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Wenn sich zwei streiten, freut sich der dritte
Seit Jahren nun versuchen unsere Regierungen angeblich die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Das immer gleiche Problem wird mit der immer gleichen Strategie beantwortet: Entlastungen für Unternehmen,etwa Steuersenkungen, höhere Unternehmenssubventionen, Lohnsenkungen, Senkung des Kündigungsschutzes, demnächst vielleicht Kombilöhne, Reduktion der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung durch 1-Euro-Jobs, geringfügige Beschäftigung usw. Und diese Strategie bewirkt seltsamerweise immer das gleiche: Rückgang der versicherungspflichtigen Beschäftigung, damit die Reduktion der Einzahler in die Rentenkasse und (passive) Rentenkürzungen.
Das alles darf natürlich nicht an der Arbeitslosigkeit liegen. Und wenn schon, dann darf die Arbeitslosigkeit nicht politisch verursacht sein. Und wenn schon, dann muss die Politik wenigstens alternativlos sein. Deswegen braucht man einen Sündenbock und der heißt demografischer Wandel. Diesen bemüht Herr Klöckner auch intensiv, um seine Thesen über die Nichtfinanzierbarkeit der gesetzlichen Rente zu stützen. Dabei bringt eine einfache Überlegung alles über den demografischen Wandel dramatisierte zu Fall: Man kann nicht gleichzeitig ein Problem mit zu hoher Arbeitslosigkeit (= "zu hohe" Produktivität) und zu hoher Last der Rentner für die Arbeitenden (= zu niedrige Produktivität) haben.
Wie verhalten sich die Bürger also, wenn ihnen der Kuchen weggeknabbert wird? Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie setzen sich dafür ein, dass wieder größerer Kuchen gebacken wird oder dass vom Kuchen mehr für die Rente übrigbleibt, oder sie akzeptieren die Politik und streiten sich um die verbleibenden Kuchenreste.
Klöckner ist ein klarer Vertreter des zweiten Weges und dürfte damit der Liebling aller Politiker sein. Denn wenn sich Jung und Alt über die gerechte Verteilung streiten, kommen sie nicht auf die Idee, für eine bessere Rentenpolitik zu streiten. Und vor allem kommen sie dann nicht auf die verwegene Idee, die Privatrente, die Klöckner verkauft, anzuzweifeln. Vielleicht gar noch, weil die Privatrente bereits große Altersarmut über Amerika, Chile und andere Länder gebracht hat.
Zur Zeit scheint gerade wieder eine große Welle der Privatrentenwerbung über unser Land hinwegzuschwappen. Gerade erst am 2006-03-14 war Klöckner bei "Menschen bei Maischberger" im Fernsehen. Die ARD-Tagesschau machte am 2006-02-13 per Bericht über eine Studie der Deutschen Bank Werbung für die Privatrente, ZDF "heute" trägt seinen Teil am 2006-03-14 bei. Die Hemmungen sind weitgehend gefallen. Alle machen Werbung für die Privatrente, wo eigentlich neutrale Berichte erwartet werden und keiner stößt sich daran. Keiner fragt, ob Privatrenten die Probleme wirklich lösen können. Keiner fragt danach, welche Probleme wir eigentlich haben. Demografischer Wandel wird in der dargestellten Dramatik akzeptiert und als Schicksal wahrgenommen. Es wird gegen die Rentner gehetzt, Hüftgelenke gönnt mancher den Rentnern ab 80 nicht mehr, oder sie sollen mal ihr Silberbesteck lichten, über die Sterbehilfe wird ernsthaft diskutiert. Hatten wir das nicht gerade erst vor 70 Jahren?
Große Vorsicht ist geboten: Bernd Klöckner (Anlageberater), Meinhard Miegel (Deutsche Bank), Bernd Raffelhüschen (Botschafter der INSM), und wie sie alle heißen, sie alle verdienen an der Privatrente und nichts an der gesetzlichen Rente. Warum werben sie wohl dafür? Weil die Privatrente alternativlos ist und weil es ok ist, wenn sie daran verdienen, dass Sie, lieber Leser, hoffentlich eine bessere Rente bekommen?
Denken Sie mal darüber nach, warum die Kapitalanlage besser sein soll als das Umlageverfahren. Denken Sie mal darüber nach, was Sparen bedeutet, was Zinsen bedeuten und überhaupt was Geld bedeutet. Wollen Sie im Alter Geldscheine essen oder Brot? Falls letzteres - wer bäckt es denn? Kann die Privatrente wirklich den Generationenvertrag umgehen? Nanu!
