Customer Review:
Unterhaltsam aber nicht sehr glaubwürdig
Mittlerweile selbst jahrelang im Nahen Osten kann ich eine ganze Menge der Angaben in diesem Buch nicht verstehen oder bestätigen. In den angegebenen 7 Jahren gab es in Syrien auf keinen Fall mehr Polizeikontrollen als zuvor. Im Gegenteil, Syrien ist bemüht, diese Präsenz - zumindest für die Öffentlichkeit - zu verringern. Politische Verfolgungen, Verhaftungen etc. entsprechen jedoch der Wahrheit, genauso wie die gegenseitige Bespitzelung. Daran hat sich auch nach der "Inthronisierung" Bashar Al-Assads nichts geändert. Aber die in diesem Buch veröffentlichten Informationen hätte jeder Syrientourist auch zusammenschreiben und mit ein bischen Phantasie zu diesem Geheimdienstroman ausarbeiten können. Die Anschläge palästinensischer Untergrundkämpfer aufzulisten gibt dem Buch auch nicht mehr Glaubwürdigkeit.
In Syrien konzentrieren sich die meisten Aktivitäten auf den Machterhalt der Alawitten. Militärisch hat Syrien nichts zu bieten. Der Geheimdienst allerdings ist eine unübersehbare Behinderung einer normalen Entwicklung und das eigentliche Zentrum der Macht. Ob Israel die Informationen, die nun aus den "abgehörten" Polizei-Computern und -Netzwerken zusammengetragen werden wirklich benötigt, ist eine andere Frage, gibt es doch dazu mittlerweile ganz andere Möglichkeiten. Zum Beispiel sind in Syrien sicherlich bereits jahrelang eine große Anzahl israelischer Agenten unterwegs, die sicherlich besser Informationen liefern. Ein guter falscher Paß, eine gut aufgearbeitete Lebensgesichte und schon geht's los. Eines aber ist sicher: Für den syrischen Geheimdienst wichtiges Material ist auf keinen Fall in irgendeiner unbedeutenden Polizeistation irgendwo in Syrien abgespeichert.
Daher auch meine Beurteilung maximal 2 Sterne für einen unterhaltsamen, aber nicht unbedingt der Wahrheit entpsrechenden Roman.
Bleiben wir doch mal ernst
Vom Anfang (Veröffentlichung in Frankreich in September) an war klar dass diese ganze Geschichte frei erfunden war, und nicht mal sonderlich gut erfunden. Den Franzosen war ihre berühmte kritische Einstellung wohl vorübergehend abhanden gekommen, während die Deutschen - wenigstens das ZDF-Kulturmagazin - vielleicht durch die Ulla Ackermann-Geschichte etwas mehr auf der Hut waren.
Ich möchte aber mal darauf hinweisen, dass der Mossad mit dem Ganzen nichts zu tun hat. NZ beschreibt wie sie (angeblich) angeworben wurde während sie ihre Armeedienst leistete. Ihre Vorgesetzte sind Offiziere, das Ganze spielt sich in einem militärischen Kontext ab: es muss sich also um den militärischen Geheimdienst handeln, die AMAN (Agaf Modiin), nicht der Mossad oder der SHABAK.
Übrigens braucht man kein Spezialist zu sein um dahinter zu kommen dass die ganze Geschichte Unsinn ist, nur ein kleines bisschen nachdenken genügt schon. Nehmen wir - nur zum Beispiel - mal ihre Freunde der Hizbollah. Laut ihre "cover story" soll sie die 23-jährige Tochter eines reichen Palästinensischen Geschäftsmannes sein, wohlbehütet in der Schweiz aufgewachsen, mit Universitätsstudium und allem. Nichtdestoweniger bringt sie gleich am Anfang kaltblütig, mit blossen Händen und auf sehr professionelle Weise eine ihrer Kamaradinnen um, sobald ihr das befohlen wird. Merkwürdig wenn nicht verdächtig, würde ich meinen. Aber die Chefs der Hizbollah sind anscheinend wie die Verleger von Albin Michel oder Kindler, jedes Misstrauen ist ihnen fremd wenn es um NZ geht. Sie kann sich auch dauernd aus dem Staub machen um via Europa wieder für ein paar Tagen oder Wochen nach Israel zurück zu kehren, alles kein Problem, keiner beschattet oder kontrolliert sie je. Noch schöner wird es wenn sie - immer noch als Mitglied der Hizbollah - im Auftrag ihrer Vorgesetzen anfängt sich immer und immer wieder von der Syrischen Polizei verhaften und zusammenschlagen zu lassen, wofür sie dann als Belohnung ein Bisschen mit den Polizeicomputern spielen darf. Auch dieses doch etwas seltsame Hobby scheint die Führungskräfte der Hizbollah keineswegs zu stören.
Man kann Arbeitssuchenden mit den passenden Qualifikationen also nur raten sich bei der Hizbollah zu bewerben, ein so toleranter und vertrauensseliger Arbeitgeber gibt es sonst nirgendwo.
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