Das verleugnete Imperium. Chancen und Risiken amerikanischer Macht

Das verleugnete Imperium. Chancen und Risiken amerikanischer Macht similar items

Das verleugnete Imperium. Chancen und Risiken amerikanischer Macht


Authors: Niall Ferguson
Catalog: Book
Media: Gebundene Ausgabe
Release Date: April 2004
Publisher: Propyläen
Ähnliche Artikel finden:
Kategorien - Politik & Geschichte - Politik nach Ländern - USA

Customer Review:
imperialism is good for you...
...so ähnlich könnte ein stolzer Brite - und Niall Ferguson kann man, trotz des Hinweises er sei schließlich Schotte, als solchen bezeichnen - seine Auffassung über das untergegangene British Empire in einem Satz zusammenfassen. Und so zieht Ferguson im Verlauf seines Buches das Empire und die diesem "Imperium" zugrundeliegende Geisteshaltung als Vergleichsmaßstab für die Supermacht und im gewissen Sinne z.Z. einzigen "imperialen" Macht USA heran.
Fergusons Grundhaltung für dieses Buch würde ich wie folgt charakterisieren: Imperiale Politik im Sinne von dauerhafter politischer Einflussnahme in Ländern mit instabilen politischen wie wirtschaftlichen Verhältnissen ist, zunächst für das betreffende Land, als auch später für die imperiale Macht, von dauerhaften Vorteil. Somit stellt sich für Ferguson nicht die Frage ob es eine imperiale Macht geben sollte, sondern vielmehr wie sie zu agieren hat.
Seine Analyse der wirtschaftlichen und militärischen Macht, aber auch der geistig-moralischen Haltung der Amerikaner im Vergleich zum britischen Empire, aber auch im Rückblick auf das Römische Reich mit dem die USA gerne verglichen werden, ist bestechend und überaus lesenswert. Vor allem der Rückgriff auf die historische Entwicklung der USA und den dazu passenden Ereignissen aus der Vergangenheit untergegangener Imperien untermauern Fergusons Postulat sowohl über die positve Wirkung imperialer Macht, als auch über die Macht und Ohnmacht Amerikas als Imperium. Dabei bezieht er sich bewusst auf die jüngsten Ereignisse wie die Kriege im Kosovo, in Afganistan und dem Irak um die Möglichleiten aber auch die Kosten eines sichtbaren (das die USA ein Imperium sind steht außer Frage) amerikanischen Imperiums deutlich zu machen.
Insgesamt ist dieses Buch ein interessanter Denkanstoß, um sich ein eigenes Bild über die Politik der USA jenseits der Moore'schen Polemik und des "alten Europa"-Populismus zu verschaffen. Das dieses Buch allerdings "nur" 4 Sterne bekommt liegt an der meiner Meinung nach zu stark hervordringenden angelophilen Geisteshaltung Fergusons. Mir fehlt eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Scheitern des britschen Empires, das schließlich sehr oft als positives Beispiel eines Imperiums herhalten muss. Dies sollte der Leser bedenken ohne jedoch voreingenommen an dieses wirlich lesenswerte Buch heranzugehen.
Dieses Buch ist wirlich lesenswert
Der Verfasser dieses Buches ist Schotte und steht deshalb deutschem Wissenschaftsverständnis näher als ein Engländer.Wie die "klassischen" Wissenschaftler des europäischen Kontinents erklärt er ganz am Anfang seines Buches, das immerhin 380 Seiten reinen Text-also ohne "Apparat"-füllt, wohin "die Reise geht". Denn bereits auf Seite 43 sagt er-ich kann dem wirklich nichts hinzufügen, weil ich diese Aussage für richtig halte-:
"Ich befürchte in der Tat,daß die globale Macht der Vereinigten Staaten heute,so beeindruckend sie ist,auf viel schwächeren Grundlagen fußt,als allgemein angenommen wird.Die USA haben ein Imperium erworben,aber den Amerikanern fehlt die imperiale Geisteshaltung.Sie konsumieren lieber,als zu erobern, und bauen lieber Einkaufszentren als Nationen.Sie erhoffen für sich und andere ein langes Leben und fürchten einen frühen Tod auf dem Schlachtfeld.
...Wer die amerikanische Vorherrschaft durch eine "Dominanz auf ganzer Linie" erreichen und aufrechterhalten will,setzt,kurz gesagt,die falschen Akzente.Denn die Bedrohung für das amerikanische Imperium kommt nicht von aufstrebenden rivalisierenden Imperien in Ost und West.Zu meinem Bedauern muß ich sagen, daß sie von dem VAKUUM IM INNERN kommt-von dem Fehlen des Willens zur MACHT" (Hervorhebungen von mir).-
Pax Americana?
In seinem neuesten Buch plädiert der britische Historiker Niall Ferguson, der zur Zeit in New York tätig ist, für ein zweites anglophones Imperium. Nur die Vereinigten Staaten könnten in der Nachfolge des britischen Reiches als eine globale Ordnungsmacht agieren, die sich für die Verbreitung und Durchsetzung von liberalen Werten einsetzt. Aufgrund der fehlenden Machtmittel ist kein anderer Staat und keine internationale Institution hierzu in der Lage. Ein amerikanisches Imperium sei auch völlig legitim, weil ansonsten die Welt in Anarchie und Chaos versinken würde.
Problematisch ist aus Fergusons Sicht alleine der Umstand, dass die Amerikaner nicht Willens sind, die Bürde einer zivilisierenden Ordnungsmacht auf sich zu nehmen. Sowohl die politische Elite als auch die Bevölkerung haben nicht den erforderlichen 'langen Atem', um sich in entfernten Regionen dauerhaft zu engagieren. Deshalb drohen rasch erzielte militärische Erfolge zu scheitern, da die USA sich zu schnell wieder zurückziehen, bevor eine wirkliche Stabilisierung erreicht werden kann.

Ob es tatsächlich im amerikanischen Interesse ist, als wohlwollender Hegemon aktiv zu sein, wovon Ferguson überzeugt ist, bleibt allerdings fraglich. Zum einen sind die entstehenden Kosten nicht unerheblich. Es droht auf längere Sicht eine imperiale Überdehnung, worauf bereits Paul Kennedy aufmerksam gemacht hat. Zum anderen reagieren andere Länder und Völker nicht unbedingt erfreut auf die amerikanische Vormacht, ungeachtet dessen, wie positiv deren Intensionen auch immer sein mögen. Eine Gegenmachtbildung ist immer möglich, was zuletzt der Krieg im Irak verdeutlicht hat.
Insgesamt sind die Überlegungen von Ferguson aber sehr lesenswert, weil sie sich grundlegend von der antiamerikanischen Stimmung in Deutschland und im 'alten Europa' wohltuend unterscheiden.

Books:

  1. Keiner war dabei. Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht
  2. Der atlantische Graben. Amerika und Europa auf getrennten Wegen
  3. Jahre der Erneuerung. Erinnerungen.
  4. Stern Millennium Buch 2000 (1000 bis 1999)
  5. Kanzler. Die Mächtigen der Republik.
  6. Deckname Artischocke. Die geheimen Menschenversuche der CIA
  7. Der Niedergang der CIA. Der Enthüllungsbericht eines CIA-Agenten
  8. Klartext. Für Deutschland
  9. Scheitert der Westen? Deutschland und die neue Weltordnung
  10. Damals in der DDR. Der Alltag im Arbeiter- und Bauernstaat

Books

germanbooks88.com