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Standardwerk
Bei "Schrumpfende Gesellschaft" handelt es sich um ein Standardwerk zum Nachwuchsmangel und seinen Folgen. Die Darstellung ist zwar sehr wissenschaftlich gehalten, aber anders als viele andere soziologische Publikationen der edition suhrkamp-Reihe bleibt Kaufmann stets bei einer verständlichen Sprache. Auch werden Grundbegriffe wie Humankapital und Humanvermögen, die für eine Diskussion der Problematik unerlässlich sind, sehr gründlich erläutert, so dass sich eine weitere wirtschaftswissenschaftliche Literatur dazu erübrigt. In der Ursachenbestimmung bleibt Kaufmann erfreulich unideologisch und realistisch.
Die zu erwartenden Folgen des Nachwuchsmangels werden sauber herausgearbeitet und die täglichen Nachrichten bestätigen ja die düsteren Prognosen auch bereits. Viele andere Autoren, die den sog. demographischen Wandel heute noch schönreden wollen, sei angeraten, doch erst einmal dieses sich wirklich lohnende Buch zu lesen.
Umfassendste und kompetenteste mir bekannte Darstellung der Problematik
Ich beschäftigte mich seit 10 Jahren mit der dargestellten Problematik und halte mich für einen Experten. Als solcher kenne ich kein anderes Werk, daß die Problematik so umfassend und kompetent darstellt. Insbesondere beschäftigt sich Kaufmann nicht nur mit den direkten Wirkungen des Nachwuchsmangels, sondern auch mit deren Auswirkung aufeinander und auf dritte Faktoren, durch welche sie sich wechselseitig verstärken.
Insgesamt macht Kaufmann deutlich, daß der Nachwuchsmangel das mit weitem Abstand größte innenpolitische Problem unseres Jahrhunderts sein wird. Dieses Buch nicht gelesen zu haben ist die schlimmste Bildungslücke, die man sich derzeit leisten kann.
Schrumpfendes Volk - wachsende Probleme
Der Soziologe Franz-Xaver Kaufmann rückt die demographische Katastrophe in seinem soeben erschienenen Buch „Schrumpfende Gesellschaft" in ein neues Licht.
Kaufmann vertritt die These, daß das Schrumpfen der Bevölkerung ein eigenständiges Problem darstellt - ein weitaus größeres als das Altern, das bislang im Vordergrund der öffentlichen Debatte steht.
Inwiefern könnten nun Geburtenschwund und Geburtenrückgang die Wohlfahrt negativ beeinflussen? Kaufmann holt weit aus und schildert das geringe Bevölkerungswachstum Frankreichs im 19. Jahrhundert als einen der Gründe dafür an, daß dieses Land im Laufe eines Jahrhunderts wirtschaftlich und auch gesellschaftlich hinter wachstumsstärkere Länder wie Deutschland zurückfiel. Diese Entwicklung sei in Frankreich erst durch eine bewußte Familienpolitik seit 1938 umgekehrt worden. Kaufmann schöpft dabei aus seinem Erfahrungsschatz als Gastwissenschaftler am französischen Institut National d'Études Démographiques (INED).
Dieser Richtung folgend geht er der Frage nach, welchen Wert die Bevölkerung eines Landes hat. Bezugnehmend auf Arbeiten anderer Wirtschaftwissenschaftler kommt er auf einen Betrag von 21000 Milliarden DM für die Bevölkerung der Bundesrepublik im Jahr 1991. Dies übertrifft deutlich den Wert des gesamten Anlagevermögens von 12600 Milliarden DM. Allerdings hat der Geburtenschwund im nationalen Humankapital tiefe Spuren hinterlassen. Durch das Fehlen von 9,6 Millionen Geburten, die zum Erhalten der Bevölkerung notwendig gewesen wären, sind 1972-2000 Investitionen von rund 4800 Milliarden DM in das Humankapital entfallen. Diese Investitionslücke wird in der Zukunft die Wirtschaft schädigen.
Kaufmann legt weiterhin verschiedene Gründe und mögliche Folgen des Bevölkerungsrückgangs detailliert dar.
Abschließend rechnet Kaufmann mit zwei aktuellen populären Büchern ab: Das Methusalem-Komplott von Frank Schirrmacher und Die Reformlüge des Alt-Sozialdemokraten Albrecht Müller. Beiden macht er zum Vorwurf, die demographische Problemlage nicht verstanden zu haben.
Es muß leider bezweifelt werden, daß Kaufmanns Wunsch in Erfüllung geht, sein Buch möge nicht nur die interdisziplinäre Wissenschaft, sondern auch die „politischen Verantwortungsträger" erreichen. Dahin sind 240 Seiten nicht immer leicht zu lesender soziologischer Abwägungen und 25 Seiten Fußnoten der falsche Weg.
Kaufmann ist emeritierter Professor für Sozialpolitik und Soziologie an der Universität Bielefeld. Es ist wohl kaum ein Zufall, daß der Versuch einer Soziologisierung der Demographie aus Bielefeld kommt. Bereits in der Vergangenheit kamen wesentliche Beiträge zur Demographie in Deutschland von dort, so von Prof. Herwig Birg aus dem Institut für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik der Universität Bielefeld.
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