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Nichts Neues
Harpprechts Buch enttäuscht. Einige Monate lang durfte er Reden für Kanzler Brandt schreiben. Er bietet uns in diesem Buch nichts Neues, erweckt aber den Eindruck, die Außenpolitik der Bundesrepublik in dieser Zeit maßgeblich mitgestaltet zu haben. Nicht ohne aufdringlich zur Schau gestellte Eitelkeit sind auch die vielen, kurzen, teilweise verletzenden Charakterisierungen anderer Mitarbeiter im Kanzleramt, mit denen Harpprecht zu verstehen geben will, wie sehr diese Leute intellektuell tiefer als er gelegt waren. Er hatte offenbar immer das Ohr des Kanzlers und wusste bestens Bescheid. Dabei wurde er von Brandts Rücktritt total überrascht. Auf seinen außenpolitischen Höhenflügen scheinen dem Autor damals die innenpolitische Lage und die innerparteiliche Situation der SPD völlig aus dem Blick geraten zu sein, die der eigentliche Grund für dessen Aufgeben war. Die Passagen, in denen der Spion Guillaume vorkommt, lassen es zudem wenig wahrscheinlich wirken, dass Harpprecht hier nicht nachträglich seine Auzzeichnungen redigiert hat. Der Autor hat schon Interessanteres abgeliefert als die Erinnerungen an seine Zeit im Kanzleramt.
Innenansichten aus dem Kanzleramt der Jahre 1973/74
Nur ein Jahr und vier Monate - gegen Ende der Kanzlerschaft - hat Klaus Harpprecht als Redenschreiber für Willy Brandt gearbeitet, aber es scheint nicht nur eine Zeit der größten Anstrengung für ihn gewesen zu sein, sondern auch eine überaus erfüllte Zeit.
Wenn wir einmal voraussetzen, daß Politik damals medial und emotional vermittelt wurde - und heute medial und emotional vermittelt wird - , dann ist es schon eine spannende Frage, wie der Mann gearbeitet hat, der dem ersten sozialdemokratischen Kanzler der Nachkriegszeit die Reden schrieb.
Klaus Harpprecht läßt den Leser an diesem Prozeß teilnehmen und tut dies in einem schönen und kraftvollen Stil. Schon aus diesem Grunde lesenswert und darüber hinaus deswegen, weil hier so vieles über Brandt zu erfahren ist.
Ein interessanter Blick hinter die Kulissen der Politik
Ich habe dieses Buch verschlungen. Als heute 42-jaehriger war Willy Brandt der erste Bundeskanzler, den ich "bewusst" erlebt habe und der sicherlich auch einen grossen Einfluss ausgeuebt hat. Fuer mich war und ist Willy Brandt einer der grossen Kanzler und Persoenlichkeiten der deutschen Geschichte, der "mehr Demokratie gewagt hat". Nach vielen Biographien und Autobiaographien nun ein Blick hinter die Kulissen. Gerade das macht den Reiz aus. Natuerlich steht Brandt im Vordergrund, aber gerade die vielen Nebensaechlichkeiten, die Harpprecht erwaehnt, sind interessant. Details, die heute in Vergessenheit geraten sind. Fuer mich ein wunderbarer Augenzeugenbericht aus erster Hand. Ein ehrliches Buch. Das Harpprecht sich dabei manchmal in den Vordergrund stellt, ist sein gutes Recht. Es ist sein geschriebenes Tagebuch und sieht die Dinge so, wie er sie sieht. Voellig in Ordnung.
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