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Mit kleiner Perspektivenkorrektur durchaus lesenswert
Was als Dialog dargestellt wird, beschreibt in Wahrheit einen Generationenkonflikt. Denn die Herausgeber des Buches, Sommer und Kuenheim, sind die 'Buben' der ZEIT-Familie und somit selbst Partei in dieser Darstellung. Das ist nichts Ehrenrühriges, wenn die Vorbedingung klar herausgestellt wird. Zwar wird es sie Vorwort angerissen, doch so ganz bekennen sie sich nicht zu ihrer eigenen aktiven Rolle im Geschehen.
Das gilt insbesondere für Theo Sommer. Nicht nur wird er auf den Bildern auffällig oft dargestellt, im Gegensatz zu beispielsweise dem zeitweisen Verleger Stolze. Besonders der zweite Teil des Buches enthält nicht wie erwartet Briefe von Bucerius an die Gräfin, sondern an sie, Stolze und - eben - Sommer. Spätestens wenn die Gräfin in ihrer Antwort einen Brief von oder an Sommer zum diskutierten Thema erwähnt, fehlt dieser Brief dem Leser.
Dass der Sohn dieses Familiendramas seine eigene Position einbringt, zeigt sich besonders an der in meinen Augen übertriebenen Empörung darüber, dass Bucerius ein von ihm (Sommer) veröffentlichtes Bild kritisierte, später jedoch den Vorfall nutzt, um seinen eigenen Wunsch nach der Veröffentlichung eines anderen Bildes zu begründen.
Während der 'Vater' Bucerius unermüdliche Kritik äußert, hält die Gräfin ihre mütterlich-protegierende Hand über dem 'Buben' Sommer - selten auch in dem Buch über Kuenheim. Da spürt man in der Gesamtdarstellung schon gelegentlich den Wunsch der Buben, dieser Bucerius möge doch am besten sein Geld zur Verfügung stellen, aber ansonsten den Mund halten.
Wer sich ein Bild von Bucerius machen will, sollte sich in dem Buch auf dessen eigenen Worte und weniger auf die Kommentare verlassen. Vielen seiner Kritikpunkte kann ich nur heftig nickend zustimmen. Die Gräfin offenbart in dem Buch neue, mir bisher unbekannte Seiten. Sehr spannend ist der Umgangston zwischen Bucerius und der Gräfin, wobei leider vorenthalten bleibt, wie sie aus den Konflikt-Höhepunkten wieder zu ihrem freundschaftlichen Verhältnis zurück fanden.
Spaß an der Arbeit und Streitkultur
Dieser Briefwechsel ist ein außergewöhnliches Zeugnis. Er läßt sehr tief in die Geschichte der ZEIT blicken, die von den beiden Briefschreibern wesentlich geprägt wurde. Zwei Themenbereiche treten dabei immer wieder hervor: Spaß an der Arbeit - die tragende Säule in der ZEIT-Redaktion. Und eine Streitkultur zwischen Marin Dönhoff und Gerd Bucerius, die seinesgleichen sucht. Die Briefe geben ein authentisches Zeugnis, wie man rund 40 Jahre intensiv zusammenarbeiten kann, indem man sich man sich - auch in schriftlicher Form - über Themen und Vorgangsweisen auseinandersetzt, ohne aber den Grundkonsens aus den Augen zu verlieren. Viele andere "Beziehungen" hätten das nicht ausgehalten. Man kann den beiden vieles vorwerfen, aber nicht mangelnde Ehrlichkeit.
Wunderbares Zeitdokument
Das war eine ganz eigene, besondere Freundschaft: ZEIT-Gründer Gerd Bucerius und Marion Gräfin Dönhoff. Fast fünfzig Jahre umspannt diese Sammlung von Briefen der beiden. Sehr persönlich und interessant zu lesen; beleuchtet die Korrespondenz doch Privates, Gesellschaftliches und freilich Politisches. Und doch ist es mehr als eine chronologische Aneinanderreihung von Briefen - die Herausgeber Theo Sommer und Haug von Kuenheim, die anderen "tragenden Säulen" der ZEIT, haben sich große Mühe gegeben, den jeweiligen Hintergrund der Briefe zu erläutern und somit einen größeren Zusammenhang zu schaffen. Es gibt eine Zeittafel und Bilder, handschriftliche Dokumente; das alles, zusammen mit den hilfreichen Anmerkungen und dem immer wieder aufblitzenden trockenen Humor der Gräfin Dönhoff machen dieses Buch zum Zeugnis einer Freundschaft voller Vertrauen, Hochachtung und Ehrlichkeit.
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