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Manche Wahrheit tut eben weh
Jeder, der Erinnerungen schreibt, bilanziert sein Leben und versucht dabei, mit sich ins Reine zu kommen. Dafür werden sie von Kritikern, die eine andere Sicht auf die beschriebenen Dinge haben, geziehen, sie würden sich rechtfertigen. Das ist das dämlichste Argument, was ich kenne. Mir sind jedenfalls noch nie Erinnerungen vor Augen gekommen, wo einer (oder eine) erklärte, sein/ihr Leben war für die Katz. Da würde er/sie nämlich zur Pistole und nicht zum Stift greifen... Wagner berichtet aus seiner Tätigkeit bei der Spionageabwehr im MfS. Er tut dies sehr sachlich und sehr selbstkritisch. Er macht aber auch deutlich, worauf er stolz ist. Das scheint manchem nicht zu schmecken. Vermutlich, weil der Autor aus heutiger Sicht auf der falschen Seite stand. Wagners Buch liefert ausreichend Gründe, daß es Sinn macht, für die Abschaffung von Geheimdiensten zu streiten. Schade ums Geld für alle Dienste - aber keineswegs schade ums Geld für dieses Buch!
Außer Spesen nichts gewesen!
Was ein spannendes Sachbuch hätte sein können, liest sich bereits nach wenigen Seiten wie die Abrechnung eines "Ewig Gestrigen", der endlich die Gelegenheit nutzen möchte und nicht müde wird, zu erkären, dass die Stasi stets und endlich schlauer war, als der BND. Seite für Seite die gleiche Litanei. Selbst Verbrechen des DDR-Regimes, wie die Hinrichtung von "Vaterlandsverrätern", werden schließlich mehr oder weniger als Schuld des BND dargestellt. Ein leider sehr subjektiv geschriebenes Werk, dass höchstens zur Erbauung ehemaliger MfS-Mitarbeiter beiträgt. Einen Beitrag zum Verstehen der damaligen Zeit vermag das Buch in keiner Weise zu leisten. Schade um das Geld! Hätte nicht mal einen Stern verdient.
Das Hase und Igel Agentenspiel - Ein Igel berichtet!
Sicher kein schönes Gefühl für den Bundesnachrichtendienst (BND) in Pullach, wenn man von einem ehemaligem Gegenspieler, dem ehemaligen MfS-Oberstleutnant Helmut Wagner die langanhaltende Kette der Misserfolge in 237 Seiten detailliert auf's Butterbrot geschmiert bekommt. Anfangs ein wenig schleppend, da die satt bekannte Historie des Nachrichtendienstes der Bundesrepublik mit der kompletten Startpersonalriege (Organisation Gehlen) von Gestapo-, SD-, SS- und NSDAP Mitarbeitern aufgeblättert wird. Auch auf Dauer ermüdend und nur für Insider erfreulich, die ellenlangen Strukturbezeichnungen und Abteilungsbezeichnungen der beiden Geheimdienste, in denen es in diesem Buch geht. Da, wie es im Text aussieht, Helmut Wagner nicht zu den Wendehälsen gehörte, welche nach 1989 fix den Dienstherren wechseln, packt Helmut Wagner aus dem Nähkästchen interner handwerklicher Agentenarbeit aus und vermittelt Deutsche Spionagegeschichte aus der Sicht eines sogenannten Tschekisten, der im Kaltem Krieg meint auf der Seite der Guten zu sein. Zwischendurch, wie sollte es auch anders sein, ein wenig holprige Entschuldigung, warum der ganze DDR Laden sich in Rauch auflöste und es mit dem real existierenden Sozialismus nicht geklappt hat. Interessant wird es aber, wenn es um die Fakten geht, warum der DDR Geheimdienst bis zum Stichtag der Auflösung besser war. Hier kann der Leser fast erahnen, warum beim Hase und Igel Spiel der beiden Deutschen Geheimdienste der Bundesdeutsche Geheimdienst der Hase war. Fairerweise kommen auch die eigenen MfS Schlappen nicht zu kurz. Manchmal dozierend aber auch oft erfrischend humorvoll liefert Wagner hier locker Stoff für 3-4 spannende Agentenfilme, welche mit Sicherheit auch gedreht werden, wenn der Rauch der Geschichte sich erst einmal verzogen hat. Auf alle Fälle ist Helmuts Wagners Rapport lesenswerter als manche zusammengeschusterte Agentenschnulze. Meine Neugierde, mit dem Motiv gepaart, wie hat diese Saubande das nur gemacht, wurde vollends befriedigt. Schade fand ich, dass Wagner hier die Köpfe der DDR Bürgerbewegung ein wenig zu scheren versuchte. Aber kein Wunder - nicht die phantasielosen langweiligen Bürokraten aus Pullach haben den besten Geheimdienst der Welt ursächlich zur Strecke gebracht, sondern ein paar verängstigte Volkspolizisten am 15. Januar 1990, welche die Tore der Normannenstraße, der Stasizentrale der DDR den aufgebrachten Bürgern öffneten. Der erste Nachrichtendienst-Chef des Deutschen Reiches, Major Walther Nicolai, hatte 1913 einen Etat von 300 000 Mark. Fein wäre es, wenn die Pullacher heute das gleiche Etat von ihren Volksvertretern hätten, als wie damals vom Kaiser genehmigt. Das Ergebnis der besten Geheimdiensttätigkeit der Welt zeigt doch auch am Beispiel des Berichtes von Oberstleutnant a.D. Helmut Wagner - es ist alles für die Katz!
© Richard Hebstreit
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