Customer Review:
Danke, Freunde!
Ein Mann, der so viel zu erzählen hat wie Herr Schmidt, schreibt seine Memoiren nicht nur einmal - es reicht doch für ein halbes Regal!
Dieses Buch widmet Helmut Schmidt allein den Menschen, denen er in seinem Leben und Wirken (bis 1996, dem Erscheinungsjahr) mehr oder weniger nahe gestanden hat. Es ist gewissermaßen eine Danksagung an alle, deren Bekanntschaft er als eine Bereicherung empfunden hat, beziehungsweise eine Respektsbezeugung an fast den ganzen Rest. Insofern ist dieses Buch wirklich sehr persönlich, sowohl was die Empfindungen des Autors, als auch was die Charakterisierung der beschriebenen Personen betrifft. Über die vielen hundert Seiten erfährt man viel über Helmut Schmidts Wertmaßstäbe, über seine Prinzipien, worauf er im politischen Leben und im persönlichen Umgang Wert legte, über den Wert persönlicher Beziehungen in Politik und den angrenzenden Gebieten.
Als politisch interessierter Mensch kann man aus diesem Buch viel gewinnen: Neben den oben genannten Punkten erhält der Leser aus erster Hand persönliche Einschätzungen vieler wichtiger Persönlichkeiten der letzten fünfzig Jahre, und zwar nicht nur aus der ersten, sondern auch aus der zweiten und dritten Reihe der in der öffentlichen Wahrnehmung Stehenden.
Aus der Anlage des Buches selbst ergeben sich jedoch einige Umstände, die das Lesen etwas weniger ertragreich werden lassen. Zum einen schreibt man über fremde Leute nichts Schlechtes, vor allem nicht, wenn sie schon tot sind. Deshalb werden von den wohl über hundert näher erwähnten Persönlichkeiten vielleicht nur drei oder vier vorsichtig kritisiert. Der viele Streit, den es in all den Jahren wohl gegeben haben muss, wird nicht oder nur beiläufig erwähnt. Interessant ist es darum auch zu sehen, wen er nur kurz oder gar nicht nennt. So sind z.B. die Ausführungen zu Helmut Kohl, Oskar Lafontaine und Erhard Eppler sehr knapp gehalten.
Zum anderen gilt: Wer sich bei so vielen bedankt, darf natürlich möglichst keinen, der es verdient hat, auslassen. Deshalb gibt es viele Seiten, auf denen Persönlichkeiten beschrieben werden, die eine derartige Erwähnung von Seiten Schmidts weiß Gott sicher verdient haben, die aber für den durchschnittlichen Leser kaum von Interesse sind, vor allem Personen, die Schmidts Werdegang im Hamburg der fünfziger und sechziger Jahre begleitet haben.
Darum empfehle ich dieses Buch auch nur Leuten, die sich für Schmidt selber und seine 'Weggefährten' interessieren. Das Werk ist weder eine Autobiographie, noch sind es politische Memoiren. Wer sich für Schmidts Sicht auf seine Politik und den Lauf der Dinge während seiner 'aktiven' Zeit interessiert, sollte lieber seine 'politischen' Erinnerungsbücher "Menschen und Mächte" oder "Deutschland und seine Nachbarn" lesen.
Ein Gewinn
Ein Gewinn für den politisch interessierten Leser. Schmidts politisch führende Rolle und seine Bedeutung für unser Land stehen außer Frage. Ihm geht es um die Menschen, die ihn auf seinem politischen und privaten Weg begegnet sind. Geschrieben zu einer Zeit, als Kohl noch an der Macht war, beschäftigt sich Schmidt sowohl mit den deutschen Künstlern, die er schätzt, als auch mit den internationalen Partnern, mit denen er Weltpolitik machte. Aufschlußreich ist seine wohl richtige Einschätzung, dass in seiner und vor seiner Amtsausübung die Agierenden auf der politischen und wirtschaftlichen Nachkriegsbühne dieser Welt einen ganz anderen Hintergrund an Bildung, Intelligenz, Wissen, Güte und Verständnis sowie Weitblick gehabt haben. Da kann einem heute angst und bange werden.
Geistig-moralische Führung zu seiner Zeit
Wohl kaum ein Buch hat mir den 5. Bundeskanzler als Menschen so nahegebracht, wie das Buch "Weggefährten", in dem Helmut Schmidt auch über innere Eindrücke berichtet.
Mit großer innerer Zustimmung habe ich die Beiträge zu Theaterleuten gelesen, über Karl Klasen, Carlo Schmid, Herbert Wehner, Karl-Wilhelm Berkhan, Alex Möller und viele andere.
Was dieses Buch außerdem auszeichnet, ist der Dank an alle, die an diesem Buch beteiligt waren. Es ist nicht selbstverständlich, daß die Ernte eines Lebens zusammen mit anderen geteilt wird.
Helmut Schmidt hat sehr wohl und vielleicht mehr als wir ahnen, geistig-moralische Führung in unserem Land und darüber hinaus ausgeübt. Dafür ist ihm und auch seiner Frau Loki zu danken
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