Unter Mördern. Ein Arzt erlebt den Schwerverbrecherknast

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Authors: Roland Garve
Catalog: Book
Media: Broschiert
Release Date: Dezember 1999
Publisher: Links
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Customer Review:
Unter Mördern
Roland Garve schildert das Knastleben, wie ich es 1986/87 in Brandenburg genau so erlebt habe ... Auf der Zelle waren wir 12 ... davon 7 Lebenslängliche ... der Jüngste 18 hatte seine Freundin umgebracht (schlief über mir) ... ein anderer sammelte Bilder von Frauen aus der Zeitung und malte mit Kugelschreiber ein rotes Dreieck zwischen deren Beine (Sexualstraftäter, war auf der Zelle , weil die Haftpsychatrie überfüllt war) ... ein weiterer (ehem. NVA-Offizier) hatte seine zwei kleinen Kinder im Keller verhungern lassen, während er mit seiner Frau Urlaub machte ... alle waren "unschuldig" ... für mich (damals 25) war das ein Psychologiestudium ... super aufgeschrieben und geschildert vom Autor (Uwe, versuchter Grenzübertritt im schweren Fall, 4 Jahre 3 Monate, zweifach rehabilitiert)
Die Mörder sind unter uns ... .!!!
Schwerverbrecher im Osten konnte jeder werden!

Mich hat die Story eines Privilegierten (und das war Hr. Grave als Studierter in der „DDR“) ein wenig irritiert. Da ich selbst aus der „DDR“ stamme und in den 80` politischer Gefangener war, weiß ich einiges mehr... . Die Schilderungen im Alltag der damaligen „DDR“ und im Strafvollzug kann ich „unterschreiben“! Erschrocken war ich über die kalte Art und Weise der Aussagen des Autors und dessen Verhaltens gegenüber der „Nicht politisch motivierten Strafgefangenen“. Imübrigen, finde ich das Buch stellenweise ein wenig „langatmig“. Konkret! Wem interessiert heute schon welcher Mörder wann wem wie damals umgebracht hat? Eine Auseinandersetzung über die Ursachen dieser Untaten hätte mich mehr interessiert. Zum Bsp. ob diese Menschen auch in einer Demokratie in diese Lage gekommen wären. Ich denke das diese Taten ein Spiegelbild der Gesellschaft waren/sind. Wer aber auf ein Werk „steht“ in dem Mörder und deren Alltag im Osten beschrieben ist, der möge dieses Buch konsumieren. Imho, ein politisch korrektes Werk für die Kurzweil und zum schnellen Verzehr bereit. Passend in „unsere“ Zeit.
Ein Zahnarzt unter Mördern
Für einige tausend Menschen, die der DDR den Rücken kehren wollten, stand auf dem Weg zum Ziel das Gefängnis, ein Abgrund voller Demütigung, Denunziation, Roheit und menschlichem Abschaum. Roland Garve hat diesen Abgrund erlebt und beschrieben. Der frisch diplomierte Zahnarzt bastelte 1981 eine Tauchausrüstung, mit der er durch die Elbe nach Niedersachsen abtauchen wollte. Nachdem ihm die Sauerstoffflaschen beim Füllen um die Ohren geflogen waren, griff die Staatssicherheit zu und brachte ihn nach Brandenburg; neben Bautzen das berüchtigste Zuchthaus der DDR. Garve zeigt, wie man sich zwischen Ganoven, Mördern und Kleinkriminellen einrichtet - sich arrangiert, ohne einzuknicken. Mit 15 Personen auf 20 Quadratmetern, übereinandergestapelt in dreistöckigen Betten, schlechtem Essen, Gewalt, Roheit - aber auch Kameradschaft und Solidarität.
In einer Mischung aus Mitleid und Abscheu, nicht ohne Voyeurismus, beschreibt der Autor Fälle, Personen und Einzelschicksale. Nachdem er aus dem Haus I, wo die Häftlinge per Hand Kupfer in die Elektromotoren wickeln mußten, in das Haftkrankenhaus verlegt wurde, hatte der Zahnarzt nicht nur ausgiebig Gelegenheit, gebrochene Kiefer und herausgeschlagene Zähne zu behandeln, er konnte auch die Lebensläufe seiner Patienten studieren. Neben Knastkarrieren, die man durch ein Mindestmaß an sozialer Zuwendung unterbrechen hätte können, waren in Brandenburg alle Perversionen, deren Menschen offenbar fähig sind, vertreten. Manch einer hätte eigentlich in die Psychatrie gehört, berichtet Garve, dessen Entsetzen über diese Geschichten im Laufe der Haftzeit merklich nachließ. Offensichtlich dienten die Gefängnisse in der DDR nicht nur als Verschiebestation für politisch Mißliebige, sondern vielfach auch als Abladeplatz für psychisch Gestörte und "Asoziale".

Books:

  1. Der Irak - Krieg, Besetzung, Widerstand
  2. Heldenmythos und Opfertaumel
  3. Wohin steuert Nordkorea? Soziale Verhältnisse - Entwicklungstendenzen - Perspektiven
  4. Chronik der Wende
  5. Stille Hilfe für braune Kameraden
  6. Afghanistan, der Krieg und die neue Weltordnung
  7. ' RAF. Das war für uns Befreiung'
  8. Sturzflug in die Krise
  9. Die Geschichte der RAF
  10. Die Neugestaltung der vernetzten Welt. Global denken - global handeln

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