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Fabeln aus dem Neon-Westen der USA
Casino Zombies und andere Fabeln aus dem Neon-Westen der USA Am 29. Dezember 1890 wurden 146 Flüchtlinge darunter 44 Frauen und 18 Kinder an den Ufern des gefrorenen Wounded Knee Creek von den Kugeln der neuen Hotchkiss Gewehre der Armee einfach niedergemetztelt. Die in Casino Zombies zusammengestellten Aphorismen von Mike Davis aus den Jahren 1992-1999 beschreiben sehr anschaulich, wie die Frontier, die stetig fortschreitende Grenze zu den elementaren Gründungsmythen der USA gehört. Die US amerikanische Vorstellung von einer Region, in der jeder und jede seine oder ihre Persönlichkeit in ganzer Größe verwirklichen und entfalten kann und derjenige gewinnt, der am schnellsten schießen kann, paßt hervorragend ins Selbstbild einer Gesellschaft, die sich dem Individualismus und dem Fortschritt verschrieben hat. Die Vorstellung vom Westen als einer unendlichen und einzigartigen Weite, die dem weißen Mann gleichzeitig Herausforderung und Prüfung ist, paßt zudem ausgezeichnet zu einer Siedlungskultur, die auch im neuen Jahrtausend keinerlei Grenzen akzeptiert und sich weiterhin vollkommen unbeeindruckt zeigt von den Zwängen, die ihre soziale und natürliche Umgebung ihr auferlegt. Alles scheint machbar, wenn selbst Wüstenlandschaften in den größten Freizeitpark der Welt mit künstlichen Seen, riesigen Themenparks und Golfanlagen verwandelt werden können. Neben den größten Freizeitarealen hat „the land of sunshine" als weitere Wachstumsbereiche, die größten Rüstungs- und Gefängniskomplexe vorzuweisen. Der Bundesstaat Kalifornien hat nach China und der gesamten USA die drittgrößte Gefängnispopulation auf der Welt und gibt mehr Geld für die Inhaftierung vorwiegend farbiger Jugendlicher aus, als für die gesamte Hochschulausbildung. Davis widmet sich in seinen Aufsätzen sehr anschaulich den sozialen Bewegungen und damit den ungewöhnlichen Formen der solidarischen Zusammenarbeit zwischen Stadtteilgruppen und Gewerkschaft im Südwesten der USA. Nicht zuletzt diese Perspektive von Mike Davis auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, die immer auch die Kämpfe der Menschen gegen die Zumutungen des „neoliberalen Klassensystems" mit einschließt, macht den Autor des Standardwerks „City of Quarz" zu einem der faszinierendsten Beobachter der US-amerikanischen Verhältnisse.
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