Customer Review:
Eines der Besten Einstiegsbücher überhaupt
Selten bekommt man auf wenigen Seiten so viel Weltsicht und auf den Punkt gebrachtes Wissen vermittelt.Es ist leicht lesbar, geht dennoch in die Tiefe und bietet viele Hinweise für eine vertiefende Lektüre. Kurz: Bin rundum zufrieden mit diesem Buch.
Spannende Postmoderne
Das Buch Roger Behrens ist eine kurze Einführung in die Postmoderne. Es führt zuerst in die Begriffe ein, um dann verschiedene Theorien der Postmoderne vorzustellen. Dabei kommen auch die noch modernen Vorläufer zu Wort (Nietzsche, Heidegger, Strukturalismus und Poststrukturalismus). Im einzelnen werden dann Lyotard, Baudrillard, Derrida u.a. postmoderne Denker vorgestellt. In zwei weiteren Kapiteln wird das Verhältnis von Kunst und Ästhetik verhandelt. Hier kommen die Entwicklungen der Postmoderne in der Architektur, Literatur, Musik und im Film zur Sprache. Ein großer Teil ist schließlich der Darstellung des Lebens in der Postmoderne gewidmet. Am Ende findet ein kurze kritische Bewertung der Postmoderne statt, die darauf hinausläuft, dass die Lösungsangebote der Postmoderne zu kurz zu greifen drohen, angesichts der Probleme, die sie aufgezeigt hat.
Beim ersten Lesen erschien mir manches unklar. Doch in der weiteren Beschäftigung mit dem Thema Postmoderne, ist mir dieses Buch zu einer großen Hilfe geworden. Ich greife immer wieder darauf zurück. Behrens versteht, die Dinge auf den Punkt zu bringen und wesentliche Aspekte gebündelt zu präsentieren. Durch eine optisch gelungene Gestaltung werden kurze Zusammenfassungen am Ende der Kapitel hervorgehoben. Einzelne Grafiken und Bilder lockern das Buch auf. Es enthält kurze biographische Notizen zu den verhandelten Personen und ist gespickt mit einer Fülle von Zitaten postmoderner Autoren, die das Lesen des Buches bereichern.
über das Ende und den Anfang der POSTMODERNE ...
unter dem eindruck des 11. september 2001 schrieb die FR, die POSTMODERNE sei samt ihrer "unerträglichkeit des selbstgenügsamen unernstes vorbei"; das gegenargument formulierte der londoner terrorismus-experte lawrence freedman, indem er behauptete, die attacken auf symbol-architekturen seien eine typisch postmoderne strategie. roger behrens versucht in seinem 95-seitigen aber ungeheuer inhaltsreichen büchlein genauestens abzustecken, welche strukturen postmodern sind und welche nicht. "freiheit, verschiedenheit, toleranz ist die waffenstillstandsformel der postmoderne" zitiert er zygmunt baumann, einen führenden vertreter postmoderner reflexion. ja, das wäre ja schön, wenn derlei einsichten auch in den momentan krieg-führenden lagern ankämen. ideologische großkonzepte würden entlarvt und an ihre stelle träten individualisierung, life-style-entwicklung, kunst-genuss und inszenierung der eigenen körperlichkeit. KUNST sei vom sockel der hochkultur herabgestoßen worden und durchdringe als jedem zugängliches medium das gegenwarts-bewusstsein: ob film oder architektur, versace oder lagerfeld, möbelkauf oder musik-download. das klingt optimistisch. eine eher düstere variante liefert die verstorbene gallionsfigur der französischen postmodernen philosophie: michel foucault. für ihn ist in den modernen gesellschaften überall wirksam "eine versteckte, alles durchdringende zurichtungs- und anpassungsgewalt". arbeitsrechtliche, medizinische und sprach-klischee-artige normen stellten einen menschen her, der durch unterwerfungs-mentalität und schizophrenie gekennzeichnet sei. demnach wären mobbing, langzeit-arbeitslosigkeit oder migrations-erschwerung nur die mikrosoziologie eines globalen konfliktes, der sich in terroristischen attacken und langjährigen, staatlich finanzierten militär-antworten derzeit global hochschaukelt. geht man den physikalisch-nüchternen thesen des französischen philosophen paul virilio nach, so geschieht dies alles einfach nur mit immer höherer geschwindigkeit - sei es waffentechnisch oder informations-technisch gesehen. wendet man den blick jedoch noch einmal ab von der technik-gestützen hardware-entwicklung (vom flugroboter bis zum dvd-recorder durchaus imponierend) und untersucht stattdessen die evolution der symbole, stellt sich eine durchaus versöhnlichere beurteilung ein. roger behrens erwähnt die IRONIE als wesentliche ("dekonstruktive") methode. in einem eigenen kapitel geht er dem phänomen LEARNING FROM CINEMA nach. da fallen mir ein: ICE AGE oder SHREK oder: DIE UNGLAUBLICHEN. vielleicht gelingt es dem postmodernen und post-post-modernen menschen, im konsens eines versöhnenden schmunzelns humanität zu bewahren, statt sie vollends aufzureiben. das buch des gegenwarts-philosophen roger behrens ist ein kleiner, sehr hilfreicher baustein dazu.
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