Leviathan

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Authors: Wolfgang Kersting
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: Januar 1999
Publisher: Akademie-Verlag
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Customer Review:
Hobbes als Begründer des modernen Verfassungsstaates
Thomas Hobbes hat mit dem "Leviathan" die moderne politische Theorie- und Ideengeschichte in Form der Vertragstheorien eröffnet.
Ausgehend von seiner pessimistischen Anthropolgie und in Gestalt einer geometrisch-logischen Argumentationskette, nach der der Mensch immer nach dem strebt, was der andere besitzt, beschreibt der den Naturzustand, indem alle Menschen gleich sind.
Diese Gleichheit führt dazu, dass der einzelne ein Recht auf alles hat, womit er im Endeffekt nichts hat, da die ewige Konkurrenz und Gier zum "bellum omnio contra omnes (Krieg jeder gegen jeden)" führt. Damit gilt der Grundsatz "homo homini lupus (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf)", was zu einem elenden und kurzen Leben führt. Da aber auch "homo homini lepus (Der Mensch ist dem Menschen ein Hase)" gilt, wollen die vernunftbegabten Menschen dem Naturzustand entkommen. Deshalb schließen sie einen (gedachten) Gesellschaftsvertrag, indem alle ihre Rechte an einem Souverän abtreten, der ihnen dafür dreifache Sicherheit garantiert: 1.Schutz vor zwischenmenschlicher Gewalt. 2. Schutz vor einem übermächtigen Staat und 3. Schutz vor den Folgen des Lebens (so soll der Staat arbeitslose Menschen unterstützen, insbesondere indem er Arbeit schafft [Hobbs nennt hier auch die Eroberung fremder Gebiete, was heute "wegfällt"]".
Kann der Souverän diesen Schutz nicht garantieren, besteht das Recht, den Vertrag aufzulösen, womit der Naturzustand wieder eintritt.
Diese verkürzte Zusammenfassung soll verdeutlichen, dass Hobbes vor dem Hintergrund der abendländischen Religionskriege und den Erfahrungen in England mit Oliver Cromwell zum ersten Mal den Gedanken der Monopolisierung von Macht in einer verfassten Ordnung erläutert, wobei die Kirche dem Staat untergeordnet wird. Auch wenn der Leviathan dazu einlädt, eine totalitäre Ordnung zu legitimieren, kann dieser alle Formen (Monarchie, Despotie, Aristokratie oder Demokratie) annehmen, wobei Hobbes die Monarchie unterstützt, was ihn in England Feindschaft und Verfolgung einbrachte.
Dem steht nicht entgegen, dass der Souverän eine Machtfülle besitzt und ausserhalb der geschaffenen Gesetze steht (was in der Demokratie auch gilt). Vielmehr muss er den Gesetzen Geltung verschaffen, da "Verträge ohne das Schwert nichts sind".
Insgesamt hat Thomas Hobbes nichts von seiner Aktualität verloren (so nennt er ausdrücklich die Wehrpflicht als Verteidigung des Staates als allgemeine Pflicht, obwohl es sonst ein Recht zur "Feigheit" gibt).
Insbesondere, da er die Frage stellt, was geschieht, wenn der Staat sein Gewaltmonopol als Merkmal des modernen Staates zu verlieren droht, da damit die Legitimation der verfassten Ordnung ins Wanken gerät. Pflichtlektüre für denjenigen, der sich mit politischer Theorie- und Ideengeschichte beschäftigt. Und auch sonst zu Empfehlen.
Ein Buch mit Schwefelgeruch
Neben Machiavellis "Fürsten" ist der "Leviathan" wohl das übel beleumdetste Buch der politischen Philosophie. Hobbes selbst hatte den Ruf eines "Atheisten", und dies bezeichnete zu seiner Zeit den höchsten Grad moralischer Verworfenheit. Woher der Schwefelgeruch? Hobbes versucht als einer der ersten Philosophen der Neuzeit, menschliches Handeln ohne den Rekurs auf Gott zu erklären. Menschen leben in Staaten nicht, weil dies von Gott so angeordnet wurde, sondern weil sie sich entschließen, ihre Eigenmacht zum Schutz von Freiheit, Sicherheit und Eigentum an einen höchsten Souverän (Monarch oder Aristokratie oder Parlament) zu delegieren. Dieser Souverän garantiert durch sein Gewaltmonopol, dass Veträge eingehalten und Übertretungen bestraft werden. Der "Leviathan" vermag noch heute zu faszinieren; die Nüchternheit seiner Analyse und die ungeheure Bildkraft seiner Sprache (wir sind im Barock) sind in der nachfolgenden Literatur unüberholt.
gut kombiniert
Der Leviathan gründet auf elitärem Verständnis. Er ergibt sich aus dem Naturzustand, indem wir unseren Nachbarn einfach erschlagen können, quasi als Sicherheit, aber das ist ja bekannt. Neu ist, dass im MacPherson-Beitrag Hobbes auf die aufkommende Marktwirtschaft eigentlich reagierte, in der Freiheit und Schutz eine ganz besondere Rolle spielen muss. Hobbes ein Liberaler?
Für alle Powis, die sich mit Ideengeschichte beschäftigen ist dieses Buch ein absolutes muss.
Schönes Buch!

Books:

  1. Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts
  2. Politische Theorien des 19. Jahrhunderts. Konservatismus - Liberalismus - Sozialismus
  3. Theorie des sozialen Handelns.
  4. Geschichte der internationalen Beziehungen. Ein systemgeschichtlicher Abriß.
  5. Die Entstehung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland 1949. Eine Dokumentation.
  6. Die Europäische Einigung. Von 1945 bis heute.
  7. Preispolitik
  8. No Drugs. No Future. Drogen im Zeitalter der Globalisierung
  9. Power and Terror. US-Waffen, Menschenrechte und internationaler Terrorismus
  10. Neue Weltordnungen. Von Kolonialismus bis zum Big MAC

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