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Zur "Nobilität des Umdenkens" ...
"Die Nobilität des Umdenkens" erkennen die Autoren Mathhias Geis [ZEIT] und Bernd Ulrich [Tagesspiegel] streckenweise - sind selbst aber nicht ganz frei davon, dieser Beweglichkeit mit Neid, Ressentiment oder eigener falscher Entwicklungsgeschwindigkeit zu begegnen. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", hatte Gorbatschow einmal sybellinisch geäußert. Wer zu langsam umdenkt, dem enteilt die Gunst des Joschka Fischer. Das traf nicht nur seine vier bisher verlassenen Frauen, sondern auch politische Mitstreiter, die sein fulminantes Umdenk-Tempo eher für einen Irrweg und nicht für das Voranschreiten des Zeitgeistes halten wollten. Bärbel Höhn, NRW, zum Beispiel - ihren Sprung nach Berlin blockierte Fischer, als sie riskiert hatte, seinen Kosovo-Einsatz-Befehl nicht mittragen zu wollen - dieser Umschwung zum "Pazifisten im Tornado" (was ihm einen Farbbeutelwurf-Treffer einbrachte) war immerhin einer der grundlegendsten Kehrtwendungen bei der Identitäts-Definition der Grünen. Arm in Arm mit Madeleine Albright zerrte Fischer seine störrische Basis in die Akzeptanz des Kriegführens. Ludger Volmer, einst Fundamental-Pazifist, genoss, was es heißt, wenn man brav mitmarschiert, wohin das Kalkül des Macht-Erhalts empfiehlt die Fahne zu hängen: Ludger Volmer wurde für die Aufgabe seiner Positionen mit dem Amt eines Staatsministers im Außenministerium belohnt. Wenn man allerdings gern einmal europäischer Außenminister werden will, empfiehlt es sich, dem Zeitgeist folgend, sich auch einmal wieder bockig gegenüber den dominanten Amerikanern zu zeigen: Beim Irak-Krieg blieb man demonstrativ außen vor. Trotz aller Händeschütteleien mit Condoleezza Rice (falsches Grinsen mit eingeschlossen) ist aber noch fraglich, ob dies die Position Fischers im "alten Europa" stärkt oder schwächt. Die verschnupft reagierende Washingtoner Administration liebäugelt daraufhin nicht gerade damit, Deutschland in den UNO-Sicherheitsrat als ständiges Mitglied einziehen zu lassen, da ist Japan, Irakkriegsteilnehmer, schon favorisierter. So sieht man Fischer wie einen Billard-Spieler herumtesten, was im Marsch durch die diplomatischen Netzwerke voranbringt. Dabei verhaut sich der voranschreitende Zeitgeist auch schon mal. Erstens, wenn er "Bullenklatschen" trainiert wie in den Frankfurter Sponti-Zeiten. Zweitens, wenn er die Brisanz der Ost-Öffnung (Visa-Affäre) unterschätzt, wenn Offenheits-Ideologie sich verdreht zur Chance für Kriminelle. Hier ist der Zeitgeist zuweilen wendiger, ausgekochter und opportunistischer als Fischer. Den naiven Schneckengang zelebriert dann Stresenmanns Enkel höchstselbst. Auch, ob die gewiefte Türkei-Führung eine feste Europa-Einbindung um jeden Preis wert ist, bleibt noch eine Zeitlang sehr fraglich. Es ist zu hoffen, dass Fischer seiner Fähigkeit, einmal indoktrinierte Kurse auch wieder demütig und zuhör-fähig verlassen zu können, auch weiterhin alle Ehre macht. Der text von Mathhias Geis und Bernd Ulrich ist naturgemäß als Buch-Publikation nicht immer auf dem aktuellsten Tages-Nachrichten-Stand - er legt aber recht ordentliche Abschätzungsmaßstäbe im Leser an, was von Fischer in Zukunft noch zu erwarten ist und was nicht. "Fischer sieht sich zuweilen in der Rolle eines Weltklassetenors, der ständig vor einem André-Rieu-Publikum in der Stadthalle von Brilon singen muss..." - soll wohl heißen: Fischer strebt unbeirrt weiter nach Höherem. Was er auf dieser Strecke der nicht von jedermann beherrschten "Nobilität des Umdenkens" am Wegesrand alles hinter sich lässt, kann man zu einem Großteil schon nachlesen in diesem Büchlein "DER UNVOLLENDETE" ...
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