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Dr. Bald
Dr. Bald ist ein interner Kenner der Bundeswehr und hat mit diesem Buch eine sehr gute Diskussionsgrundlage für den Transformationsprozess innerhalb der Bundeswehr geschaffen.
Titel verfehlt
"Die Bundeswehr - eine kritische Geschichte" ist der Titel dieses optisch unauffälligen Bandes. Dies führt leicht zu falschen Erwartungen, denn wer hier tatsächlich eine Geschichte der Bundeswehr erwartet, wird wenig ergiebiges finden. Wenn man jedoch die Begriffe des Titels in eine andere Reihenfolge stellt, kommt man der Sache näher. "Die Kritik an der Bundeswehr - eine Geschichte" trifft den Inhalt perfekt.
Strategie, Führung, Rekrutierung, Tradition - all dies wird nur dann für erwähnenswert befunden, wenn es "kritikwürdig" scheint. Taktik, Rüstung und der "Sozialraum Bundeswehr" werden kaum gestreift, auch an Zahlen und Daten, durchaus wichtig für ein Werk mit diesem Ansprucht, herrscht ein eklatanter Mangel. Es ist relativ offensichtlich, daß der Autor von militärischen Dingen im eigentlichen Sinne wenig versteht, und daß seine "Feldstudien", wenn überhaupt, nur sehr einseitig erfolgt sind. Dies wird z.B. an den Bemerkungen über die Übernahme von NVA-Soldaten deutlich, welche zwar durchaus zu kritisierende Mißstände aufgreifen, gleichzeitig aber an der Realität in der Bundeswehr weit vorbeigehen.
Im letzten Abschnitt wird dann schließlich auch die politische Agenda des Autors, bis dahin noch einigermaßen im Zaum gehalten, deutlich: Die Bundeswehr, wenn es denn unbedingt sein muß, darf existieren, aber sie möge doch bitteschön kein *Militär* mehr sein. Vom "Kämpfertum" solle man sich doch tunlichst verabschieden und es durch "Zivilität" ersetzen. Dieses neue Credo der "Friedensbewegten" könnte man vielleicht etwas grob mit "Kastrieren statt Auflösen" paraphrasieren. Es ist ungefähr so realitätsnah wie die Idee, die Polizei sollte weniger Gewicht auf das "Gesetzeshütertum" legen.
2 Sterne hätte ich vergeben, wenn der Autor seine politischen Tiraden etwas subtiler gestaltet hätte. 3 Sterne, wenn er dazu noch wenigstens ein wenig mehr "Geschichte der Bundeswehr" eingebaut hätte. So bleibt aber leider nur die Mindestnote, insbesondere, da der Band zu allem Überfluß aber auch gar nichts neues enthält. "Friedensbewegte" sehen hier nur ihre Ressentiments gegen die Bundeswehr bestätigt, und "Reservemörder" wie ich ihre Ressentiments gegen friedensbewegte Historiker, denen man unweigerlich eine Konzentration auf das "Geschichtsschreibertum" nahlegen möchte
Versagen der Inneren Führung
Der Münchner Historiker Detlef Bald verfolgt in diesem pünktlich zum 50. Geburtstag der Bundeswehr erschienenen Band zwei Wege: Zum einen zeichnet er auf knappem Raum die Entwicklung der Bundeswehr von ihren Anfängen bis zur Gegenwart nach, zum anderen verfolgt er ein politisches Anliegen: Die Eingliederung dieser Armee in den bürgerlich-demokratischen Rechtsstaat, was für ihn nichts Anderes heißen kann als die Orientierung dieser Armee an den Maßstäben der von General von Baudissin konzipierten Inneren Führung. Doch die Bilanz dieser fundierten und auf eine Vielzahl von Quellen gestützten Untersuchung muss nicht nur diejenigen schaudern lassen, die aus pazifistischer Grundhaltung Militär grundsätzlich ablehnen, sondern auch all jene, die zwar das Militär als Instrument der Politik bejahen, die es aber als Teil einer demokratischen, sich zu Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus bekennenden Gesellschaft verstanden wissen wollen.
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