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Brilliant - aber entscheidende Fragen bleiben offen
'Das Kapital" gehört zu den Klassikern der ökonomischen Theorie. Marx war ein großartiger Rhetoriker - und viele Passagen sind ein Lesegenuss. Seine Theorie ist umfassend, scheint zunächst schlüssig und gewinnt vor allem daraus ihre Überzeugungskraft: sie ordnet die Vielfalt dessen, was man täglich aus den Medien mitbekommt und kann einem das Gefühl geben, mithilfe der marxschen Kategorien dabei das Wesentliche zu sehen.
Doch am Ende der Lektüre bleiben entscheidende Fragen offen:
Wie genau kam es geschichtlich zu dem für Marx so entscheidenden "Privateigentum"? Marx bietet dazu nichts an als ein paar Spekulationen (siehe z.B. S. 102ff), und auch die heutigen Sozialwissenschaften inclusive der Ökonomie haben dazu, sofern sie diese Frage überhaupt aufwerfen, ebenfalls nichts Überzeugenderes zu bieten.
Und spätestens heute, 14 Jahre nach 1989, kommt man um folgende Frage nicht mehr herum: wenn Produktivität und technischer Fortschritt in erster Linie auf geplante arbeitsteilige Kooperation zurückzuführen sind, wie Marx behauptet (siehe Abschnitt 4: "Die Produktion des relativen Mehrwerts"), warum führte dann die ÃSbertragung dieses Prinzips von den einzelnen Unternehmen auf die gesamte Gesellschaft ("sozialistische Planwirtschaft") nicht zu der "Produktivkraftentfesselung", die die Sozialisten sich davon versprachen und die nach Marx' Theorie auch hätte eintreten müssen? Wo also liegt der "Haken" in Marx' Theorie des Kapitalismus, der die gigantische Fehlprognose hinsichtlich der technischen Entwicklung des kürzlich verblichenen Sozialismus möglich machte, die wir ja anhand des Vergleichs der ost- mit der westdeutschen Wirtschaft ab 1989 deutlich beobachten konnten?
Auch zu diesem Punkt haben heutige Ökonomen und Entwicklungstheoretiker nur wenig Überzeugendes zu sagen. Und es liessen sich hier noch eine ganze Reihe weiterer Fragen auflisten, bei denen es ganz ähnlich aussieht.
Doch den meisten Theoretikern, die sich heute immer noch auf Marx berufen, scheint nichts besseres einzufallen, als ihren Meister immer wieder 'neu zu interpretieren" anstatt anhand konkreter Fragestellungen wie der obigen in seinem Sinn weiterzuforschen. Stattdessen singen sie fleissig weiter brav im Chor linkssozialistischer Denk-Klischees mit, dem sie seit Jahrzehnten angehören.
Wer nach der Lektüre des 'Kapital" nicht in diesen Chor einstimmen möchte, sondern sich für die Klärung der obigen, bei Marx offengebliebenen Kernfragen interessiert, um über endlich über Marx hinauszukommen, ohne dabei hinter seine Einsichten zurückzufallen, dem sei empfohlen, sich auch folgende Arbeiten anzusehen:
Gunnar Heinsohn: 'Privateigentum, Patriarchat, Geldwirtschaft - eine sozialtheoretische Rekonstruktion zur Antike"
Gunnar Heinsohn/Otto Steiger: 'Geld, Produktivität und Unsicherheit in Kapitalismus und Sozialismus" (Aufsatz in der Zeitschrift 'Leviathan", Bd. 9, 1981, S. 164-194 - zu bekommen über jede Uni-Bibliothek).
Gunnar Heinsohn/Otto Steiger: "Eigentum, Zins und Geld - ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft"
Paul C. Martin: Der Kapitalismus.
Die Zeiten ändern sich, die Thesen bleiben
Nach Lektüre dieses Buches weiß man zwei Dinge: (1) Man kennt die ungeschminkte Wahrheit über den industriellen Arbeitsalltag des 19. Jahrhunderts. (2) Man kapiert, wie dieses kapitalistische Wirtschaftssystem im Kern heute noch funktioniert und an welchen Fehlern es seit seiner Entstehung krankt.
Die Probleme wandeln sich. Die Thesen von Marx sind größtenteils von Bestand. Jeder sollte das Kapital mal lesen und ideologiefrei(!) betrachten. Nicht nur "die Linken", sondern gerade auch Menschen aus dem konservativen Lager der Gesellschaft. Damit jeder weiß, worüber er da redet
Absolute Pflichtlektüre für jeden Arbeiter
Wer sich ernsthaft mit unserer Wirtschaft und der damit zusammenhängenden Gesellschaftsform beschäftigen möchte kommt um dieses grandiose Werk nicht herum.
Proletarier aller Länder, lest Marx und vereinigt euch!!
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