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Pro Wirtschaft, pro Wettbewerb, gegen Wohlstandsdenken
"Willkommen in der Wirklichkeit" zeichnet die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungsströme der vergangenen 100 Jahre prägnant nach, um gegenwärtige "Probleme" von Gewerkschaften, Politikern, Unternehmern und Teilen der Bevölkerung verstehen zu können. Insbesondere die Folgen der deutschen Wiedervereinigung in den Köpfen der Menschen ist erstklassig dargestellt. Wir durchleben eine "deutsche Depression", die auch mental begründet ist und schlimmere Konsequenzen beinhaltet, als Depressionen nach Weltwirtschaftskrisen und Weltkriegen!
In Ergänzung zu dieser Bestandsaufnahme versteht es Piper mit einfacher Diktion Lösungswege vorzuzeichnen, wie Deutschland insgesamt eine Perspektive besitzt, die Balance zwischen Wirtschaft und Politik wieder herzustellen. Warten können wir nicht. Die Globalisierung wartet auch nicht auf Deutschland. Und was mit dem passiert, der zu spät kommt, wissen wir ja! Ausgezeichnetes Buch!
Wettbewerb ist notwendig
Der Autor sieht die Lösung unserer Probleme darin, dass wir mehr Freiheit und Wettbwerb brauchen.
Mir scheinen - von der Beschreibung der Sozialen Marktwirtschaft abgesehen - die Ausführungen zu den Gewerkschaften besonders wichtig. Während der Ölkrise in den 70er Jahren haben die Gewerkschaften eine 12- bzw. 11-prozentige Lohnerhöhung durchgesetzt. Das musste - weil die Lohnerhöhung nach Normalisierung der Preise nicht rückgängig gemacht wurde - nach den volkswirtschaftlichen Gesetzen notwendiger Weise zu Arbeitslosigkeit führen. So ist es dann ja auch gekommen. Darüber hinaus plädiert der Autor dafür, die paritätische Mitbestimmung in den Aufsichtsräten (nicht die Betriebsräte!) abzuschaffen. Das würde seiner Meinung nach nur die Entscheidungen verlangsamen und die Kontrollorgane schwächen (der Föderalismus von Bundestag und Bundesrat funktioniert ja ähnlich bescheiden).
Neoliberales Dampfgeplauder
Piper ist der führende Mann im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung. Regelmäßig blubbert er von notwendigen Reformen - macht Front gegen den Sozialstaat Deutschland (aber irgendwie auch weich verpackt, raffiniert wie er ist).
Seine großen Hoffnungen erledigen sich dann regelmäßig einige Monate später - Hartz I - IV muss sein; später dann (natürlich kleiner gedruckt in der Zeitung) sagen die Experten: "Bringt wohl doch nichts." Im Gegenteil: Die sozialversicherungspflichtigen Fulltime-Jobs gingen z. B. durch die Minijobs verloren.
Nun ja, so sind die neoliberalen Weltverbesserer - geschätzt als Wirtschaftsexperten, die freilich nur das Nachnöhlen, was sie vor x-Jahren in der Uni lernten - nichts als heiße Luft. Ökonomisches Dünnbrettbohren ... Herrschaften wie Piper werden Deutschland erledigen - und immer wenn es ein bisschen schlechter geworden ist, werden sie weitere Forderungen stellen.
Man lese lieber Bücher von Albrecht Müller oder aber Robert Kurz, um zu verstehen, worum es geht. Denn das, was Piper will, führt schon seit Jahren in die Irre!!! Verschone uns und Deutschland vor solchen Büchern!!!
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