ist der Spagat durchaus gelungen, sich einerseits in die Lage der Täter hineinzuversetzen, anderseits die nötige Distanz zu ihnen zu wahren und niemals vergessen zu lassen, was sie getan haben.

Das Buch hat dennoch seine Schwächen. Drakulic ist Literatin, und als solche betreibt sie keinen investigativen Journalismus. Vielleicht ist das der Grund, warum mancher psychologischer Erklärungsversuch einfach zu spekulativ ausfällt. Stilistisch hat mich auch manches irritiert, vor allem viele Wiederholungen (z.B.: "25. Mai, Titos Geburtstag, Tag der Jugend"). Man merkt auch, dass die Autorin beim Schreiben in erster Linie an ein westeuropäisches Publikum gedacht hat, das nicht mit historischen Details überstrapaziert werden sollte.

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, das tiefe Einblicke in das Seelenleben der Menschen im ehemaligen Jugoslawien liefert, manche sehr spannende Frage aufwirft und verblüffende Gedanken formuliert - vor allem aber Geschichten erzählt, die einen so schnell nicht loslassen werden.
durchaus lesenswert
Jeder von uns hat seine Vorurteile und seine Meinung zum Krieg im ehemaligen Jugoslawien und mir kommt es vor, keiner wird mit diesem Buch zu 100% übereinstimmen können. Krieg ist eine schmutzige Sache und es wäre irreal zu behaupten es hätte nie ein Kroate einen serben getötet und Slavenka Drakulic zeigt, wie zB ein jeder Kroate gespalten ist...hätte er ihn töten sollen, kriegsverbrecher werden, oder seine Familie und sein Land beschützen? Allerdings verneint sie nie wer Agressor und wer der Angegriffene in diesem Krieg war. Sie zeigt auch die erschreckende "menschliche Seite" der "Monster" die in Haag im Gefängnis sitzen. Es ist zeitweise erschreckend, was für ein gutes Leben ein Slobodan Milosevic eigentlich führt. Während dieses Buch geschrieben wurde saß der kroatische General Tihomir Blaskic auch noch im Gefängnis und war zu 45 Jahren wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Dann jedoch, wurde das Urteil wegen "Irrtums" zurückgezogen und er wurde nach 7-8 Haft Jahren freigelassen. In seiner Heimeit wurde er gefeiert. Es wundert mich nicht dass man nach diesem Fall diesem "unabhängigen Kriegstribunal" misstraut. Vorallem wenn man weiß was für ein schutziges Spiel Europa in diesem Krieg gespielt hat. Dieses Beispiel zeigt, dass nicht alles schwarz und weiß ist und man viel zu leichtfertig über Dinge urteilt von denen man viel zu wenig weiß. Für mich eine leicht erschreckende Erkenntnis....
Ein Buch, dass man gelesen haben sollte, aber meiner Meinung nach nicht ohne gewisses Vorwissen. Es soll nicht belehren sondern zum Denken anregen.
zu unklar
so interressant das buch auch scheint und die rezensionen dazu sind fehlt mir in dem buch doch wesentliches. eine nicht-außen-stehende berichtet also über die den haag prozesse und beleuchtet die (möglichen) hintergründe einiger angeklagten zu ihren untaten. aber eines ist stets das resumee: es ist halt so und es gibt keinen grund dafür. keine trauer, keine wut, keine persönlich geprägte aussagen. das klingt mir einfach zu oft nach resignation gegenüber etwas schwer begreiflichen.
werden die großen machthabe noch als opfer ihrer familenprägung oder ihres machtstrebens dargestellt, so werden die "kleinen" fische als ganz normale menschen beschrieben, die halt einen aussetzer hatten und sowieso nie verstehen werden was sie da getan haben. das ist - finde ich - nun doch zu einfach, oder einfach zu weiblich vergebend.

im moment wo ich dies schreibe herrschen in paris chaos wegen der randalierenden jungen leute. es entlädt sich keinesfalls ein hass auf jemanden, sondern die pure lust an der ohnmacht der obrigkeit scheint hier triebfeder zu sein. zerstören, brandschatzen und sogar morden unter dem schutz eines "gegen jemanden sein". selbiges erlebten wir hinter unserem zaun auch im ehemaligen jugoslawien. jeder konnte sich in diesem macht-teilhaben erproben und viele nutzten dies. und es wird leider an jedem ort der welt nicht anders sein. in diesem buch wäre die chance gegeben gewesen diesen wahnsinn in einer nachbetrachtung zu erörtern.... ging leider knapp daran vorbei.

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  1. Der atlantische Graben. Amerika und Europa auf getrennten Wegen
  2. Jahre der Erneuerung. Erinnerungen.
  3. Stern Millennium Buch 2000 (1000 bis 1999)
  4. Kanzler. Die Mächtigen der Republik.
  5. Deckname Artischocke. Die geheimen Menschenversuche der CIA
  6. Der Niedergang der CIA. Der Enthüllungsbericht eines CIA-Agenten
  7. Klartext. Für Deutschland
  8. Scheitert der Westen? Deutschland und die neue Weltordnung
  9. Damals in der DDR. Der Alltag im Arbeiter- und Bauernstaat
  10. Für ein neues Wirtschaftswunder. 20 Thesen

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