Customer Review:
Sollte man unbedingt gelesen haben!
„Wir wollen beide hier leben" ist in Form eines Briefwechsels zwischen einer Israeliten und einer Palästinenserin verfasst. Sie lernten sich bei einem Schüleraustausch in die Schweiz, organisiert von „Peace Child Israel", kennen. Die Beiden setzen sich mit der Ursache des Nahostkonflikts auseinander und versuchen einander zu verstehen, was ihnen nicht immer leicht fällt.
Das Buch enthält ein Glossar religiöser Begriffe, eine Chronologie des Nahostkonflikts und sechs verschiedenen Karten, wie Israel in den letzten 50 Jahren aufgeteilt war und ist. Die Briefe sind nicht chronologisch geordnet, sondern nach Themen, z.B. „Schweizreise" und „Intifada".
Vor allem die Chronologie und die Karten fand ich hilfreich. Habe die Chronologie zuerst gelesen um mehr über die Geschichte Israels in den letzten 50 Jahren zu erfahren.
Ich wusste vorher so gut wie nichts über den Nahostkonflikt. Daher las ich das Buch in der Erwartung und Hoffnung endlich etwas darüber zu erfahren. Diese Erwartung hat das Buch erfüllt!
Man kann die Gedanken der beiden Mädels gut nachvollziehen und ich bekam viele Denkanstöße über den Konflikt. Auch habe ich jetzt ein viel größeres Wissen über den Konflikt als vorher. Ich hätte es allerdings besser gefunden, wenn die Briefe nicht nach Themen, sondern einfach chronologisch geordnet wären.
Wenn die Eine die Meinung der anderen aufgreift, liest es sich manchmal wie eine Texterörterung. Vielleicht liegt das aber nur an dem Schreibstil der Übersetzerinnen. Es schadet dem Buch aber nicht besonders.
Alles in allem ist „Wir wollen beide hier leben" ein super Buch für alle die sich für den Nahostkonflikt interessieren!
Ein wunderbares, aber auch ernüchterndes Buch
Es war wohltuend und bewegend, ein solch offenes Buch zu lesen und man muß vor beiden Autorinnen den Hut ziehen. Allerdings habe ich dieses Buch als deprimierendend empfunden. Odelia Ainbinder ist eine liberale jüdische Israelitin, und Amal Rifa'i gehört unter den Palestinensern zu einer eher previligierten Schicht (sie hat Eltern, die darauf bedacht waren, ihre Kinder von der Intifada fernzuhalten; Sie wuchs in Jerusalem auf und nicht in einem Flüchtlingslager u.s.w.).
So könnte ich mir nicht vorstellen, daß z.B. eine Jüdin aus einer Siedlung im Westjordanland oder dem Gaza-Streifen einen solchen Dialog mit einer Araberin aus einem Flüchtlingslager führen würde.
Und immer wieder brechen Vorurteile und unterschiedliche Bewertungen hervor; So erwähnt Amal Rifa'i scheinbar beiläufig auf s. 128, daß ihre Schwägerin von den Jordaniern für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt wurde, weil sie Ihre Mutter (auf der israelischen Seite) kontaktieren wollte.
Gleichzeitig werden als Schikane empfundene Aktionen seitens der Israelis genauer beschrieben, z.B. wenn ein Israelischer Polizist den Paß ihres Vaters kontrolliert, wenn sie nicht nach Ramallah zum einkaufen fahren kann e.t.c..
Ich habe Vorurteile (und stehe auch dazu), wenn auf s. 108 Amal Rifa'i beschreibt, daß man aus dem Ort stammt, aus dem die Großeltern stammen, auch wenn diese an einen anderen Ort zogen, man selbst an diesem anderen Ort aufgewachsen ist u.s.w.
In diesem Fall würden viele Deutsche meiner Generation (geboren 1967) ihre Heimat in Kaliningrad (Königsberg) oder anderen Plätzen im Osten sehen. Und dies sind die Momente, die mich deprimieren - weil an diesen Stellen die Tragik und Unlösbarkeit(?) dieses Konfliktes sichtbar wird.
Insgesamt ist das Buch für all jene empfehlenswert, die einen Einblick in die Sichtweisen von zwei Jugendlichen im Israelisch-Arabischen Konflikt aus erster Hand erfahren wollen. Besonders hilfreich waren auch die immer wieder eingefügten Schlagzeilen Israelischer und Arabischer Medien, in denen die unterschiedliche Wahrnehmung bestimmter Ereignisse hervorgehoben wird. Auch wenn das Bemühen der beiden Autorinnen, einander zu verstehen, als ein Hoffnungsschimmer erscheint, hatte dieses Buch auf mich insgesamt einen ernüchternden Eindruck gemacht.
Dies soll keine Abwertung des Buches und erst recht nicht eine Kritik an den Autorinnen sein. Das Buch ist lesenswert, die Offenheit der beiden Autorinnen ist eindrucksvoll.
Für jeden, der einen Einblick in die Denkweisen von zwei gemäßigt-liberalen Teenagern beider Seiten bekommen möchte, ist das Buch ohne jede Einschränkung zu empfehlen.
Toleranz? Heimat? Freundschaft?
Bei einem Schüleraustausch zwischen Israel und der Schweiz lernen sich Amal und Odelia kennen. Sie wohnen beide in Jerusalem und doch schauen ihre Leben total verschieden aus. Amal ist muslimische Palestinänserin und steht kurz vor der Hochzeit; Odelia ist jüdische Israelin, macht ein soziales Jahr und geht dann in die Armee. Für beide ist Jerusalem die Heimat und sie fühlen sich zu Hause, trotzdem können sich beide nicht absolut frei und ohne Angst bewegen. Zwei Welten, zwei Kulturen, zwei Meinungen prallen aufeinander und füllen Briefe, Mails und Gespräche. Gegenseitig versucht man sich zu verstehen, Vorwürfe und Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Immer wieder sickert der Gedanke durch, dass sie die ‚nächste' Generation sind, dass alles anders werden muss, dass es doch möglich sein muss, dass sie beide in ‚ihrem' Land leben können.
Das Buch bietet keine Lösungen, aber es klärt uns ‚Westliche' auf eine sehr menschliche Art auf. Ich habe mich immer ein bisschen vor diesem Thema gesträubt, alles ist mir so kompliziert erschienen, aber dieses Buch klärt auf eine sehr leicht verständliche Art auf, die niemals langweilig wird, und stellt durch die zwei Mädchen ganz natürlich einen Bezug zu einem selbst her. Ich bewundere die Ehrlichkeit und Offenheit der Mädchen, ich weiß nicht, ob ich das auch könnte.
Sehr gut finde ich auch die Begriffserklärung und die Chronologie des Nahostkonflikts, um einen objektiveren Einblick zu bekommen.
Ein wichtiges Buch für alle.
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