Customer Review:
Sehr gute Idee, aber leider schlechte und tendenziöse Ausführung
Die Grundidee des Buches ist sehr reizvoll: Wie prägt das amerikanische Rechtssystem die gesellschaftliche Realität? Diese Frage ist sicherlich eine Untersuchung wert.
Leider wird das Buch diesem Anspruch indes in keinster Weise gerecht. Statt einer profunden Analyse des Rechtssystems im engeren Sinne finden sich zum Teil zutreffende, zum Teil kaum zutreffende Schilderungen politischer Missstände, die dann in wenig überzeugender Weise einer behaupteten amerikanischen Fixierung auf die rule of law zugeschrieben werden. Pathologische Einzelfälle werden als Indiz struktureller Probleme herangezogen, die oft nahezu identische Sach- und Rechtslage in anderen Rechtsstaaten - wie zB Deutschland - weitgehend ignoriert oder in Nebensätzen abgetan. Dazu kommen noch widersprüchliche Argumentationslinien, wenn z.B. einerseits freiheitsbeschränkende Antidiskriminierungsgesetze beklagt, andererseits fehlende Unterstützung für Schwache bemängelt wird. Von wirklich unnötigen Sachfehlern (Yale findet sich zB nicht in Princeton, sondern in New Haven) ganz zu schweigen.
Schlimmer als die offenkundige Verfehlung des gesetzten Zieles wiegt aber der durchweg pauschalisierende antiamerikanische Zungenschlag des Verfassers. Statt einer geistreichen Analyse oder pointierten Kritik in der Sache präsentiert er eine politisch motivierte Generalabrechnung mit "den Amerikanern", die wenig Neues bietet und zudem phasenweise unredlich ist. Mit dem konstruierten Rahmen eines Kampfes zwischen amerikanischem und römisch-europäischem Recht hat sie ohnehin wenig bis nichts zu tun.
Spannendes Plädoyer für das europäische Recht
Der Autor hat klar Position bezogen und seine Argumente nicht immer wieder selbst verwässert. Trotzdem wirkt das Buch nicht blind einseitig. So zeigt Thomas Schuler wie die Verherrlichung des Rechts und der Gerichte in den USA letztlich zu weniger Bürgerrechten führt. Denn gute und teure Anwälte, um Juries und Richter zu beeindrucken, sind dort eben immer wichtiger wo man meint auf eine sorgfältige Gesetzgebung verzichten zu können, die auch die Schwachen und Armen schützt. Solche sogfältigen Analysen schärfen den Blick auf die innere Verfassung der weltweit agierenden Supermacht USA und mahnen Europa, es auch langfristig besser zu machen.
Interessant, aber zu oberflächlich
Das Buch von Thomas Schuler liest sich zu Beginn sehr gut. Nach einiger Zeit sind mir beim lesen aber einige Zweifel gekommen, ob man das, was der Autor schreibt, glauben sollte, ohne es zu hinterfragen. Das sollte man soundso machen, hier ist es aber auf jeden Fall nicht geboten, denn was auf jeden Fall fehlt ist, auch die andere Seiten zu beleuchten, wenn man die USA kritisiert. Möglicherweise gibt es da auch andere Ansichten, die vielleicht das Handeln der Amerikaner nicht nur negativ sehen. Das ist hier leider der Fall, weshalb es sich zwar lohnt, ein kurzweiliges Buch über das Thema Recht und Amerika zu lesen, aber nur, wenn man es nicht zu ernst und für die reine Wahrheit nimmt.
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