Falls Sie immer noch nicht wissen, was ich meine, lesen sie mal Peter Bofinger "Wir sind besser als wir glauben", oder Albrecht Müller "Die Reformlüge".
Mutig und ehrlich
Gerade habe ich die anderen Rezensionen gelesen und eines verstehe ich nicht: Ok, das Buch ist zugegebenermaßen an manchen Stellen sehr provokant/reisserisch (siehe Titel), was mir auch nicht an jeder Stelle des Lesens gefallen hat, Klöckner prangert keineswegs die Rentner an, die von ihrer hart erarbeiteten und wohlverdienten Rente kaum leben können, sondern spricht klar und deutlich über die Missstände unseres Rentensystems, die Gier der Politiker und MANCHER älterer Leute. Man darf nicht vergessen, es gibt auch eine Menge Rentner, denen es extrem gut geht, ohne dass sie dafür besonders hart gearbeitet hätten und es wird in Zukunft viele Rentner geben, denen es extrem schelcht geht obwohl sie hart gearbeitet haben.
Ich finde es gut, dass endlich mal jemand dieses Thema schonungslos angeht und dabei riskiert sich nicht nur Freunde zu machen! Ich bin 32 und habe den Eindruck, dass viele meiner AltergenossInnen die Tatsache verdrängen, - Dank der miserablen Rentenpolitik - eines Tages möglicherweise am Existenzminum zu leben. Dann werden sie das Buch vielleicht nochmal lesen!
Immer die gleiche Leierý
Das kennen wir doch langsam hinreichend. Schüller, Schreiber, Tremmel usw. haben es schon x-mal versucht, aber durch die ständige Widerholung werden die Argumente nicht besser. Früher gingen die Alten auch an Krücken, prima. Nur ist Heute nicht Früher. Und nicht alle Alten überwintern in schmucken Ferienhäusern im sonnigen Süden, und nicht alle Alten zocken die Jüngeren ab.
Überhaupt hat das vielleicht eher wenig mit Alter oder Generation zu tun: Es gibt auch ziemlich viele Jüngere mit schmucken Ferienhäusern im sonnigen Süden. Und dieser Autor ist wahrscheinlich einer von diesen - zumindest legen seine bisherigen Veröffentlichungen diese Vermutung nahe (man beachte die Liste seiner Werke - ein Fachmann für die Geldvermehrung). Wenn von dieser Seite nun beklagt wird, dass die Rentenversicherung eine schlechte „Rendite" abwerfe und man das Geld anderswo besser anlegen könnte, etwa an der Börse (siehe wiederum die diesbezüglichen anderen Ratgeber dieses Autors), wer will da wohl gierig seinen „Gewinn" maximieren? Und wer schafft es? Wer ein paar Hundert ¬ im Monat statt in die Rentenversicherung an die Börse trägt? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Oder wer als Besserverdienender oder selbständiger Autor gar keine Rentenversicherungsbeiträge zahlt und schon an der Börse investiert ist, wenn Millionen von Arbeitnehmer genau das tun müssen, weil die lästige Renteversicherung endlich abgeschafft ist? Ziemlich sicher, dass dann die Kurse eine Zeit lang steigen. Aber wenn die heute Jüngeren dann Alte sind und diese Papiere abstoßen müssen, um ihre Rente einzufahren, steigen sie wahrscheinlich nicht mehr, im Gegenteil. Mal sehen, was dann von diesen „Renten" übrig bleibt (oder, falls Rentenpapiere gekauft werden, wir hoch die Inflation ist, oder wie die Immobilienpreise aussehen, wenn keine Kinder mehr da sind, die all dies kaufen wollen usw.).
Dass die Zunahme der Zahl der Alten (wie auch die Abnahme der Geburten insbesondere bei jener Generation, die hier als „benachteiligte" dargestellt wird, weil sie ihren Profit als kinderlose Doppelverdiener nicht optimal maximieren können - um mal das gleiche Kaliber zu bemühen) Probleme schafft, ist nicht zu bestreiten. Dass Bücher wie dieses etwas zur Lösung dieser Probleme beitragen, sehr wohl. Im Gegenteil: Wird die Lunte an die Rentenversicherung gelegt, werden wahrscheinlich auch von den Jüngeren nur jene im Alter profitieren, die ordentlich etwas haben bzw. hatten, dass sie anlegen konnten. Alle anderen (und die Pechvögel beim Spekulieren an der Börse) können dann ja bei denen betteln gehen. Und sich anhören, früher sei man ja auch an Krücken gegangen...
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