Customer Review:
Die beste Demokratie, die man für Geld kaufen kann
Endlich liegt die deutsche Übersetzung von "The best democracy money can buy" vor.
Greg Palast war es, der kurz nach der Auszählung der letzten Stimmen zur US-Präsidentenwahl in Florida im Jahr 2000 ein paar Ungereimtheiten über die Unterdrückung des Wahlrechtes demokratisch (in Abgrenzung zu republikanisch) gesinnter US-Bürger veröffentlichte. Vor der Wahl wurden mehrere tausend Bürger, die man dem Lager der Demokraten zurechnen könnte, aus vorgeschobenen Gründen von den Wahlscheinlisten gestrichen. George W. Bush siegte gegen Al Gore mit einem hauchdünnen Vorsprung von mehreren hundert Stimmen.
Merkwürdigerweise wurden diese ungeuerlichen Vorwürfe in den USA nicht veröffentlicht, sondern nahmen den Umweg über englische Zeitungen. Als sie in den USA ankamen, wurden sie nach einer Pseudountersuchung in eine harmlose Version uminterpretiert und zu den Akten gelegt.
Dies ist nur einer der Fälle in Greg Palasts beunruhigendem Werk, das kürzlich in einer aktualisierten Auflage erschienen ist.
Beim Lesen schöpft man den Verdacht, dass sich auch ehemals anspruchsvolle Zeitungsredaktionen inzwischen weit von ihrem ursprünglichen Selbstverständnis, nämlich investigativ als Kontrolle der Macht zu wirken, entfernt haben. Bestenfalls kann man dies als Desinteresse und Niveauverlust deuten. Im schlimmeren -und naheliegenden Fall- muss man von gezielter Steuerung ausgehen. Die Schwierigkeiten, die Palast dabei hatte, seine Indizien in der amerikanischen Presse zu plazieren, lassen aufhorchen...
Während die elektronischen US-Medien inzwischen jede Eintagsfliege als "breaking news" verkünden, bleiben die wahren Enthüllungen immer häufiger in den Filtern stecken und müssen sich über das Internet oder ausländische Medien ihren Weg bahnen.
Man kann Greg Palast meiner Ansicht nach weder Hast noch Einseitigkeit vorwerfen, sondern muss berücksichtigen, dass er viel Anlauf nehmen musste, um überhaupt gehört zu werden. Da man ihn in Deutschland kaum als Leitartikler kennt, wiegt auch der Vorwurf, die Stories seien eine Ansammlung bekannter Zeitungsartikel nicht schwer.
Wer hintergründiges Material nicht nur über die Bush Regierung sondern über die Einflussnahme amerikanischer Medien und Industriekonzerne auf die Regierung sucht, ist mit diesem Buch gut bedient.
Äusserst interessant!
Der Titel ist zwar etwas frei "übersetzt", weil das englische Original heisst "The Best Democracy Money can buy". Und das sagt eigentlich auch schon zum grossen Teil womit sich Greg Palast beschäftigt. Da kommen G.W. und viele andere sehr schlecht weg. Wenn man so liest, was da alles passierte von der Wahlgeschichte in Florida, über die Stromliberalisierung von Bush Senior, die die aktuelle Strom-Misere mitverursacht hat. Auch der liebe Tony Blair kriegt ordentlich was ab. Ebenso werden die Machenschaften der Weltbank und des internationalen Währungsfonds behandelt.
Über die Qualität der Übersetzung kann ich natürlich nichts sagen. Das Stromkapitel ist teilweise etwas trocken, aber die Brisanz der Informationen treibt einen darüber hinweg.
Wer in diese Richtung interssiert ist - unbedingt lesen.
Books: