Christoph Schlingensiefs ' Nazis rein'.

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Authors: Thekla Heineke, Torsten Lemmer, Thekla Heineke, Sandra Umathum
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: April 2002
Publisher: Suhrkamp
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Customer Review:
Der Derwisch
Christoph Schlingensief, vor allem bekannt geowrden durch seine Partei "Chance 2000" und dem Container bei den Wiener Festwochen, zeigte einmal mehr in Zürich, wie er mediale, soziale und politische Schnittstellen miteinander verzahnen und deren Unzulänglichkeiten dadurch aufzeigen kann.

Im Rahmen seiner Inszenierung des Hamlets ließ er aussteigewillige Neonazis auftreten, darunter Szenegrößen wie Thorsten Lemmer, der sich mittlerweile von seiner Vergangenheit komplett losgesagt hat und entfachte abermals einen Skandal, der in Zürich seinesgleichen suchte.

Das Buch dokumentiert die vielfältigen Kriegsschauplätze auf denen sich Schlingensief gleichzeitig aufhielt. Zum einen verteidigte er sein Projekt vor laufender Kamera bei Roger Schawinski, der sich mitunter in der lustigen Ahnenfolge derer einreihte, die sich an Schlingensief die Zähne ausbissen, forderte nebenher ein Verbot der Partei SVP aufgrund ihres rassistischen Hintergrundes, legte sich mit dem gesamten Züricher Theaterbetrieb an, ließ "seine" Neonazis durch Zürich ziehen, stellte abermals den klassischen Theaterbegriff auf den Kopf und fand noch die Muße seiner ganzen Aktion bei Alexander Kluge einen tatsächlich chaotisch-intellektuellen Anstrich zu geben.

Wie immer bei diesen Büchern gilt: Wer sich mit Schlingensief auskennt, wird einiges wiederentdecken, neu entdecken, neu zusammenwürfeln können. Wer ihn nicht kennt, kann ihn über diesen Weg wunderbar kennenlernen, schließlich bleibt im Nachhinein, bei aller Brisanz dieses Themas, der typisch Schlingensiefsche Humor nicht auf der Strecke. Ein Paradebeispiel ist das Gespräch mit Böhme im "Grünen Salon", daß hier ebenso dokumentiert ist.
beide seiten
als ich das buch gelesen habe hatte ich schon von christoph schlingensief gehört u.a. durch u-3000 und dem dctp-nachtclub. es war wieder einmal ein genuß zu lesen wie schlingensief vorgeht und dann die entsprechenden wütenden reaktionen an sich abprallen läßt. interessant fand ich auch die sichtweise der neonazis wie sie den alltag sehen und mit welchen problemen sie konfrontiert werden (wobei sie mir dadurch nicht sympathischer geworden sind!). alles in allem eine sehr interessantes buch welches jedoch, für nicht allzu sehr theaterinteressierte, seine längen(die zwei "hamlet"-kritiken) hat.
Schlingensiefs Hamlet ý alles nur Theater ?
Hamlet in Zürich ... mit aussteigewilligen Nazis! Skandal! Das vielleicht spannendste Projekt Christoph Schlingensiefs sorgte im Frühjahr 2001 für Aufsehen und Tumult, weil er aussteigewillige Neonazis in seine Theaterarbeit integrierte, bei Straßenaktionen zum Verbot der Schweizerischen Volkspartei aufrief und zusammen mit dem Ensemble den Verein REIN e.V. für weitere aussteigewillige Neonazis gründete.

Über diese spannenden Geschehnisse ist jetzt diese erstaunliche Dokumentation im Suhrkamp Verlag erschienen, die man diesem ehrwürdigen Hause kaum zugetraut hätte. Die Herausgeberinnen meistern das Thema formal und inhaltlich auf beeindruckende Weise.

Das Buch dokumentiert einerseits sämtliche Geschehnisse rund um das Hamlet-Projekt und enthält bislang unveröffentliche Zuschriften von aufgebrachten Schweizer Bürgern, interne Faxe und Emails sowie offizielle Briefe an den Bundesinnenminister Otto Schily oder die Bundeszentrale für politische Bildung. Es finden sich darin transkribierte Fernsehinterviews, Pressestimmen und Rezensionen zum Stück sowie eine Fülle an Fotomaterial. Daneben finden sich Texte, die exklusiv für dieses Buch geschrieben wurden. Darunter auch einige von den am Projekt beteiligten Neonazis, die von ihren Erfahrungen in und mit der rechtsradikalen Szene berichten, von ihrer Motivation, bei Schlingensiefs Projekt mitzuwirken und aus der rechten Szene aussteigen zu wollen oder aber von ihrer Entscheidung gegen einen Ausstieg. Es kommen außerdem die Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer oder der Philosoph Boris Groys zu Wort sowie der Dramaturg des Stückes Carl Hegemann oder Filmkritiker und Theaterwissenschaftlern, die sich um Theoretisierungsversuche bemühen.

Das Buch lädt zum spielerischen Umgang ein, man kann darin stöbern, lesen oder einfach nur blättern. Es ist so konzipiert, dass man es von zwei Seiten lesen kann, die in der Mitte aufeinandertreffen. Die eine Seite repräsentiert Schlingensief und seine Herangehensweise an das Projekt, die andere Seite hingegen die Perspektive der Neonazis. Der Leser bekommt Einblick in die Denkweise der Neonazis, unzensiert werden z.B. Auszüge aus rechten Songtexten vorgestellt.

Das Buch erklärt weniger als dass es einfach nur verschiedene Positionen aufzeigt und lädt dadurch dazu ein, sich ein eigenes Bild und Urteil von dem Projekt zu machen. Mut zur Ambiguität ist selten in unserer paternalistischen Medienwelt. Ein Buch für Menschen, die sich eigene Meinungen bilden können und möchten.

Books:

  1. Die Regierung der Freiheit.
  2. Paradoxien der neuen Weltordnung. Politische Essays.
  3. Schrumpfende Gesellschaft.
  4. Staat, Nation und Demokratie in Europa. Die Theorie Stein Rokkans.
  5. In Verteidigung der Gesellschaft. Vorlesungen am College de France (1975 - 1976).
  6. Politik der Freundschaft.
  7. Michel Foucault - Zwischenbilanz einer Rezeption. Frankfurter Foucault-Konferenz 2001.
  8. Summa technologiae. Mit einem Vorwort des Autors zur deutschen Ausgabe.
  9. Die Stunde der Leoparden. Italien im Umbruch.
  10. Fremdenfeindliche Vorurteile in den Staaten der EU

Books

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