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Beeindruckend, verstörend, lesenswert
Nordkorea - immer wieder mal geistert dieses Land durch die Medien, meist in Verbindung mit Atomgesprächen oder dem Koreakrieg vor fünfzig Jahren. Doch was weiß man über das "letzte stalinistische Regime" der Erde, außer dass es Hungersnöte in Kauf nimmt, um seinen Militärapparat zu unterhalten und vom, sagen wir mal "exzentrischen", Sohn des Staatsgründers Kim Il Sung, Kim Jong Il regiert wird?
Der Journalist, Korea-Kenner und oftmalige Besucher der "Demokratischen Volksrepublik Korea" Michael Breen möchte in seiner Biographie die Persönlichkeit des vielleicht geheimnisumwittertsten Staatenlenkers unserer Zeit beleuchten und gleichzeitig ein Land beschreiben, von dem man sonst nicht viel erfährt.
Breen verlässt sich dabei auf persönliche Erfahrungen während seiner Koreareisen, Gespräche mit Einwohnern, Exilkoreanern ("Dissidenten") und entführten, wieder freigekommen Ausländern sowie auf Berichte internationaler Studien und zeichnet ein differenziertes, faszinierendes, aber auch sehr verstörendes Bild eines Landes, das mehr als jeder andere Staat auf der Welt George Orwells Dystopie "1984" ähnelt.
Kim Jong Il, in Nordkorea als "geliebter Führer" bekannt, hält zwar nicht den Titel des Präsidenten oder Premierminister inne, ist aber (neben seinen toten Vater, der immer noch als "ewiger Präsident" verehrt wird) die zentrale Figur des nordkoreanischen Staates; Kritik oder auch nur der Verdacht, den geliebten Führer nicht genug zu verehren, wird mit der Einweisung in den Gulag bestraft; Generäle, die unter dem Verdacht stehen, zu dissidieren oder gegen Kim opponieren zu wollen, werden im größten Stadium der Welt in Pjöngjang vor Publikum lebendig verbrannt; im Gulag selbst werden die Gefangenen durch körperliche Arbeit, Folter und Misshandlungen vernichtet.
Gleichzeitig schätzt Kim Jong Il Champagner und Cognac, Filme (in den 70ern ließ er einen südkoreanischen Regisseur entführen, damit dieser ihm eine Filmindustrie aufbauen möge) und sonstige Annehmlichkeiten, die auch westlichen Besuchern gerne angeboten werden - sodass man als westlicher Journalist in der deutschen Nobelkarosse durch Geisterstädte kutschiert wird und von hungernden Kellnern mit exzellenten Speisen bedient wird, unter den ständigen, gestrengen Blicken der staatlichen Aufpasser, die darauf achten, dass man sich nicht von der Gruppe entfernt, unabhängig mit den Einwohnern spricht oder dass die Einheimischen gar den Eindruck erwecken könnten, nicht im Arbeiteraradies zu leben.
Das Buch bietet nicht nur einen Einblick in Leben und Persönlichkeit des Führers, sondern auch ein beklemmendes Bild der Alltagswelt Nordkoreas; sehr empfehlenswert für jeden, der sich auch nur ein bisschen für das Thema interessiert!
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